Oman: Zwischen Tradition und Zukunft I reisereporter.de

Oman: Ein weltoffenes Sultanat in schroffer Natur

In nur 45 Jahren hat der Oman den Sprung in die Gegenwart geschafft – Sultan Qaboos sei Dank. Eine Reise in die Hauptstadt Maskat vermittelt einen guten Eindruck des Landes auf der Arabischen Halbinsel.

Mandy Sarti
Blick auf Maskat: Die Hauptstadt des Omans hat sich in den vergangenen 45 Jahren sehr verändert. Heute treffen hier Traditionen und Moderne aufeinander.
Blick auf Maskat: Die Hauptstadt des Omans hat sich in den vergangenen 45 Jahren sehr verändert. Heute treffen hier Traditionen und Moderne aufeinander.

Foto: Mandy Sarti

Ihre Geschichte reicht bis in die Antike zurück – doch Maskat, die Hauptstadt des Oman, ist längst im 21. Jahrhundert angekommen. Hier treffen Tradition und Fortschritt aufeinander.

Grund dafür ist Sultan Qaboos bin Said. Seitdem er im Jahr 1970 die Herrschaft übernahm, hat sich das Land gewandelt. Vor seiner Zeit gab es in Maskat nur drei Straßen. Lebensbedingungen wie im Mittelalter. Inzwischen führen mehrspurige Autobahnen durch die Stadt. In nur 45 Jahren gelang dem Sultanat damit der Sprung in die Moderne – dank des Erdöls und dank des Sultans.

Sultan Qaboos hat den Oman für die Welt geöffnet

Ein orientalischer Monarch, westlich geschult: Mit Qaboos bin Said wurde der Oman weltoffen. Guide Rajendra Singh erklärt: „Hier werden alle Glaubensgruppen toleriert.“ Singh selbst stammt aus Indien, ist Hinduist und kann im Oman ganz problemlos seinem Glauben nachgehen.

Denn der Oman toleriert die verschiedenen Weltreligionen, sie alle können hier nebeneinander existieren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in der Architektur der Sultan-Qaboos-Moschee, die sich über die Stadt erhebt, viele Kulturen aufeinandertreffen. Die Fenster stammen aus einer katholischen Kirche, der Kronleuchter aus Deutschland, der Marmor aus Marokko und die Teppiche aus dem Iran.

Hier werden alle Glaubensgruppen toleriert.

Rajendra Singh, Guide

Mit dem Bau hat sich der Sultan einen Traum erfüllt. Er hat eine Moschee geschaffen, die für jeden offen ist. Inmitten des Glaubenshauses befindet sich der Gebetssaal für Männer – auch Nichtmuslime und Frauen dürfen ihn betreten. Das ist in der islamischen Welt selten.

Singh sagt: „Das Bauwerk soll tolerant sein und andere Religionen respektieren. Es soll ein Spiegelbild für den Oman sein.“

In der Sultan-Qaboos-Moschee in Maskat sind Anhänger aller Glaubensrichtungen willkommen.
In der Sultan-Qaboos-Moschee in Maskat sind Anhänger aller Glaubensrichtungen willkommen. Foto: Mandy Sarti


Auch wenn Singh nicht aus dem Oman stammt, schwärmt er ebenso für den Sultan wie die Omani auch. Denn Qaboos bin Said hat das Land befreit, er hat seinen Vater gestürzt und es aus den Fesseln mittelalterlichen Lebens gelöst. Er hat das Land stabiler gemacht.

Staatliche Bildung und medizinische Versorgung sind hier inzwischen kostenlos, für junge Familien gibt es sogar Anspruch auf Bauland. „Es wäre ein Traum, wenn ich die Staatsbürgerschaft bekäme“, sagt Singh, während er durch den Muthra Souk, einem Markt in der Hauptstadt, spaziert.

Die Männer tragen traditionelle weiße Gewänder

Es riecht nach Weihrauch – typisch für den Oman. „Selbst in den Häusern riecht es danach“, sagt Singh. Das hat einen Grund: Überall werden Diffuser aufgestellt, die den Duft des luftgetrockneten Gummiharzes verbreiten. Ebenso wie dieser spezielle Geruch ist etwas anderes typisch für das Land im Mittleren Osten: Kaffee mit Kardamom.

Nahar bin Khakis Alabri nippt an seinem Becher. Er ist mit einem für Männer traditionellen weißen Gewand bekleidet – der Dischdascha. Auf dem Kopf trägt er eine Kumma. Eine handgefertigte Kopfbedeckung, ohne die kaum ein männlicher Omani das Haus verlässt. „Der Souk in Maskat ist ein Ort, an den viele Menschen gern kommen und an dem man die Kultur besser kennenlernt“, sagt er und streicht seine Dischdascha glatt.

