Auf Zugsafari: Im Luxuszug durch Afrikas Wüstenwelt I reisereporter.de

Auf Zug-Safari: Wenn Afrika am Fenster vorbeizieht

Mit 50 Stundenkilometern durch die Wüste: Im „African Explorer“ erkunden Reisende Südafrika und Namibia auf die ruhige Art. Auf der 5.600-Kilometer-Reise erleben sie faszinierende Landschaften und wilde Tiere.

Bei einer Fahrt mit dem Africa Explorer entdecken Reisende Südafrika und Namibia auf eine ganz neue Art. Hier bahnt sich der Zug zwischen Keetmanshoop und Mariental den Weg durch die Wüste.
Bei einer Fahrt mit dem Africa Explorer entdecken Reisende Südafrika und Namibia auf eine ganz neue Art. Hier bahnt sich der Zug zwischen Keetmanshoop und Mariental den Weg durch die Wüste.

Foto: Michael Zgoll

Wüsten, Steppen und Bergsilhouetten ziehen ganz gemächlich an Abteilfenstern und Aussichtsplattform vorbei. Insgesamt 5.600 Kilometer legen wir bei unserer 15-Tage-Tour im African Explorer zwischen dem südafrikanischen Pretoria und der namibischen Hauptstadt Windhoek zurück: Gut 3.300 Kilometer im Sonderzug, knapp 2.300 Kilometer in Reisebussen. Das Durchschnittstempo unseres 440 Meter langen Luxuszuges beträgt 50 Stundenkilometer, in hügeligem Gelände geht’s runter auf 30.

63 Passagiere aus aller Welt – die meisten von ihnen aus Deutschland und der Schweiz – nehmen an der Sonderzugreise „Juwel der Wüste“ teil. Mehr als 30 Köpfe zählt die Mannschaft, die sich in 14 Waggons um unser Wohl kümmert: Reiseleiter, Busfahrer und Lokführer, Zugchef, Koch und Arzt sowie das Küchen- und Servicepersonal.

Manche Orte sind nur mit dem Bus erreichbar

Im Vorteil ist auf den bei Nacht zu bewältigenden Streckenabschnitten, wer mit festem Schlaf gesegnet ist. Ihn bringt das ewige Rumpeln und Rattern, das Quietschen und Schlingern der vom südafrikanischen Unternehmen Rovos Rail aufgearbeiteten Waggons nicht aus der Ruhe.

Robuste Naturen sind auch im Vorteil, wenn die drei Reisebusse in Namibia stundenlang über sandige Wellblechpisten brettern; Ausflugsziele wie die verlassene Diamanten-Bergbausiedlung Kolmanskop, der verschlafene Hafenort Lüderitz oder die spektakulären Riesendünen von Sossusvlei sind nicht ans spärliche Schienennetz angebunden.

Die verlassene Siedlung Kolmanskop war früher ein Zentrum der Diamantenförderung. Heute gibt es hier vor allem Sand.
Die verlassene Siedlung Kolmanskop war früher ein Zentrum der Diamantenförderung. Heute gibt es hier vor allem Sand. Foto: Michael Zgoll


Für das Programm zeichnet der Berliner Reiseveranstalter Lernidee verantwortlich, und darum wird uns auf dieser Tour mehr geboten als die faszinierenden Landschaften und der Tierreichtum des südlichen Afrika. In Johannesburg besuchen wir das Apartheid-Museum und eine Privatbrauerei im Township-Konglomerat Soweto, das inzwischen mehr als vier Millionen Einwohner zählen soll.

Wir sprechen mit Augenzeugen der Rassenunruhen von 1976, die 600 Schüler und Studenten das Leben kosteten. Besuchen das Paul-Kruger-Haus und das Voortrekker-Denkmal in Pretoria. Auch wenn die Apartheid noch lange nicht Geschichte ist in Südafrika und der monumentale Voortrekker-Bau die militärischen Erfolge der Buren gegen die Zulus feiert: Im Highschool-Chor, der in der Riesenhalle ein Konzert gibt, stehen schwarze und weiße Schüler einträchtig nebeneinander.

Schulen fehlt es an Personal und Material

Gegen Ende der Reise werden wir noch einmal auf Schüler stoßen, am Fuß des Spitzkoppe-Massivs in Namibia. Der Besuch der Damara-Schule, die von 350 Kindern besucht wird, ist ernüchternd: Es fehlt wie an so vielen Bildungseinrichtungen im Lande an Personal und Material.

