Sexuelle Belästigung: Southwest schmeißt Fluggast raus

Sexuelle Belästigung: Southwest schmeißt Fluggast raus

Er berührte ihr Bein, füßelte mit ihr, beleidigte sie und rastete aus, als sie den Sitzplatz wechselte. Weil ein Passagier auf einem Southwest-Flug eine Frau sexuell belästigte, landete der Pilot ungeplant.

Eine Frau wurde in einem Southwest-Flieger von ihrem Sitznachbarn sexuell belästigt. (Symbolfoto)
Eine Frau wurde in einem Southwest-Flieger von ihrem Sitznachbarn sexuell belästigt. (Symbolfoto)

Foto: pixabay.com/Free-Photos

Sexuelle Belästigung im Flieger ist ein Thema, das nur selten ans Licht kommt, aber immer häufiger auftritt. Bei Southwest kam es innerhalb von nur einer Woche zu zwei Vorfällen von sexueller Belästigung. Ein mutmaßlicher Grapscher begründete sein Verhalten mit der Aussage: „Donald Trump sagt, das ist okay.“

Eine Strafanzeige gibt Einblicke in den zweiten weiteren Vorfall, der am Dienstag vergangene Woche auf dem Southwest-Flug 859 von Los Angeles nach Dallas geschah: Er saß in der Mitte, sie am Gang. Kurz vor dem Start legte er ihr die Hand aufs Bein, sie drehte sich weg und versuchte den Mann zu ignorieren. Doch er kam ihr noch näher, fing an, mit ihr zu füßeln. Sie bat ihn darum aufzuhören, doch er begann, persönliche Fragen zu stellen. Wie sie heiße, woher sie komme, ob sie allein in ihrem Hotelzimmer wohne. Als sie die Einladung, mit ihm auszugehen, ablehnte, flüsterte er ihr ins Ohr: „Leg dich nicht mit mir an.“ 

Sexuelle Belästigung: Frau wechselt Sitzplatz, der Mann rastet aus

Der Frau wurde es endgültig zu viel und sie bat einen Flugbegleiter darum, den Platz wechseln zu dürfen. Der Southwest-Mitarbeiter – der dachte, die beiden seien ein Paar, weil sie so nah beieinander saßen – setzte sie um. Als er ihr einen Drink brachte, weinte die Frau. Sie erzählte, der Mann sei zu ihrem neuen Sitz gekommen und habe sich über ihr Verhalten beschwert.

Der Flugbegleiter stellte daraufhin den Passagier zur Rede. Der reagierte aggressiv, begann zu fluchen und zu schreien. Er habe nicht „wie ein normaler Mensch“ reagiert, so der Flugbegleiter, sondern sei ausgetickt. Vielleicht habe er unter Drogen gestanden, mutmaßt er.

Der Flugbegleiter informierte den Piloten, der sofort eine Zwischenlandung in Albuquerque einleitete. Für den Fall, dass der Mann noch mehr Probleme machte, hielt die Crew Decken und Fesseln bereit. Doch die Maschine landete ohne weitere Zwischenfälle und er wurde festgenommen – der Flug endete mit eineinhalb Stunden Verspätung.

Dem FBI sagte der Mann später, er und die Frau hätten sich gemeinsam Videos auf dem Bildschirm angeschaut und er habe gedacht, sie flirte mit ihm. Zudem gab er zu, Methamphetamine zu nehmen und vor dem Flug eine Heroinüberdosis genommen zu haben.

Bei einer Verurteilung drohen dem Mann unter anderem wegen Körperverletzung bis zu 20 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe bis zu 250.000 US-Dollar.

65 Prozent der Flugbegleiterinnen wurde sexuell belästigt

Sexuelle Belästigung – ob durch Worte, Berührungen oder Vergewaltigung – sind ein Problem an Bord von Flugzeugen. Nicht nur Passagierinnen und Passagiere sind betroffen, sondern auch Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. So wurde mehr als die Hälfte aller amerikanischen Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter im Job schon einmal sexuell belästigt, so das Ergebnis einer Umfrage der amerikanischen Vereinigung der Flugbegleiter AFA.

Wir werden jeden Tag an Leiste und Po betatscht, manchmal auf jedem einzelnen Flug.

Eine aktuelle Umfrage der australischen Gewerkschaft TWU zeigt gar, dass knapp zwei Drittel des Flugpersonals mindestens einmal Opfer sexueller Belästigung wurden. „In unserer Branche wird angenommen, dass Kabinenpersonal im Gegensatz zu Piloten frei verfügbar ist“, so ein Crewmitglied. „Wir werden jeden Tag an Leiste und Po betatscht, manchmal auf jedem einzelnen Flug“, heißt es in einem anderen Zitat.

Die TWU befragte insgesamt 400 Stewardessen und Stewards. Von denen gaben 65 Prozent an, Opfer geworden zu sein – die Täter waren Kollegen oder Passagiere.

Und in Deutschland? Gibt es keine flächendeckende Umfrage. Der reisereporter hat bei mehreren deutschen Airlines nachgefragt, jedoch keine Auskünfte zur Häufigkeit erhalten.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite