Deutschlands Airlines schulden Fluggästen 800 Millionen Euro

Deutsche Airlines schulden Fluggästen 800 Mio. Euro

Nirgends in Europa stehen so viele Entschädigungen von Airlines wegen Flugverspätungen und -ausfällen aus wie zurzeit in Deutschland. Das zeigt jetzt eine neue Analyse des chaotischen Flugjahres 2018.

Diesen Sommer gab es in Europa so viele Flugausfälle wie kaum je zuvor.
Diesen Sommer gab es in Europa so viele Flugausfälle wie kaum je zuvor. (Symbolfoto)

Foto: imago/Sven Simon

823 Millionen Euro schulden die Airlines Fluggästen in Deutschland wegen Flugproblemen, die sie selbst verursacht haben – das sind 500 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Kein Wunder: 2017 gab es zwischen Januar und Ende September nur halb so viele Flugausfälle wie in diesem Jahr.

Deutschland ist in Europa Spitzenreiter im Entschädigungsvergleich

Auch im europäischen Vergleich ist Deutschland Spitzenreiter. Laut der Analyse des  Entschädigungsportals „Airhelp“ gab es zum Beispiel in Großbritannien zwar mehr Passagierflüge als in Deutschland – trotzdem stehen Fluggästen in Großbritannien rund 110.000 Euro weniger an Entschädigungen zu.

In Spanien sind es 311 Millionen weniger, obwohl es nur knapp 40.000 Flugbewegungen weniger gab als in Deutschland. Das liegt unter anderem daran, dass in diesem Sommer ein Flugchaos in ganz Europa herrschte. Im ersten Halbjahr 2018 gab es im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele Ausfälle und Verspätungen.

Die Zahl der Passagierbeschwerden stieg drastisch an und die Fluggäste machten ihrem Frust in sozialen Netzwerken Luft. Ryanair-Chef Michael O’Leary machte unter anderem den Fluglotsenmangel verantwortlich für das Flugchaos. Warum aber traf es Fluggäste in Deutschland besonders hart?

Grund für das Chaos sind die Insolvenzen von Air Berlin und Niki

„Neben den vielen Streiks bei Ryanair ist das vor allem auf den extremen Marktkampf im Zuge der Insolvenzen von Air Berlin und Niki zurückzuführen“, sagt Laura Kauczynski, Expertin für Fluggastrechte bei „Airhelp“. 

Einige Airlines hätten sich im großen Stil die frei gewordenen Start- und Landerechte an Flughäfen, die sogenannten Slots, gesichert, selbst wenn die nötigen Maschinen samt Besatzung zur Nutzung nicht vorhanden waren. 

Da aufgrund der hohen Nachfrage an Flugzeugen jedoch das Angebot an gebrauchten oder Leasingmaschinen zu gering sei, ließen Fluggesellschaften lieber Flüge ausfallen und legten aufeinanderfolgende Verbindungen zusammen. 

Die Airlines interessierten sich nur dafür, ihre Slots zu halten

„Dadurch können die Airlines ihre Slots zwar halten, doch ihre Passagiere sehen sich mit Verspätungen und Flugausfällen konfrontiert, und das ist so nicht tragbar“, sagt die Expertin. Sie rät betroffenen Fluggästen dazu, unbedingt zu prüfen, ob sie Anspruch auf Entschädigungen haben. 

Sie könnten so nicht nur Schadensersatz bekommen, sondern auch Druck auf die Airlines ausüben, um sie dazu zu bringen, sich wieder vermehrt um die Interessen ihrer Kunden zu kümmern.

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