„Ich gehe in die Stadt“, diesen Satz kennt man von Hannoveranern, auch von jenen, die eben dort wohnen. Gemeint ist die Innenstadt – und meist genau der Teil, der neben den beliebten und bekannten Ketten auch so einige, kleine Schätze zu bieten hat. Kaum eine Fußgängerzone hat so eine hohe Dichte an gefragten Einkaufszentren und -passagen, Fachgeschäften und Gastronomien wie die in Hannover. Das bedeutet aber nicht, dass Hannovers Zentrum nur für Shopping Gelegenheiten gut ist. Ganz im Gegenteil sieht die Sache mit einem Blick zur Seite völlig anders aus.

Ausladende Rundungen, strahlende Farben: Seit 1974 gehören die drei Nanas Sophie, Charlotte und Caroline fest zum Stadtbild Hannovers.
Ausladende Rundungen, strahlende Farben: Seit 1974 gehören die drei Nanas Sophie, Charlotte und Caroline fest zum Stadtbild Hannovers. Foto: Hannover Marketing

Shoppen mit Tradition

Das Mäntelhaus Kaiser wird seit 1924 heute in dritter Generation geführt, die Parfümerie Liebe gibt es noch länger und getoppt wird das vom Kaufhaus I.G. von der Linde, das seit 190 Jahren besteht. Nicht ganz so alt, aber ebenfalls inhabergeführt ist das Modegeschäft Donna, das gerade die Geschäftsräume wechselte. Umgebaut wird das Schuhgeschäft Gisy, das zwar nicht mehr in Familienhand ist, in dem aber immer der Wind der einstigen Besitzerin und Schuhkönigin, Helene Gisy, anhaften wird. Einzelstücke und Raritäten findet man absolut sicher samstags auf dem Flohmarkt am Leineufer. Es ist der Älteste in Deutschland (und einer der schönsten). Die Besonderheit: Ungebrauchte Massenwaren sind verboten.

Die Gastro trotzt den Franchisern

Auch die Gastronomie in der City hält den üblichen Franchisern stand. Hinter der Oper lässt sich prima die Mittagspause bei einem Kaffee und Snack verbringen, auch die Markthalle bietet sich für Brötchen, Mittagstisch und den Wochenendeinkauf an. In der Osterstraße kann man den ganzen Tag hip und Instagram-tauglich im Seven Sundays frühstücken. Das Teestübchen am Ballhof ist so traditionsreich, wie die Samt -und Brokatausstattung ausschaut. Allseits beliebte Burger gibt es in den Filialen vom Duke und Pizza schmeckt etwa bei Francesca und Fratelli besonders gut. Das Mövenpick besticht wahrlich nicht nur durchs Essen, sondern auch wegen des historischen Gebäudes und der zentralen Lage am Kröpcke. Dort, wo sich Menschen verabreden zum Bummel und abends die Sonne über ihnen scheint – die 2015 installierte Lichtwolke.

Das seit 1970 von Familie Bohnecke geführte Teestübchen bietet eine Vielfalt feinster Teesorten, Kaffeespezialitäten und ist besonders berühmt für die köstlichen Kuchen.
Das seit 1970 von Familie Bohnecke geführte Teestübchen bietet eine Vielfalt feinster Teesorten, Kaffeespezialitäten und ist besonders berühmt für die köstlichen Kuchen. Foto: element K

Theater, Oper, Ballett – oder lieber Lesungen

Die Mitte glänzt aber vor allem auch mit Kunst und Kultur. Wenige Meter entfernt ist das GOP Varieté im Georgspalast ansässig. Hannover wird gerne mal als Hauptstadt der Kleinkunst bezeichnet. Schräg gegenüber steht das Opernhaus, ein spätklassizistischer Bau aus dem 19. Jahrhundert. Neben Opern, Ballett und Konzerten findet hier jährlich der Opernball statt – der dem in Wien, zumindest was Aufwand und Schönheit angeht, in Nichts nachsteht. Zum Schauspiel gehören gleich fünf Stätten: das Haupthaus, die Cumberlandsche Galerie und Bühne, Ballhof Eins und Zwei. Und im Sommer wird sogar noch draußen im Hof gespielt. Während das Schauspielhaus in der Prinzenstraße, ein futuristischer Bau, mit weißen Aluminiumplatten versehen ist, steht das Treppenhaus der Cumberlandschen Galerie dahinter unter Denkmalschutz. Man braucht kaum erwähnen, dass auch das Spektrum an Aufführungen und Lesungen einen ebenso weiten Bogen umspannt. Und manchmal auch für einen kleinen Skandal sorgt, alles andere wäre ja langweilig. Und langweilig ist Hannover nur der Meinung von Menschen nach, die noch nie hier waren.

Im GOP Variete kannst du über Artisten aus der ganzen Welt staunen!
Im GOP Variete kannst du über Artisten aus der ganzen Welt staunen! Foto: element k

Kunst bestaunen und Kunst schaffen

Hinzu kommt das nur eine Straße weiter gelegene Künstlerhaus mit dem schwingenden Kronleuchter davor, fast so bekannt wie die Nanas von Niki de Saint Phalle am Leinufer. Die Kestnergesellschaft am Steintor ist ein weiterer Kunstverein. Daneben, im Anzeiger Hochhaus, wurden die Magazine Stern und Spiegel gegründet. Und weil der Hannoveraner kulturinteressiert ist, bietet der Quasi-Ausläufer der Mitte, die Calenberger Neustadt, noch das Leibniz Theater. Kultur zu schaffen kann man auch gleich an der Hochschule für Musik, Theater und Medien lernen. Kunst zu vermarkten oder Rechtsansprüche geltend zu machen am Conti Campus der Leibniz Universität.

Auch auf den Straßen der Innenstadt Hannovers lässt sich Kunst finden, wie hier auf dem Ballhofsplatz.
Auch auf den Straßen der Innenstadt Hannovers lässt sich Kunst finden, wie hier auf dem Ballhofsplatz. Foto: element K

Wohnen mitten in der City

Während in vielen anderen Innenstädten vor allem Bürohäuser stehen, lässt sich in Hannover
sehr zentral wohnen - für studentische Verhältnisse wie auch gehobene Einkommen. Gerade in der Altstadt um die Marktkirche herum stehen viele schnuckelige Fachwerkhäuser. Die Calenberger durchziehen Ihme und Leine - entsprechend gibt es Grundstücke mit Flussblick. Gärten und grüne Innenhöfe in der City? In Hannover keine Seltenheit.

Mittig liegt natürlich auch der Hauptbahnhof. Er ist viel frequentiert und gilt als Umsteigebahnhof. Selbst Schuld die Leute, die nicht bleiben. Der Hannoveraner ist da klüger, der weiß schon, warum er in die Stadt geht.

Wenn der Hannoveraner sich nicht gerade vor der Kröpke Uhr trifft, trifft er sich meist unterm Schwanz direkt vorm Hauptbahnhof.
Wenn der Hannoveraner sich nicht gerade vor der Kröpke Uhr trifft, trifft er sich meist unterm Schwanz direkt vorm Hauptbahnhof. Foto: element k