Je spektakulärer die Reisen, desto geringer stehen bei mir deren Chancen auf einen Platz im Speicher für überdauerndes Wohlgefühl. Bei der dänischen Ostseeinsel Møn war es anders: Es ging ums Ankommen in einer neuen und dennoch bekannten Region.

Ich verbrachte meine Kindheit in Neustadt an der Ostsee und wurde geprägt durchs Leben am Meer, den Geruch von Seetang und Sonnencreme. Freitags gab es regelmäßig Dorsch aus der Ostsee – und ab 17 Grad Wassertemperatur sprang ich selbst hinein.

Mein Kinderzimmerblick reichte über die Lübecker Bucht bis zur von Wachposten hell erleuchteten DDR-Küste – und meine Reisebegeisterung war schon damals grenzenlos.

Die schier endlosen Sommertage verlebten wir meist am Strand zwischen Kühltasche und Wasserball, unterbrochen von kurzweiligen Spontantrips nach Dänemark. Doch auf der kleinen Ostseeinsel Møn südlich von Seeland war ich nie. Das änderte sich im vergangenen Juli. Ein Glück!

Møn: Einer der schönsten Flecken Dänemarks

Nur rund drei Stunden Reisezeit von meiner alten Heimat entfernt (inklusive Fährüberfahrt) liegt also eines der schönsten Fleckchen Dänemarks, das mein innerer Kolumbus jetzt endlich für mich entdeckt hat. Bislang hatte es einfach keinen Grund gegeben, mich auf den Weg in den Nordosten zu machen, über die Vogelfluglinie, über den Fehmarnbelt und dann bei Autobahn-Ausfahrt 42 auf die Landstraße Richtung Møn abzuzweigen.

Möns Klint
Im Buchen-Urwald von Møns Klint – bei dem Ausblick auf die Ostsee werden auch weniger Gefühlsduselige schwach. Foto: Christina Mänz

Dabei ist sie ein Klassiker unter den dänischen Urlaubsinseln. Literaturnobelpreisträger Günter Grass reiste regelmäßig nach Møn, verbrachte viel Zeit in Ulvshale und ließ sich von der Schönheit der Insel und ihrer berührenden und unberührten Natur auch für seinen Roman „Der Butt“ inspirieren. Ich verstehe warum.

Mich hingegen reizte vor der Abreise die Frage, ob Orte so schön sein können, wie ihre Namen klingen, weshalb ich unbedingt nach Liselund (im Osten Møns) fahren musste. Meine Erwartungen wurden erfüllt. Und mehr noch. Møn entpuppte sich für mich als ideales Reiseziel, als Sammelplatz für Sommerfreuden.

Das historische Anwesen in Lieselund
Das historische Anwesen meiner Gastgeberin liegt direkt neben der Gartenanlage von Schloss Liselund Foto: Christina Mänz

Weil die Insel weniger als 10.000 Einwohner hat und mit 218 Quadratkilometern kleiner ist als der New Yorker Stadtbezirk Queens – und dennoch alles bietet, was ich so mag: klares Meer, saubere Luft, magisches Licht, böigen Wind, frischen Fisch, blaue Steine, herrliche Sternenhimmel, eine dramatische Steilküste, alte Backsteinkirchen, aufgeräumte Dörfer, urwüchsige Wälder, weite Salzwiesen, satte Kornfelder… und freundliche Dänen!

Weil hier zur Stimmung auch noch die Gerüche und Geräusche wahrnehmbar sind. Weil es auf der Insel weder eine Autobahn noch einen Kreuzfahrtterminal gibt. Weil man ohne Flugzeug hin und weg ist. Weil es irgendwie charmant ist, mit Kronen zu zahlen. Und weil die Insel vom Gefühlten und von der echten Entfernung her so nah dran – und vom eigenen Alltäglichen doch so weit weg ist.

Møn ist ein Best-of vom Vertrauten, Nichtvermieften. Handfest, nicht verhyggelt. Eine Insel für faule, friedliche und freudvolle Sommertage!