US-Visum: Was passiert, wenn du „Terrorist“ anklickst?

US-Visum: Was passiert, wenn du „Terrorist“ anklickst?

Ein Häkchen bei langen Onlineformularen an die falsche Stelle setzen? Kann ja mal passieren. Blöd wird’s, wenn es ein Visumsformular für die USA ist – und du versehentlich angibst, ein Terrorist zu sein.

Ein Terminal am JFK International Airport in New York, USA.
In Sachen Terrorismus verstehen die USA keinen Spaß, erst recht nicht bei der Einreise. (Symbolfoto)

Foto: imago/Xinhua/Wang Ying

Bei den ellenlangen Formularen, mit denen du online dein Touristenvisum für die USA beantragen musst, ist es kein Wunder, dass die Aufmerksamkeit irgendwann nachlässt. Wie wichtig korrekte Angaben im sogenannten ESTA (Electronic System for Travel Authorization) aber tatsächlich sind, beweist dieser aktuelle Fall.

Im ESTA aus Versehen angekreuzt, Terrorist zu sein

Eine 29-jährige Britin klickte in ihrem ESTA-Formular aus Versehen „Ja“ bei einer wichtigen Frage an, die sie eigenlicht mit „Nein“ hätte beantworten wollen. Welche Frage das war? „Do you seek to engage in or have you ever engaged in terrorist activities, espionage, sabotage, or genocide?“ Auf Deutsch: „Wollen sie an terrostischen Aktivitäten, Spionage, Sabotage oder Genozid teilnehmen oder waren sie jemals darin involviert?“

Screenshot der ESTA-Seite, auf der Touristenvisa für die USA beantragt werden können.
Über die ESTA-Seite kannst du online ein Touristenvisum für die USA beantragen. Foto: esta.cbp.dhs.gov/esta/ (Screenshot)

Kein Wunder, dass der Antrag von Mandie S. abgelehnt wurde. Erst da fiel der Frau ihr Fehler auf. Gegenüber der „BBC“ sagte sie, sie sei sich eigentlich sicher gewesen, die Frage mit Nein beantwortet zu haben. Vermutlich habe sie beim Runterscrollen zum Bestätigen-Link aus Versehen die Box mit „Ja“ angeklickt.

Fehler im ESTA-Antrag kostet die Urlauberin mehr als 1.200 Euro

Nach einigen intensiven Gesprächen in London wurde schließlich doch ein Visum ausgestellt – allerdings mussten Mandie und ihr Freund die Reise um einen Monat verschieben, da das Visum nicht rechtzeitig ankam. Kostenpunkt: Mehr als 800 Pfund (umgerechnet etwa 900 Euro). Weitere 320 Pfund (etwa 360 Euro) musste Mandie für den Visumstermin in London bezahlen.

Für Mandie ist die Verschiebung der Reise aber auch aus einem anderen Grund dramatisch: Die junge Frau hat Brustkrebs und muss in einem Zwölf-Wochen-Rythmus gescannt werden. Trotz ihrer Umstände und obwohl das Häkchen ein offensichtlicher Fehler gewesen ist, seien die US-Behörden unnachgiebig gewesen.

Terroristenfrage im ESTA-Formular „komplett unnötig“

Wie sinnvoll ist die Frage zu den terroristischen Aktivitäten überhaupt? Komplett unnötig, findet Reiseexperte Simon Calder. Niemand, der wirklich in solche Verbrechen verwickelt sei, würde die Frage wahrheitsgemäß mit Ja beantworten, erklärt er der „BBC“. „Ich glaube nicht, dass diese Box jemals absichtlich angekreuzt wurde.“

Wenn also jemand bei der Terroristenfrage „Ja“ antworten würde, dann nur aus Versehen. Die Folgen seien stressige Gespräche und die Extrakosten, um ein physisches Visum anstelle des elektronischen ESTA zu beantragen. Außerdem solltest du, falls dir dieser Fehler passiert, lieber keine Reise buchen, bevor der Papierkram geregelt ist. 

Visum eines Babys ebenfalls wegen Terroristenfehler im Antrag abgelehnt

Ähnliches passierte im vergangenen Jahr übrigens einem Großvater in England: Er hatte sein drei Monate altes Enkelkind beim ESTA-Antrag versehentlich als Terrorist ausgewiesen. Der „Guardian“ berichtet von der teuren Konsequenz: Ein zehnstündiger Umweg, verpasste Flüge und rund 3.370 Euro für neue Flugtickets.

Für Mandie ist die Reise nach New York ein wichtiger Punkt auf ihrer Bucket-List. Mittlerweile kann sie sich auf ihren Urlaub wieder freuen: „Ich kann es kaum erwarten!“

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