Es ist komisch, dass die Zeit, je nachdem, wo man sich befindet und was man erlebt, schneller oder langsamer vergeht. In meinem Fall fühlte es sich so an, als sei ich erst vergangene Woche angekommen. Doch: Die Zeit in Ghana ist tatsächlich vorbei. Im letzten Teil der Serie „Maike meets Ghana“ erzähle ich dir von meiner Rundreise am Ende des Abenteuers.

Es waren sechs Wochen, in denen ich ein Stück weit in eine andere Welt eingetaucht bin. In eine Welt, in der Blechhüttensiedlungen scheinbar bis an den Horizont reichen und die Heimat von Millionen Menschen sind. In eine Welt, in der die Menschen (zumindest nach außen) so viel stärker und glücklicher wirken als die in Deutschland, obwohl sie im Vergleich zumindest materiell so viel weniger besitzen.

In eine Welt, in der die Menschen offener sind als an jedem anderen Ort, den ich bisher bereist habe, und die Distanz praktisch nicht kennen. In eine Welt, in der ich Ansprechpartnerin für Street Children und eine Big Sister war. In eine Welt, in der die Mühlen so viel langsamer mahlen als in Deutschland. In eine Welt, in der die Hässlichkeit und der Dreck der großen Städte auf eine wunderschöne und vielfältige Natur trifft – Savanne, Regenwald, Küste.

Auf Abschiedsrundreise durch Ghana

Alle drei Naturräume habe ich auf meiner Abschiedsrundreise durch Ghana erlebt. Zum Start ging es hoch in den Norden in den Mole-Nationalpark mit gleich mehreren aufregenden Erlebnissen.

Da waren zum Beispiel die Horde Paviane, die auf meiner Terrasse offenbar eine Party gefeiert haben und mich nicht zu meinem Zimmer lassen wollten und mir den Weg versperrt haben. Mit ihren Zähnen wollte ich nicht unbedingt eine Begegnung haben, ich habe den anderen Weg ins Zimmer genommen. Mein Handtuch, das draußen zum Trocknen hing, fanden sie aber ganz nett, sodass sie es einfach mal mitgenommen haben als Partysouvenir.

„Go back, go back“ – dieser Elefant vertrieb uns aus seinem Revier.
„Go back, go back“ – dieser Elefant vertrieb uns aus seinem Revier. Foto: privat

Und da war der Elefant, den wir bei einer Walking Safari in einem Wasserloch beim Baden beobachtet haben. Ihm gefiel das nicht so sehr und er hat uns ganz schnell gezeigt, wer der Boss im Mole-Nationalpark ist. Mit einem lauten Tröten kam er aus dem Wasser auf uns zugeschossen – unser Guide hat ganz hektisch „Go, go!“ geflüstert.

Wir sind zurückgewichen – uns trennten nur noch maximal 15 Meter von dem Koloss. Der hat uns immer weiter zurückgedrängt, bis wir aus seinem Revier verschwunden waren. Ein echter Herzklopfmoment, als kleiner Mensch vor diesem Riesen zu stehen und ganz klar zu wissen, dass ich absolut keine Chance gegen ihn hätte.

Der Rest der Rundreise verlief weniger tierisch, dafür aber sehr kulturell. Der nächste Stopp war Kumasi, die Hauptstadt der Aschanti-Region, in der auch heute noch ein König auf dem Thron sitzt. Dort habe ich zum einen den ehemaligen Königspalast Manhyia (das Wort Palast ist hier etwas irreführend, denn er gleicht einem normalen Wohnhaus) und das Manhyia-Museum mit Kulturgütern der Aschanti besucht.

In der Hauptstadt des früheren Aschanti-Reiches

Außerdem war ich auf dem größten Markt Westafrikas, ein intensives Erlebnis. Sowohl was die Enge und das Gedränge angeht als auch das Angebot und die Gerüche. Es gibt auf dem Kejetia-Markt angeblich mehr als 45.000 Stände beziehungsweise Läden mit Anziehsachen, Küchengeräten, Möbeln, Krimskrams, Technik und Nahrungsmitteln – darunter auch (mehr oder weniger frisch) Fisch und Fleisch. Ich habe sie nicht gezählt und ich habe auch nicht ansatzweise alle gesehen – etliche Hundert haben mir gereicht.

Außerdem haben wir eine Weberei besucht, in der ich bei der Produktion der traditionellen farbenfrohen Kente-Anziehsachen zuschauen durfte. Jedes Muster hat einen eigenen Namen und hat eine Bedeutung. Liebe, Freundschaft, Familie, Eifersucht, Hass, Macht, Stärke – für alles gibt es ein Muster.

In dieser Weberei schaute ich bei der Produktion von traditionellen Kumashi-Stoffen zu.
In dieser Weberei schaute ich bei der Produktion von traditionellen Kente-Stoffen zu. Foto: privat

Die Rundreise endete in Cape Coast, einem Ort, der auf der einen Seite einen tollen Strand hat – und auf der anderen Seite Mittelpunkt des Sklavenhandels war. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurden mindestens zehn Millionen Menschen aus Westafrika versklavt.

In Forts warteten sie in Gefangenschaft auf ihre Schifffahrt nach Nordamerika und in die Karibik, wo sie auf Plantagen zur Arbeit gezwungen wurden. In Cape Coast gab es zwei große Forts, das Elmina Castle und das Cape Coast Castle.

Bei einer Führung lief ich den Weg einer Sklavin nach – durch Kerker und durch die „door of no return“. Ein beklemmender und eindrücklicher Besuch, der mich wütend und sprachlos zurückgelassen hat. 

Eine schöne Küste mit düsterer Vergangenheit: Im Elmina Castle wurden Tausende Sklaven gefangen gehalten und dann verschifft.
Eine schöne Küste mit düsterer Vergangenheit: Im Elmina Castle wurden Tausende Sklaven gefangen gehalten und dann verschifft. Foto: privat

Von Cape Coast fuhren wir zum Abschluss in den Kakum-Nationalpark, in dem wir uns auf den in Afrika einzigartigen 300 Meter langen Canopy Walk wagten – auf Hängebrücken 45 Meter über dem Boden hatten wir atemberaubende Blicke auf den Regenwald. Der seinem Namen wie bereits bei meinem ersten Besuch alle Ehre machte. Es schüttete wie aus Kübeln, sodass wir danach nass bis auf die Knochen waren.

Ein weiteres meiner persönlichen landschaftlichen Highlights und daher ein wunderbarer Abschluss für mein Abenteuer in einem Land der Kontraste. Die Rundreise hat mir die nötige Gelegenheit gegeben, langsam Abschied zu nehmen und die Zeit im Straßenkinderprojekt Revue passieren zu lassen. 

Einiges an diesem Land werde ich vermissen, anderes nicht. Ob es ein Wiedersehen gibt? Wir werden sehen, vielleicht in einigen Jahren. Ich würde gern erleben, wie sich die Kinder, das Projekt und das Land entwickeln.

Mit Mama Mina und der Projektlehrerin stehe ich weiter in Kontakt. Ein Engagement sollte nicht mit der Abreise enden – daher möchte ich die Street Children, die mir trotz der relativ kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen sind, auch aus der Ferne unterstützen.