Hochsensibel auf Reisen: Diese Familie gibt fürs Reiseleben alles auf

Warum diese Familie für ihr Reiseleben alles aufgibt

Die Loewe-Familie ist alles andere als gewöhnlich: Für ihr Work-and-Travel-Leben gab sie alles auf – und zwei Familienmitglieder sind hochsensibel. Was das fürs Reisen bedeutet, erzählen sie dem reisereporter.

Die Loewe-Familie ist seit zwei Monaten auf Reisen.
Die Loewe-Familie ist seit zwei Monaten auf Reisen und hat dafür die Wohnung und Jobs in Deutschland gekündigt.

Foto: privat

Seit knapp zwei Monaten führt die Loewe-Familie – Andreas (40), Svenja (34), Kilian (10) und Matthis (1) – ein Nomadenleben. Zuerst in Vietnam, aktuell in Thailand. Dort wohnen sie in einem kleinen Apartment außerhalb von Chiang Mai. Abseits des Metropolentrubels – und das ist ganz wichtig.

Denn Mutter Svenja und Sohn Kilian sind hochsensibel. Das führt unter anderem dazu, dass sie Stimmungen und Gefühle von sich und anderen Menschen besonders stark wahrnehmen und intensiver auf Gerüche, Geräusche und Geschmäcker reagieren als andere.

Hochsensibel: Was bedeutet das fürs Reisen?

Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Alltag, sondern auch auf das Reisen: „Wir planen von vornherein wenig Action und meiden, wenn es geht, volle Strände und Großstädte“, sagt Svenja. Zu viele Menschen überfordern vor allem Kilian.

Wenn die Familie doch einmal unbedingt einen Touristen-Hotspot sehen will, dann geht das nur mit Kompromissen. „Hoi An hat uns zum Beispiel wahnsinnig interessiert. Dort haben wir uns ein kleines Hostel außerhalb gesucht. Und in der Stadt selbst sind wir immer wieder in Seitenstraßen ausgewichen“, erzählt Papa Andreas.

Papa und Sohn erkunden mit den Rollern die Umgebung des neuen Zuhauses in Vietnam.
Papa und Sohn erkunden mit den Rollern die Umgebung des neuen Zuhauses in Vietnam. Foto: privat

Die vielen neuen Eindrücke und Situationen zu verarbeiten, das braucht bei Kilian und Svenja mehr Zeit als bei anderen Menschen. Aber: „Unser Sohn wächst immer mehr und mehr über sich hinaus, die Reise tut ihm so gut“, sagt Svenja. Daher lautet das erste Zwischenfazit nach zwei Monaten auf Reisen: „Alles richtig gemacht!“

Die Überlegung, ein Nomadenleben zu führen, waberte schon lange in den Köpfen der Eltern herum. „Die Sehnsucht nach Freiheit hat uns schon immer begleitet.“ Den Grund dafür sehen sie auch in ihrem Leben in Deutschland.

Mit vielem waren sie nicht einverstanden. „Das Familienkonzept etwa finden wir schwierig. Meistens sind Familien auf zwei Gehälter angewiesen, die Zeit für die Kinder steht hintan. Dabei ist Zeit doch das wichtigste Gut, das wir haben“, sagt Svenja.

Reisen bildet, erweitert den Horizont.

Svenja Loewe

Auch mit dem Bildungssystem in Deutschland können sie sich nicht anfreunden. „Das ist zu starr, in der Schule gibt es zu wenig Freiraum und individuelle Lernmöglichkeiten. Unserer Meinung nach geht das einfach anders“, sagt Svenja. Der zehnjährige Kilian darf selbst mitentscheiden, wann er was lernt, aktuell unterrichten ihn seine Eltern zu Hause. Dass sie unterwegs sind, sei dabei ein großer Vorteil, finden sie: „Reisen bildet, erweitert den Horizont.“

Nach der Geburt des zweiten Sohnes Matthis (1) stellten sie sich dann die Frage: „Worauf sollen wir noch warten? Wir können jetzt noch ewig nachdenken, Tausende Male drüber sprechen, aber wir machen es jetzt einfach.“ Sie kündigten erst ihre Jobs, dann die Wohnung und buchten Flugtickets.

Familie und Freunde hätten sie für verrückt erklärt. „Sie haben erst realisiert, wie ernst es uns ist, als wir unsere Jobs aufgegeben und die Wohnung gekündigt haben“, sagt Andreas und lacht. Die letzten zwei Monate vor der Abreise verbrachte die Familie in einem Häuschen auf ihrem Gartengrundstück.

Die Loewe-Familie finanziert ihre Reise auch mit Work and Travel

Aber einfach nur reisen? Für die Loewe-Familie wäre das zu langweilig – und auf Dauer zu kostspielig. Sie will mithilfe von Work and Travel um die Welt kommen. „So verdienen wir Geld und sind gleichzeitig nicht nur als normale Touristen unterwegs, sondern lernen die Länder auf eine ganz andere Art und Weise kennen.“ Vor dem großen Abenteuer haben sie in Thüringen zweimal auf einem Selbstversorgerhof gelebt und geholfen. Ihre Generalprobe glückte.

Sie sind seit zwei Monaten auf Reisen und haben bisher nichts bereut: Die Loewes.
Sie sind seit zwei Monaten auf Reisen und haben bisher nichts bereut: Die Loewes. Foto: privat

Trotzdem verlief in den ersten Reisewochen nicht alles reibungslos. „Ein Problem war, dass wir viel zu schnell gereist sind, das war anstrengend. Kaum hatten wir etwas Schönes entdeckt, da sind wir auch schon wieder weiter, ohne es richtig zu genießen“, sagt Svenja. Das stresste, doch die Loewes haben daraus gelernt. „Inzwischen lassen wir es viel ruhiger angehen und achten mehr auf unsere täglichen Wünsche und Bedürfnisse.“

Die Familie musste sich erst ans Reiseleben gewöhnen

Ein weiteres Problem: die völlig neue Routine, auf die sich alle erst einmal einstellen mussten. Vor allem er hätte damit Probleme gehabt, räumt Papa Andreas ein. „Ich war frustriert, weil es mit keiner der erhofften Work-and-Travel-Stellen geklappt hat.“

Nichts zu tun zu haben sei für ihn unbefriedigend gewesen – „als Lagerleiter musste ich in Deutschland immer auf Zack sein, immer planen“. Dass es auch anders gehe, ohne Hamsterrad, daran habe er sich gewöhnen müssen. In Thailand habe er nun eine Arbeitsstelle in Aussicht – darauf freue er sich.

Während ihrer Reise wollen die Loewes viel von der Kultur in den südostasiatischen Ländern mitbekommen.
Während ihrer Reise wollen die Loewes viel von der Kultur in den südostasiatischen Ländern mitbekommen. Foto: privat

In welches Land es sie danach zieht? Noch offen. Sie wissen nur, dass es im kommenden Sommer für ein paar Monate zurück nach Deutschland geht – Andreas’ Cousin erwartet ein Baby, das die Loewes unbedingt sehen wollen. Danach könnte es Neuseeland werden.

Und wenn alles schiefgeht? Dann greift Plan B: Die Loewes haben sich in Deutschland eine Art Back-up für die Rückkehr erhalten – das Gartenhaus und Erspartes. Doch sie hoffen, dass es nie dazu kommt. „Wir wollen lieber irgendwann irgendwo anders unseren Anker werfen“, sagt Svenja.

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