Tui wird nach Massaker in Tunesien von britischen Kunden verklagt

Tui nach Massaker in Tunesien von Kunden verklagt

Dutzende Überlebende und Angehörige der Verstorbenen bei einer Terrorattacke in Tunesien vor drei Jahren verklagen den Reiseveranstalter Tui. Sie bemängeln fehlende Informationen und Sicherheit im Hotel.

Wenige Tage nach der Terrorattacke im Riu Imperial Marhaba Hotel am 26. Juni 2015 bewachten maskierte Soldaten den Strand in Sousse, Tunesien.
Wenige Tage nach der Terrorattacke im Riu Imperial Marhaba Hotel am 26. Juni 2015 bewachten maskierte Soldaten den Strand in Sousse, Tunesien.

Foto: imago/UPI Photo/Khaled Nasraoui

Trotz strahlendem Sonnenschein entwickelte sich der 26. Juni 2015 zu einem dunklen Tag am Strand von Sousse: Bei der Attacke eines Einzeltäters im Riu Imperial Marhaba Hotel wurden 30 britische Urlauber getötet, bevor der Terrorist selbst von der Polizei erschossen wurde. Die Terrororganisation ISIS bekannte sich zu dem Anschlag.

Tui soll Tunesien-Urlauber nicht ausreichend vor Terrorgefahr gewarnt haben

Noch immer tragen die Überlebenden und Angehörigen der Verstorbenen an der großen, psychischen Last, die das Massaker ihnen aufgeladen hat. Viele bemängeln außerdem den Reiseveranstalter Tui, der die Urlauber weder auf der Website noch in Broschüren ausreichend über vorhergehenden Terrorattacken in Tunesien informiert haben soll. 

Politiker mehrer Länder, darunter Theresa May (rechts) und Thomas de Maiziere (2. von rechts) gedenken den verstorbenen Urlaubern in Sousse, Tunesien, vom 26. Juni 2015.
Politiker mehrer Länder, darunter Theresa May (rechts) und Thomas de Maiziere (2. von rechts) gedenken den verstorbenen Urlaubern. Foto: imago/UPI Photo/Khaled Nasraoui
Die Familien von 22 Opfern und mehr als 50 Urlauber, die bei dem Angriff verletzt worden waren, haben sich deshalb zu Sammelklage zusammen geschlossen. Sie kritisieren auch die Sicherheitsvorkehrungen in dem Riu Imperial Marhaba Hotel.

Sammelklage gegen Tui landet vor Londoner Gericht

Die mit dem Fall betraute Anwaltskanzlei sagte dem „Independent“, Tui habe den Sicherheitsstandard des Hotels nicht überprüft und keine angemessenen Vorkehrungen getroffen, um die Klienten vor einer Attacke zu schützen.

Einer der Überlebenden wurde bei der Attacke mehrmals angeschossen, als er versuchte, seine Freundin vor den Schüssen zu schützen. Er sei dankbar, noch am Leben zu sein, hoffe aber, dass alle Beteiligten durch die rechtlichen Schritte endlich die dringend nötige Hilfe und Unterstützung für den Heilungsprozess bekommen würden.

Ein Tui-Sprecher erklärte gegenüber dem „Independent“, das Unternehmen sei noch immer in tiefer Trauer über den Vorfall im Juni 2015. Da rechtliche Schritte eingeleitet worden seien, wolle man sich derzeit nicht weiter dazu äußern. Das Unternehmen werde aber den gerichtlichen Prozess voll unterstützen.

Der Fall wird vor dem Hohen Gerichtshof in London verhandelt werden.

Terrorgefahr in Tunesien noch nicht gebannt

Das Auswärtige Amt warnt in Tunesien weiterhin vor einem erhöten Risiko terroristischer Anschläge. Seit Ende 2015 besteht in dem Land Aussnahmezustand, der immer wieder verlängert wird, er soll noch bis mindestens 6. November dieses Jahres bestehen bleiben, so „Arab News“. 

Reisende in Tunesien sollten sich generell über die Medien und Reisehinweise über die aktuelle Sicherheitslage informieren und Menschenansammlungen meiden. Besonders in den Sommermonaten sind vermehrt Sicherheitskräfte und Polizeibeamte präsent.

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