Der Staat kürzt die finanzielle Unterstützung, statt sie aufzustocken. 35 teilweise schwer erziehbare Schüler pro Klasse sind für die Lehrkräfte eine Herausforderung.

Zum Programm des Reiseveranstalters Lernidee gehört während der Reise mit dem African Explorer auch der Besuch einer Schule nahe der Spitzkoppe.
Zum Programm des Reiseveranstalters Lernidee gehört während der Reise mit dem African Explorer auch der Besuch einer Schule nahe der Spitzkoppe. Foto: Michael Zgoll

Etwas optimistischer gestimmt lässt uns der Ausflug zum Penduka-Projekt in Windhoek zurück. In dieser vom Ausland unterstützten Selbsthilfeeinrichtung verdienen 32 fest angestellte Frauen und 300 Heimarbeiterinnen den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien, nähen, sticken, töpfern und fertigen Schmuck. 

Viele Namibier leben von weniger als 2 US-Dollar pro Tag

Das monatliche Durchschnittseinkommen in Namibia liegt bei 400 US-Dollar. Doch diese Zahl kaschiere, sagt unser 52-jähriger Reiseleiter Gunther Berens, ein in Kapstadt geborener Namibier, dass viele der 2,4 Millionen Namibier arbeitslos sind und weniger als 2 US-Dollar pro Tag zum Leben haben, während die weiße Elite und die neue schwarze Mittelschicht deutlich mehr verdienen.

Die Arbeitslosigkeit in dem Land, das mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, schwankt um die 30 Prozent, dabei hat sich der Tourismus zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig gemausert.

Ungleiche Bildungschancen und wachsende Korruption, die anhaltend hohe Kriminalität, der mühsame Kampf gegen Aids oder die geplante Landreform mit einer drohenden Enteignung weißer Farmer – Chefreiseleiter Thorsten Hansen blickt ebenso kenntnisreich wie kritisch auf das südliche Afrika.

Die unrühmliche Rolle, die die Deutschen zwischen 1884 und 1915 in ihrer damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika gespielt haben, und der Völkermord an Herero und Nama werden ebenso thematisiert wie die aktuelle Wirtschaftsoffensive vonseiten Chinas, die viele Afrikaner durchaus kritisch sehen.

Einsame Schluchten im zweitgrößten Canyon der Welt

Die komplizierte politische und wirtschaftliche Lage: Das ist die eine Seite der Medaille. Doch es gibt auch eine andere, die glänzende. Da ist der Augrabies-Wasserfall nahe der Grenze von Südafrika und Namibia, wo die putzigen Klippschliefer mindestens so fotogen sind wie der 56 Meter in die Tiefe rauschende Fluss Oranje.

Da sind die einsamen Schluchten des Fish River Canyons, der mit 500 Metern Tiefe und 160 Kilometern Länge der zweitgrößte seiner Art weltweit ist (nach dem Grand Canyon) und von dessen Rändern man atemberaubende Blicke in das wild verschlungene Flussbett und viele Millionen Jahre alte Gesteinsschichten genießen kann.

Während der Reise durch Südafrika und Namibia erwarten die Passagiere viele Höhepunkte – etwa der Fish River Canyon im Süden Namibias. Mit seinen 160 Kilometern Länge ist er nach dem Grand Canyon das zweitgrößte Schluchtensystem der Erde.
Während der Reise durch Südafrika und Namibia erwarten die Passagiere viele Höhepunkte – etwa der Fish River Canyon im Süden Namibias. Mit seinen 160 Kilometern Länge ist er nach dem Grand Canyon das zweitgrößte Schluchtensystem der Erde. Foto: Michael Zgoll


Im Köcherbaumwald laufen wir an Dutzenden der bizarren Aloegewächse vorbei, in der vom Sand zugewehten Geisterstadt Kolmanskop überkommt uns Endzeitstimmung, am Diaz Point auf der Lüderitz-Halbinsel erleben wir die raue Seite des Atlantiks.

Und inmitten des Dünenmeers rund um die Salz-Ton-Pfanne des Sossusvlei versichern uns die Scouts, dass es in der Namibwüste noch reizvollere Sandberge zum Hinaufstapfen gibt als die überlaufene Postkartendüne 45.

