Islands wilde Seite: Roadtrip durch die Westfjorde | reisereporter.de

Islands wilde Seite: Roadtrip durch die Westfjorde

Wer unberührte Natur und Einsamkeit jenseits der Ringstraße sucht, findet sie auf den rauen Westfjorden. reisereporterin Dörte war im Zuhause von Papageitaucher und Islandpony unterwegs und verrät ihre Tipps.

Blick auf die Landgemeinde Súðavík – unbedingt anhalten!
Blick auf die Landgemeinde Súðavík – unbedingt anhalten!

Foto: Nohrden

Weit hinaus ragen die Westfjorde in die Grönlandsee, fast so, als wollten sie sich von Island losreißen. Ein zerklüfteter Landstrich von der Größe Hessens. Nicht einmal 7.000 Menschen leben hier in versprengten, einsam gelegenen Dörfern in einer scheinbar vergessenen Welt.

Mal rinnt, mal rauscht das glasklare Gebirgswasser die schroffen Hänge hinab. Kurvenreiche Wege schlängeln sich entlang der Steilküsten und winden sich um Fjorde, die sich weit in diese Region hineingegraben haben. Der Ozean ist hier niemals weit entfernt. Und im frühen Herbst sind die Westfjorde überzogen von zuckersüßen Blaubeeren. Mit etwas Planung kannst du viele Orte der Westfjorde auch mit Bussen bereisen, einfacher ist es mit dem Mietwagen.

Drangsnes – wo die Ringstraße endet und das Abenteuer beginnt!

Gut vier (fantastische!) Autostunden vom Flughafen Keflavík und du stehst an der Küste von Strandir, der nördlichsten und abgelegensten Region der Westfjorde. Eine heimelige Übernachtungsmöglichkeit findest du im verschlafenen 60-Seelen-Örtchen Drangsnes. Das Guesthouse Malarhorn erwartet dich mit gemütlichen Holz-Cabins samt Fußbodenheizung. Meeresrauschen wird dich in den Schlaf wiegen – und pünktlich wieder aufwecken, nur, damit du das Frühstück im Café Malarkaffi nicht verpasst.

Und dann? Eine Wanderung entlang der Steilküste, ein Besuch im gruseligen Hexenmuseum von Hólmavík oder lieber in Drangsnes’ Geothermal Hot Pots relaxen – oder einfach alles nacheinander? Die Westfjorde sind gespickt mit natürlichen heißen Quellen und Schwimmbädern. Und übrigens: Auch 90 Prozent der isländischen Haushalte werden auf diese Weise beheizt. 

Pool in Drangsnes.
Pool in Drangsnes. Foto: Nohrden

Es kommt noch besser: Infinity-Feeling an der Grönlandsee

Rund 100 Kilometer nördlich von Drangsnes im Nirgendwo liegt ein ganz besonderes Ziel und mein persönliches Highlight: Das Geothermal-Freibad Krossnesslaug. Allein der Küstenstraße dorthin zu folgen ist spektakulär. Schroff und steil fallen die Klippen zum Meer hinab, das schäumend gegen die Küste kracht.

Majestätisch erheben sich auf der anderen Seite die teils schneebedeckten Berge des baumlosen, von Moosen überzogenen Vulkanplateaus, auf dem man wettermäßig stets auf alles gefasst sein muss. Im beheizten Pool jedoch ist es völlig einerlei, ob es regnet, stürmt oder schneit: Das Eintauchen ins warme, türkisfarbene Nass mit direktem Blick auf die ungestüme Grönlandsee: unvergesslich.

(PS: Das seit 1954 existierende Schwimmbad ist ganzjährig geöffnet, es gibt Umkleiden und Duschen; als Eintritt wird eine Spende zwischen 500 bis 1.000 Kronen (umgerechnet maximal etwa 7,40 Euro) erbeten. Dein Erlebnis: unbezahlbar.)

Spät geworden? Dann ab ins kuschelige Übernachtungsquartier!

Zunächst einmal heißt es umkehren, denn in Krossnesslaug endet die Küstenstraße. In einer knappen Autostunde bist du zurück am Fjord von Djúpavík und kannst dich im wohl einsamsten Hotel der Westfjorde einquartieren.

An diesem mystischen Ort ist es niemals wirklich still, denn von einem hohen Felsplateau rauscht Tag und Nacht ein gewaltiger Wasserfall hinab. Neben dem Fisch selbst war in den 1930er-Jahren ebenjenes frische Süßwasser die entscheidende Ressource für den Bau einer riesigen, prosperierenden Heringsfabrik.

Dupavik mit Wasserfall, ehemaliger Heringsfabrik und Hotel in Rot.
Dupavik mit Wasserfall, ehemaliger Heringsfabrik und Hotel in Rot. Foto: Nohrden

Ihr Betrieb ist zwar seit vielen Jahrzehnten eingestellt; doch nun macht sich das marode Gebäude als Museum und Kunstausstellungsfläche einen Namen. Das Hotel Djúpavík erwartet dich danach mit Fisch-, Lamm- oder vegetarischen Gerichten, bei schummerigem Licht, knarrenden Holzböden und quietschenden Türen. Übrigens: In Zimmer Nummer neun soll es einen ständigen Mitbewohner geben: den Geist einer ehemaligen Fischfabrikarbeiterin.

(PS: Die Westfjorde bieten auch tolle Camping-Möglichkeiten.)

Weiter geht’s in die „Hauptstadt“ der Westfjorde: Ísafjörður!

Ísafjörður gilt als Nabel der Westfjorde. Für seine nur gut 3.200 Einwohner gibt es hier erstaunlich große Supermärkte. Denn das Örtchen schwillt in den Sommermonaten auf viele weitere Tausend Menschen an. 2018 gingen hier bereits rund 120 Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Die Bewohner haben sich darauf eingestellt und bieten verschiedene Aktivitäten an, etwa Kajaktouren oder Ausritte.

Eine tolle Option ist außerdem eine Fährfahrt zum Naturreservat Hornstrandir, das sich nur per Boot erreichen lässt. Mit Glück bekommst du dort einen süßen Polarfuchs vor die Linse. Aber auch im Arctic Fox Centre in Súdavík (nahe Ísafjörður) kannst du die Tiere hautnah erleben und mehr über sie erfahren.

Abendstimmung in Ísafjörður.
Abendstimmung in Ísafjörður. Foto: Nohrden

Berauschend: Der Wasserfall Dynjandi

Was wäre ein Roadtrip durch Island ohne einen donnernden Wasserfall?! Die aufgefächerte Kaskade des Dynjandi zählt zu den Hauptattraktionen dieser Region und liegt rund 85 Kilometer südlich von Ísafjörður. Deine Hände sind vom vielen Fotografieren zu Eis erstarrt? Keine Sorge, der nächste natürliche Hot Pot mit Meerblick ist auf Island nie allzu weit entfernt.

    

Diese Reise wurde unterstützt von Inspired by Iceland, Wow Air und Visit Westfjords. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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