Als Volunteer war ich sechs Wochen lang in Ghana und habe in einem Straßenkinderprojekt gearbeitet. In der Serie „Maike meets Ghana“ möchte ich dir gern von meinen Erlebnissen erzählen. Heute möchte ich dir erzählen, wohin mich mein erster Wochenendtrip führte.

Die Zeit an den freien Wochenenden nutzte ich, um auch die landschaftlichen Seiten Ghanas kennenzulernen. Für mich war es wichtig, nicht nur die Hauptstadt Accra zu sehen, sondern einen Gesamteindruck des Landes zu bekommen. 

Für die Trips habe ich mich meist mit ein paar anderen Volunteers zusammengeschlossen, unser erster führte uns zu den Wli Falls – der obere von beiden ist der höchste Wasserfall Westafrikas.

Ghana: Warum das Reisen im Trotro so anstrengend ist

Die Wochenendreisen sind immer sehr spannend, aber auch ziemlich anstrengend: Von den drei Tagen sitzt man zwei praktisch nur im Bus. Zu den Wli Falls in der Volta-Region im Nordwesten von Accra haben wir beispielsweise knapp acht Stunden gebraucht.

Das günstigste Verkehrsmittel in Ghana ist ein Trotro – einfach an einer der Sammelhaltestellen warten und dann einsteigen.
Das günstigste Verkehrsmittel in Ghana ist ein Trotro – einfach an einer der Sammelhaltestellen warten und dann einsteigen. Foto: imago/photothek

Am günstigsten bist du in Ghana mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Für uns ging es zuerst mit dem Taxi zu einem der Sammelpunkte in Ghanas Hauptstadt und von dort dann mit dem Trotro, so heißen hier Minibusse, weiter. Die haben Platz für 15 bis 20 Menschen und viel, viel Gepäck – darunter auch mal lebendige Hühner.

Die Taschen werden unter die Sitze gequetscht. Und wenn dort kein Platz mehr ist, kommen sie in den eigentlich nicht vorhandenen Kofferraum – ein kleiner Spalt hinter der letzten Sitzreihe und der Tür. Geht die nicht mehr zu, kein Problem, dann wird eben ein Seil fest davorgezurrt und das Trotro fährt mit offener Tür.

Die Minibusse lassen unterwegs immer Menschen aus- und zusteigen. Und bei jedem Halt rennen etliche Verkäufer und Verkäuferinnen zu den Minibussen. Sie preisen laut rufend und an die Scheiben klopfend oder gleich die Fenster aufreißend ihre Waren an – meist tragen sie die in Behältern auf dem Kopf. Und dann wird Proviant gekauft: Bananenchips, Getränke, gefüllte Teigtaschen, Fleischspieße oder Brötchen.

Eine rutschige Tour zu den Wasserfällen

So ist allein die Anreise in Ghana immer ein Erlebnis für sich. Ich fand es großartig zu sehen, wie sich die Landschaften veränderten: Von trockener Küstenebene zum dichten Regenwald oder zur Savanne. Und nicht selten kam ich auch mit Menschen ins Gespräch, erfuhr etwas über ihr Leben oder wurde zum Mitessen eingeladen. Die Gastfreundschaft in Ghana ist wirklich überall groß.

Angekommen bei den Wli Falls waren wir begeistert von unserer Unterkunft, der Waterfall Lodge. Sie liegt inmitten von Bergen, Bananen- und Kokospalmen und hat einen Panoramablick auf den oberen Wasserfall.

Zu viel Kitsch? Geht doch gar nicht... Ich war begeistert von dem Regenbogen über unserer Lodge an den Wli Falls.
Zu viel Kitsch? Geht doch gar nicht... Ich war begeistert von dem Regenbogen über unserer Lodge an den Wli Falls. Foto: privat

Um den zu erreichen, mussten wir eine insgesamt sechsstündige anstrengende Wandertour machen. Dabei ging es zuerst auf 1.900 Meter hoch und von dort aus wieder hinunter zum oberen Wasserfall und dann weiter zum unteren. Zu unserem Pech hat es an dem Tag fast durchgängig stark geregnet, sodass wir zum einen klitschnass waren und zum anderen oftmals mehr gerutscht als gelaufen und geklettert sind.

In Deutschland hätte wohl kein Anbieter die Tour bei einem solchen Wetter durchgeführt – an vielen Stellen war sie nicht ungefährlich. Doch in Ghana war das kein Thema, unser Guide trug sogar nur Flipflops und hängte uns trotzdem immer wieder ab. Ihm machten die Hunderte Meter tiefen Abhänge neben den Wegen nichts aus, und die steilen Auf- und Abstiege auf Matsch gelangen ihm auch wie im Spiel.

Der obere der Wli Falls ist der höchste Wasserfall Westafrikas. Um hinzukommen, musst du mehrere Stunden durch die Berge wandern...
Der obere der Wli Falls ist der höchste Wasserfall Westafrikas. Um hinzukommen, musst du mehrere Stunden durch die Berge wandern. Foto: privat

Aber die Quälerei hat sich gelohnt. Mit zitternden, schlammbespritzten Beinen standen wir erst vor dem oberen und danach vor dem unteren Wasserfall. Beide hatten aufgrund der starken Regenfälle (zwischen April und Oktober kommt es in Ghana immer wieder zu wolkenbruchartigen Regengüssen und Gewittern) eine extreme Größe und Stärke entwickelt und stürzten tosend in die Tiefe. Wir sahen, hörten und spürten das Tosen, dabei peitschten die Wasserfälle uns das Wasser ins Gesicht – egal, wir waren ja ohnehin schon nass.

Eine solche Kraft der Natur habe ich selten erlebt. Und einen solchen Muskelkater wie an den nächsten zwei Tagen auch nicht.

Der untere der Wli Falls. Durch starke Regenfälle hat auch er eine ungeheure Kraft entwickelt.
Der untere der Wli Falls. Durch starke Regenfälle hat auch er eine ungeheure Kraft entwickelt. Foto: privat