Raus aus dem Alltag, etwas Gutes tun, ein neues Land ganz intensiv kennenlernen – ein Wunsch, der mich schon seit einigen Jahren umtreibt. Um genau zu sein: Er begleitet mich seit meiner Zeit in Namibia im Jahr 2013, als ich bei der „Allgemeinen Zeitung“ in Windhoek ein dreimonatiges Praktikum gemacht habe.

Damals besuchte ich ein Aids-Waisenhaus, um über eine Spendenübergabe zu schreiben. Doch der mehrstündige berufliche Termin wurde für mich zum persönlichen Knackpunkt: Diese kleinen Kinder, die ein solch schweres Schicksal haben, stürmten auf mich zu und nahmen mich zwei Stunden lang herzlich, fröhlich und offen in Beschlag und eroberten mein Herz im Sturm.

Für mich stand nach diesem Tag fest: Egal wohin meine Reise beruflich und privat geht, ich möchte mich engagieren…

Für mich stand nach diesem Tag fest: Egal wohin meine Reise beruflich und privat geht, ich möchte mich engagieren und irgendwann in einem sozialen Projekt helfen. Jetzt habe ich meinen Jahresurlaub eingesetzt und war sechs Wochen als Volunteer in Westafrika und möchte dir im Rückblick in der Wochenserie „Maike meets Ghana“ von meiner Reise erzählen:

Warum ich als Volunteer nach Ghana gehe

Am Anfang stand die Frage: Wohin? Dass es Afrika werden sollte, war klar. Aber welches Land? Auf meiner Liste standen Südafrika, Tansania, Togo und Ghana. Mir war es wichtig, obwohl ich über eine deutsche Organisation (Rainbow Garden Village) gebucht habe, ein lokal initiiertes und betreutes Projekt zu unterstützen. Und genau das ist das Street Children Project in Accra. Es wird geleitet von einer 68-jährigen Frau, die alle unter dem Namen Mama Mina kennen. 

Street Children hat in Ghana nicht dieselbe Bedeutung wie in Deutschland das Wort Straßenkinder – aber im Prinzip sind sie doch genau das. Mama Mina hat das Projekt vor einigen Jahren mit ins Leben gerufen, um den Kindern aus dem angrenzenden Slum Schulbildung und eine warme Mahlzeit am Tag zu ermöglichen. Sie gehören zu Familien, die unter der Armutsgrenze leben. Geld für die Schule können die Eltern nicht aufbringen.  

Unterstützung von zu Hause haben die Kinder oftmals nicht, sind meist den gesamten Tag sich selbst überlassen. Während die Eltern arbeiten – zum Beispiel ihre Waren im zähen Straßenverkehr an wartende Fahrer verkaufen –, sind die Kinder auf der Straße unterwegs. Ohne Regeln, ohne Essen, ohne Erziehung. Abends, wenn ihre Eltern zurück sind, schlafen sie in oder vor kleinen Blechhütten, oftmals zu fünft oder mit mehr Personen unter einem Moskitonetz.

Das Street Children Project in Ghana

Mama Mina arbeitet seit dem Jahr 1999 mit Rainbow Garden Village zusammen. Sie will den Street Children aus Accras Stadtteil Nima Strukturen bieten, Liebe geben und ihnen beim Start in ein besseres Leben helfen.

Von montags bis donnerstags kommen etwa 20 bis 25 der Street Children – zwischen zwei und zwölf Jahre alt – in Mama Minas großen Garten. Sie bekommen dort Frühstück und ein Mittagessen, dazwischen findet eine Unterrichtseinheit statt und je nach Tag steht zusätzlich Malen, Tanzen, Singen oder Spielen auf dem Programm.

Das erklärte Ziel ist, Sponsoren für die Kinder zu finden um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen.

Für sechs Wochen komme ich bei Mama Mina unter, werde gemeinsam mit anderen Volunteers in ihrem Haus wohnen und im Projekt arbeiten. Wie mein erster Arbeitstag war, warum Mama Mina mich mit „Big Sister“ anspricht und was Ghana mit mir macht, liest du morgen.

Yebehyia bio – bis bald
deine Maike