Im Köcherbaumwald nahe Keetmanshoop stehen Dutzende der auffälligen Aloen-Gewächse.
Im Köcherbaumwald nahe Keetmanshoop stehen Dutzende der auffälligen Aloen-Gewächse. Foto: Michael Zgoll


Das Zentrum des Küstenstädtchens Swakopmund präsentiert sich als Mischung aus wilhelminischem Museumsdorf und modernem Wohn- und Badeort für wohlhabende Einheimische, Sonnenuntergangsidyll inklusive. Trittfestigkeit ist hilfreich beim Herumturnen auf den mächtigen Felsbrocken zu Füßen des Spitzkoppe-Inselbergs, während beim ausdauernden Spähen nach den Wildtieren im Etosha-Nationalpark Sitzfleisch gefragt ist. Viele Stunden sind wir im Reisebus unterwegs, drängeln uns bei der Jagd nach der besten Kameraposition an den Fenstern.

Bei der Safari ganz nah zu Giraffen, Elefanten und Löwen

Bei der morgendlichen Tour am Folgetag rollen wir im offenen Geländewagen durch die wintertrockene Wüstenwelt – eingemummelt bei acht Grad, aber mit freier Sicht. Etliche Elefanten, Giraffen und eine Löwin mit zwei Jungen bekommen wir bei den zwei Safaris zu sehen, Heerscharen von zu Wasserlöchern trabenden Oryxantilopen, Springböcken sowie Zebras und auch Warzenschwein, Gnu und Vogel Strauß.

Im Etosha-Pan-Nationalpark sehen Reisende zahlreiche Tiere – etwa Giraffen, Zebras, Elefanten, Oryxantilopen oder Strauße.
Im Etosha-Pan-Nationalpark sehen Reisende zahlreiche Tiere – etwa Giraffen, Zebras, Elefanten, Oryxantilopen oder Strauße. Foto: Michael Zgoll

Viel zu sehen und zu hören gibt’s bei solch einer 5.600-Kilometer-Tour durch die Weiten des südlichen Afrikas. Und auch wenn der Aufenthalt in der ersten unserer fünf Lodges mit viel Frieren verbunden war oder wir es schade fanden, dass der offene Aussichtswagen – betriebstechnisch durch Richtungsänderungen des Sonderzugs bedingt – über Hunderte von Kilometern hinter einer stinkenden Diesellok hing: Wer Südafrika und Namibia auf eine ganz neue Art entdecken will, sollte einsteigen!

Tipps für deine Reise nach Südafrika und Namibia

Anreise: Direktflüge nach Johannesburg gibt es zum Beispiel täglich ab Frankfurt am Main mit South African Airways. Von dort aus geht es mit dem Bus weiter nach Pretoria. Dort fährt der Zug an einem Privatbahnhof ab.

Beste Reisezeit: Auf der Südhalbkugel ist während unseres Sommers Winter. Zwischen Mai und September regnet es zwischen Johannesburg und Windhoek selten, die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen bei 20 Grad Celsius. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, in Namibias Nationalparks Wildtiere zu sehen, dann am größten: Bei Trockenheit zieht es die Tiere zu den Wasserlöchern, die man gut einsehen kann. Nachts wird es während der Wintermonate mit Werten um sechs Grad oft empfindlich kalt. In den regenreichen Monaten zwischen Dezember und März ist es häufig drückend heiß – dafür blühen Wüste und Steppe auf.

Unterkunft: Buchst du eine 15-tägige Sonderzugreise wie das „Juwel der Wüste“, kümmert sich ein Veranstalter wie Lernidee Erlebnisreisen auch um die Übernachtungen, die du nicht im Zugabteil verbringen kannst. Auf der Route Johannesburg–Windhoek etwa schläfst du acht Nächte im Zug und fünf in ausgewählten Lodges. Bei der Buchung kannst du zwischen unterschiedlich großen Abteilen (sieben und zehn Quadratmeter) sowie Einzel- und Doppelbetten wählen, die Preise pro Person (inklusive Flug) schwanken zwischen 6.100 und 8.140 Euro.
 

Die Reise wurde unterstützt von Lernidee Erlebnisreisen. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite