Es sollte eine traumhafte Reise nach Nizza werden. Doch die nahm für Natasha E. (15) ein denkbar tragisches Ende.

Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer besten Freundin flog die Jugendliche von London-Heathrow nach Nizza. Doch noch im Flieger musste das Mädchen reanimiert werden, wenig später verstarb es in einem Krankenhaus in Frankreich. Von ihrer Mutter und ihrem Bruder konnte sie sich nur am Telefon verabschieden. Was war passiert?

Wie kam es zu dem Tod durch ein Baguette am Flughafen?

Am Morgen des 17. Juli 2016 flog Natascha mit ihren beiden Begleitern mit British Airways von London nach Nizza. Flug BA342 dauerte etwa eine Stunde und 50 Minuten. Vor dem Start um 10.15 Uhr kaufte sich Natasha ein Baguette bei Pret a Manger in Terminal 5, um sich vor der Reise zu stärken. Das berichtet die britische „Daily Mail“.

Doch nur wenige Minuten, nachdem sie das Sandwich mit Artischocke und Oliventapenade verspeist und das Flugzeug abgehoben hatte, beschwerte sie sich über ein seltsames Kratzen im Hals, ihre Haut wurde von rotem Ausschlag bedeckt und sie bekam Atemprobleme. 

Britin erleidet allergischen Schock durch Baguette am Flughafen

Das Problem: Natasha hatte eine Sesamallergie, ihre Familie war deshalb supervorsichtig und kontrollierte alle Lebensmittel genau auf Spuren von Sesam. Das Baguette von Pret a Manger soll aber nicht entsprechend gekennzeichnet gewesen sein, so der Vorwurf der Familie. 

Das belegte Brot löste bei Natasha innerhalb kürzester Zeit einen allergischen Schock aus. Obwohl ihr Vater seiner Tochter auf der Flugzeugtoilette zwei Notfallmedikamente verabreichte und an Bord ein Assistenzarzt war, der die Jugendliche nach einem Herzstillstand mit Herz-Lungen-Massage versuchte wiederzubeleben, verstarb Natasha wenige Stunden nach der Ankunft in Frankreich. 

Teenagerin verstirbt auf dem Weg in den Urlaub

Zunächst gelang es den Rettungskräften zwar, das Mädchen im Flugzeug wiederzubeleben. Sie wurde zusammen mit ihrem Vater in ein Krankenhaus gebracht. Dort konnte sie sich noch am Telefon von ihrer Mutter und ihrem Bruder zu Hause in England verabschieden, bevor ihr Herz erneut zu schlagen aufhörte.  

Natashas Bruder, Mutter und Vater (von rechts) in Begleitung ihres Anwalts vor dem West London Coroner’s Court am 28. September 2018.
Natashas Bruder, Mutter und Vater (von rechts) in Begleitung ihres Anwalts vor dem West London Coroner’s Court am 28. September 2018. Foto: imago/ZUMA Press/Vickie Flore

Der zwei Jahre alte Vorfall ist derzeit wieder aktuell, da in einem Londoner Gericht vor wenigen Tagen Anhörungen mit der Familie, dem Geschäftsführer von Pret a Manger und weiteren Augenzeugen wie British-Airways-Mitarbeitern und Passagieren stattfanden. 

Pret-a-Manger-Baguette nicht ausreichend gekennzeichnet

Dabei bestätigte ein Gerichtsmediziner die Vorwürfe von Natashas Familie: Pret a Manger nehme die Kennzeichnung von Allergenen nicht ernst genug. Das Baguette, das Natasha vor ihrem Tod gegessen habe, habe Sesam enthalten. Dagegen sei Natasha allergisch gewesen.

Weder auf der Verpackung noch an der Vitrine mit dem Essen habe es aber einen konkreten Hinweis auf Allergene gegeben. Natasha habe sich dadurch sicher gefühlt, das Baguette beruhigt essen zu können.

Zwar habe Pret a Manger nicht gegen das Gesetz verstoßen, da Informationen zu Allergenen auf der Website und auf Nachfrage bei den Mitarbeitern verfügbar gewesen wären. Dennoch sei der Gerichtsmediziner der Ansicht, hinsichtlich der Sichtbarkeit sei das Unternehmen unzureichend vorgegangen. Das berichtet die „Daily Mail“. 

Pret a Manger will aus dem tragischen Tod Konsequenzen ziehen

Das Unternehmen beteuerte, es werde aus dem tragischen Vorfall Konsequenzen ziehen. Geschäftsführer Clive Schlee teilte sein tiefes Mitgefühl für den Verlust der Familie mit. Er sagte, das Unternehmen wolle aus den Aussagen des Gerichtsmediziners und der Familie lernen: „Wir alle bei Pret wollen, dass diese Tragödie eine sinnvolle Veränderung bringt.“