Tabu-Thema: Ist es eigentlich okay, ins Meer zu pinkeln?

Ist es eigentlich okay, einfach ins Meer zu pinkeln?

Es ist ein Tabuthema, aber seien wir mal ehrlich: Im Laufe des Lebens hat fast jeder von uns schon mal ins Meer gepinkelt, oder? Wenn man muss, muss man. Aber ist das eigentlich schädlich für die Umwelt?

Weit und breit nur du und das Meer – da könnte man doch mal eben… (Symbolfoto)
Weit und breit nur du und das Meer – da könnte man doch mal eben… (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Alessandra Caretto

Gerade planschst du noch ausgelassen in den Wellen, und plötzlich drückt die Blase. An abgelegenen Naturstränden hast du jetzt die Wahl: Entweder, du schwimmst schnell am Land, um hinter dem nächsten Busch nach einem ruhigen Plätzchen zu suchen. Oder du machst einfach ins Meer.

Ins Meer zu pinkeln ist generell völlig unbedenklich

Warum die letzte Variante vollkommen okay ist: Rund 95 Prozent deines Urins bestehen ohnehin aus Wasser. Ein Liter enthält außerdem ein bis zwei Gramm Natrium und Chloridionen. Beides findet sich ebenfalls im Meerwasser, allerdings in höherer Konzentration. Zudem gibt es einige andere Stoffe in unserem Urin, darunter das Abfallprodukt Urea, das beim Spalten von Eiweiß entsteht.

Doch selbst wenn alle Menschen auf der Welt gleichzeitig in den Atlantik pinkeln würden, wäre der Ureagehalt im Wasser verschwindet gering, wie dieses Video der American Chemical Society erklärt: 

Und: Meeresbewohner pinkeln natürlich auch ins Wasser. Finnwale beispielsweise entleeren ihre Blase mit 970 Litern Urin – pro Tag! Ausführlich erklärt auch ein Biochemiker in einem Beitrag auf „Chemical & Engineering News“, dass Urin im Meer völlig unbedenklich ist.

Du kannst also beruhigt beim nächsten Strandurlaub ins Meer pinkeln (wenn es sich nicht vermeiden lässt).

Lieber nicht in Pools oder Seen pinkeln!

Das gilt allerdings nicht für Korallenriffe oder Pools. Einer Studie zufolge kann deine Pipi im Pool gefährliche Chemikalien produzieren, weil die Harnsäure mit dem Chlor reagiert, das in vielen Schwimmbecken zur Desinfektion des Wassers genutzt wird. 

Und wie sieht es mit Korallenriffen aus? Aktuelles Beispiel ist die aus dem Kinohit „The Beach“ bekannte Maya Bay auf Ko Phi Phi in Thailand. Das empfindliche Ökosystem der Bucht wurde durch die Touristenmassen in den vergangenen Jahren stark beschädigt und muss sich erst mal erholen. Deshalb bleibt der berühmte Strand auch nach viermonatiger Schließung bis auf Weiteres gesperrt.

Urin im Meer kann negative Auswirkungen auf Korallen haben

Dem britischen „Telegraph“ zufolge soll ein Grund für das angegriffene Ökosystem sein, dass immer mehr Touristen in die Bucht pinkelten und Boote ihre Toiletten ins Wasser entleerten. Tatsäch kann eine „Überdosis“ Urin in Gewässern mit geringem Wasseraustausch wie bei Korallenriffen zu einer Überproduktion von Algen und Seegras führen.

Eine Meeresbiologin erklärt, dass zu viele Algen negative Auswirkungen auf Korallen und andere Tiere haben, die mit den Algen um Licht und Platz konkurrieren. Da in den Stoßzeiten bis zu 6.000 Touristen pro Tag im Meer der Maya Bay schwimmen, könnte die Entleerung so vieler Blasen schon eine spürbare Auswirkung auf das Ökosystem haben. Auch Spuren von Antibiotika oder Hormonen durch die Anti-Baby-Pille im Urin können für Ungleichgewichte sorgen.

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