Weihrauchduft ist typisch für den Oman. An vielen Orten sind Diffuser aufgestellt.
Weihrauchduft ist typisch für den Oman. An vielen Orten sind Diffuser aufgestellt. Foto: Mandy Sarti

Wadi Shab ist eine grüne Oase mit Felsenpools

Anders ist das im Wadi Shab. In der Oase, die rund zwei Stunden Autofahrt von Maskat entfernt liegt, tauchen Urlauber in ein unberührtes Naturparadies ein. Zwischen Steintrassen, tiefen Höhlen und Feigenbäumen schimmern Felsenpools in smaragdgrünen Tönen. Beinah hast du das Gefühl, einer Fata Morgana zu erliegen.

Das Einzige, das noch an die Stadt erinnert, sind die steinigen Felsen. Der höchste reicht rund 300 Meter in die Luft. Er heißt Berg der Sonne. Und die scheint tatsächlich über dieser Oase. Denn Wadi bezeichnet eigentlich einen ausgetrockneten Flusslauf, der nur nach starkem Regen gefüllt wird. Sonst ist das Land trocken. Anders das Wadi Shab: Es ist ganzjährig mit Wasser gefüllt und inzwischen ein begehrter Ausflugsort, der zu einer Oase fernab des städtischen Trubels geworden ist.

Das Schicksal der trockenen Wadis ist typisch für den Oman. Das Land ist wenig fruchtbar, es gibt kaum Gemüse- und Obstplantagen. Viele Lebensmittel müssen importiert werden. Doch die Omani sind einfallsreich. Sie versuchen ihre Probleme selbst zu lösen.

So wie Adam, Fahar und Omar Al-Said. Die Brüder sind nach ihrem Studium in London zurück in den Oman gekehrt, um Landwirtschaft zu betreiben. „Wir lieben unser Heimatland“, sagt Omar, „so schön es im Westen war, so schön ist es, wieder hier zu sein und dem Land etwas zurückzugeben.

Die Brüder sitzen in dem Büro der Yuzu-Farm, auf dem Boden liegt ein Perserteppich, auf den Schreibtischen stehen die neuesten Computer. Eine Mischung aus Tradition und Moderne und doch ganz anders, als man sich einen typischen Bauernhof vorstellt.

Die Brüder Omar (von links), Adam und Fahar Al-Said setzen in der Nähe von Maskat auf biologische Landwirtschaft.
Die Brüder Omar (von links), Adam und Fahar Al-Said setzen in der Nähe von Maskat auf biologische Landwirtschaft. Foto: Mandy Sarti

Auch die Grünflächen erinnern wenig an robuste Landwirtschaft – mehr sehen sie aus wie ein liebevoll angelegter Gemüsegarten. „Wir können einfach rausgehen und uns mit dem Gemüse unser Essen selbst zubereiten“, sagt Fahar stolz.

Alle drei Brüder haben in London studiert, zwei Finanzen, einer Physik. Mit Landwirtschaft hatte das wenig zu tun, doch ihr im Westen erlerntes Wissen konnte ihnen helfen: „Wir haben uns alles selbst beigebracht“, erklären sie, „mit Youtube-Videos“. Also machten sie aus ihrem Landhaus unweit von Maskat einen eigenen Familienbetrieb. Und der kommt an: Inzwischen beliefern sie Luxushotels in der Region wie das Shangri-La in Maskat.

„Wir achten auf besondere Qualität“, erklärt Adam. Die soll man auch schmecken, deswegen ist alles biologisch. Eine Rarität für den Oman, denn es gibt nicht nur wenige Landwirte, sondern erst recht wenige ökologisch produzierte Lebensmittel.

Adam will zeigen, was den besonderen Geschmack ausmacht, und lädt dazu ein, die essbaren Blumen zu probieren. Die Rucolablüten zergehen auf der Zunge und hinterlassen eine leichte Schärfe. „Der Geschmack ist einzigartig, dafür sind wir bekannt.“ Und weil sie sich anders als die anderen landwirtschaftlichen Unternehmen die Transportkosten schenken können, sind die biologisch angebauten Lebensmittel direkt aus Maskat nicht mal teurer. Das Konzept funktioniert, denn „der Oman ist noch immer im Wandel“.

Tipps für deine Reise in den Oman

Anreise: Oman Air fliegt täglich nonstop von Frankfurt am Main und München nach Maskat.

Einreise: Für die Einreise in den Oman wird ein Visum benötigt. Dieses muss online beantragt werden.

Beste Reisezeit: Das Klima im Oman ist ganzjährig sehr warm. Im Sommer steigen die Temperaturen auf mehr als 40 Grad Celsius. Am besten eignen sich daher die Monate November bis April für eine Reise.

Die Reise wurde unterstützt von Shangri-La Al Husn Resort & Spa. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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