Maike meets Ghana: Die Geschichte hinter dem Straßenkinderprojekt

Maike meets Ghana: Das große Herz von Mama Mina

Nachrichten, Storytellings, Videos: Der reisereporter bietet viel – aber vor allem wollen wir dich inspirieren. Und reisereporterin Maike macht genau das mit dieser Serie über ihr Herzensprojekt. ♥ Hier: Teil 4.

reisereporterin Maike mit ihrer Gastmutter Mama Mina.
reisereporterin Maike mit ihrer Gastmutter Mama Mina.

Foto: privat

Warum ich mich für die Arbeit als Volunteer in einem Straßenkinderprojekt in Ghana entschieden habe? Meine Gastmutter Mama Mina war ein wichtiger Grund. Die 68-Jährige hat das Projekt „Yafa School“ mitgegründet und mir von den Anfängen erzählt. Die Geschichte hat mich sehr gerührt und mir ganz deutlich gemacht, dass ich genau richtig war. Daher möchte ich sie dir auch gern erzählen in dieser Folge von „Maike meets Ghana“:

Mama Mina hat schon vor vielen Jahren in ihrer Geburtsstadt an der Küste ein Projekt für Jugendliche aus armen Verhältnissen gegründet. Mit mehreren Mitarbeitern brachte sie ihnen Kochen, Frisieren, Nähen oder ein anderes Handwerk bei. Lange Zeit pendelte sie dafür zwischen Ghanas Hauptstadt Accra und der Stadt Cape Coast. Sie verhalf vielen jungen Menschen, sich mit den erworbenen Fertigkeiten ein eigenes berufliches Standbein aufbauen zu können.

So entstand das Straßenkinderprojekt in Ghana

Doch vor einigen Jahren fand das Projekt zumindest für Mama Mina ein Ende. Ihr Mann wurde schwer krank und sie pflegte ihn zu Hause in Accra. Diese neue wichtige Aufgabe war mit dem Pendeln nicht vereinbar. Sie übergab das Projekt an eine Freundin.

Als ihr Mann gestorben war, habe sie eine große Leere gespürt, sagt Mama Mina. Sie habe diese und die Traurigkeit mit etwas Sinnvollem füllen wollen, mit einem neuen Projekt, das Menschen in ihrem Stadtteil Nima hilft. Einige Hundert Meter von ihrem Haus entfernt beginnt der Slum – ein großer Markt, auf dem sich kleine Blechhütten aneinanderreihen.

Ein typischer Verkaufsstand in Ghana.
Ein typischer Verkaufsstand in Ghana. Foto: privat

Projektlehrerin Linda hat uns Volunteers am ersten Abend mitgenommen in den Slum des Stadtteils Nima, damit wir sehen, wo die Kinder, die das Projekt besuchen, aufwachsen. Die meisten leben auf einem großen Markt, an dem sich Blechhütte an Blechhütte reiht. Ihre Eltern verkaufen dort tagsüber ihre Ware oder bieten sie im zähen Straßenverkehr den wartenden Autofahrern an.

Die Kinder werden entweder zum Arbeiten eingesetzt oder den gesamten Tag sich selbst überlassen. Denn Geld für die Schule können die Eltern nicht aufbringen. Und so sind die Kinder meist tagsüber auf der Straße unterwegs, ohne Regeln, ohne Essen, ohne Erziehung, bis sie abends, wenn ihre Eltern zurück sind, in oder vor den Läden schlafen – oftmals zu fünft oder mit mehr Personen unter einem Moskitonetz.

Den schwarzen Rest am Boden der Töpfe kratzte sie aus, wusch ihn und kochte ihn erneut.

Mama Mina

Mama Mina erzählte uns von einer eindrücklichen Begegnung mit einer der Bewohnerinnen des Slums: „Sie war so bitterarm, sie konnte ihre Kinder nicht richtig ernähren. Sie verwendete sogar angebrannten Reis noch einmal. Den schwarzen Rest am Boden der Töpfe kratzte sie aus, wusch ihn und kochte ihn erneut.“ Als meine Gastmutter von dieser Frau erzählte, stiegen ihr Tränen in die Augen. Das sei der Moment der Klarheit gewesen: Sie habe gewusst, dass sie etwas für solche Menschen tun wolle. Vor allem für die Kinder.

Sie startete damit, in ihrem Garten Frühstück und Mittagessen für Kinder anzubieten, die zu Hause nicht jeden Tag warme Mahlzeiten bekamen. Nach und nach vergrößerte sie das Projekt – ein Unterstand aus Blech wurde gebaut, Stühle wurden aufgestellt, Tafeln und Spielzeuge gekauft. Die „Yafa Garden School“ für Nimas Street Children war geboren – das war im Jahr 2012.

Im Laufe der Jahre kamen etliche Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Die ersten besuchen heute zum Teil die Highschool, wenn sie einen Sponsor gefunden haben, andere arbeiten, viele haben ihren Weg aus der Armut gefunden. Dieser Weg liegt noch vor den Kindern, mit denen ich während meiner Zeit als Volunteer zusammen war. All ihre Geschichten ähneln einander.

Es sind Geschichten von Müttern und Vätern, die ihre Kinder sich selbst überlassen und den ganzen Tag arbeiten, in ihren Läden stehen oder zu an Ampeln stehenden Autos rennen, um etwas zu verkaufen, und die sich trotz der harten Arbeit keine Schulgebühren leisten können, manchmal nicht einmal vernünftiges Essen. Manchmal sind es Geschichten von Müttern und Vätern, die aufgegeben haben und das mühsam verdiente Geld in Alkohol umsetzen oder ihren Frust an den Kindern auslassen.

Ihre Kinder holt Mama Mina seit dem Jahr 2012 in ihren Garten, sorgt für warme Mahlzeiten, ein wenig Bildung und Liebe. Und sie sucht nach Sponsoren, damit die Kinder irgendwann eine Regelschule besuchen können.

Im Street Children Project können die Kinder lernen und spielen.
Im Street Children Project können die Kinder lernen und spielen. Foto: privat

So wie die fünf Kinder der Frau aus dem Slum, die den angebrannten Reis erneut kochte. Sie gehen heute alle zur Schule, ehemalige Volunteers, deren Freunde und Familien oder andere Sponsoren zahlen die Gebühren. Ich habe die Mutter kennengelernt. Sie kam zu Mama Mina, um beim Wäschewaschen zu helfen – ihre Art, „Danke“ zu sagen.

Hätte ich sie zufällig auf der Straße getroffen, ich hätte niemals gedacht, dass sie und ihre Familie eine solche Geschichte haben. Sie strahlt eine unheimliche Stärke aus, hat durchgängig ein Lächeln auf den Lippen und in den Augen. Und sie antwortete auf die Frage, wie es ihr gehe: „I’m fine.“

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