Malediven: Spektakuläres Kunstobjekt zerstört

Malediven: Unterwasserkunstwerk teilweise zerstört

Wenn Kunst und Religion aufeinandertreffen: Auf den Malediven wurde das imposante Objekt des Künstlers Jason deCaires Taylor komplett zerlegt. Der Grund: Muslime begriffen die Skulptur als Provokation.

Das Kunstwerk „Coralarium“ des Künstlers Jason deCaires Taylor.
Das Kunstwerk „Coralarium“ des Künstlers Jason deCaires Taylor.

Foto: facebook/Jason deCaires Taylor

Der Künstler Jason deCaires Taylor ist bekannt für seine speziellen Unterwasserkunstwerke – die Skulpturen aus Beton und Stahl findest du an verschiedenen Standorten weltweit. Sie sind nicht nur atemberaubend schön anzusehen, sie erfüllen auch noch einen guten Zweck für die Umwelt. Der ehemalige Tauchlehrer schafft mit den Figuren nämlich eine neue Basis für Korallen und somit neue Riffe.

Malediven-Regierung fand das Kunstprojekt islamfeindlich

Sein neuestes Projekt befindet sich dem „Guardian“ zufolge auf den Malediven. Das riesige Konstrukt aus Stahl und Beton ist sowohl im Wasser als auch an der Oberfläche zu sehen, es zeigte menschliche Figuren, Bäume und einen Würfel mit Korallenmotiven. In Auftrag gegeben wurde es von dem Fairmont Maldives Sirru Fen Fushi Resort der Accor-Hotelgruppe.

Nach der Fertigstellung wurde das Werk allerdings scharf von religiösen Führern und Gelehrten im Land kritisiert. Warum? Nach islamischem Recht wird von der Darstellung von Menschen in der Kunst abgeraten. Einige sehen in den im Kunstwerk dargestellten Menschen Gottesabbilder – und die sind im Islam verboten.

Malediven: Kunstwerk mit Spitzhacken und Sägen teilweise zerstört

Als eine der letzten Amtshandlungen des Präsidenten Abdulla Yameen wurden Teile der Skulptur deshalb am Freitag vernichtet. Nur zwei Tage später wurde der Präsident bei den Wahlen abgesetzt, seitdem regiert Ibrahim Mohamed Solih von der Demokratischen Partei das Land.

Nach einem Gerichtsbeschluss wurden die menschlichen Figuren mit Spitzhacken, Sägen und Seilen entfernt und zerstört. Der Künstler äußerte sich betroffen, nachdem er von der Demolierung erfahren hatte. Sein Ziel beim Bau des „Coralarium“ sei es gewesen, den Mensch mit der Umwelt zu verbinden.

Zerstörtes Kunstwerk löst weltweit Diskussionen aus

Die Zerstörung löste auch in den sozialen Medien Diskussionen aus. Die Regierung bezeichnete die Darstellung der Menschen zwar als Gottesabbilder, viele können diese Auffassung allerdings nicht nachvollziehen und vergleichen die Figuren mit Schaufensterpuppen, die schließlich ebenfalls erlaubt wären und nicht als Gottesdarstellungen gelten.

Das Kunstwerk soll in naher Zukunft neu gestaltet werden, denn das würfelförmige Gerüst des „Coralariums“ wurde nicht entfernt. Das ansässige Fairmont Maldives Sirru Fen Fushi Resort und der Künstler haben bereits neue Pläne für eine Unterwassergalerie, die besser mit den Einheimischen und der Umgebung harmonieren soll.

Die Hotelgruppe Accor sagte gegenüber dem „Guardian“, man sei von der Entfernung der ökologischen Umweltkunst sehr überrascht. Die Gruppe respektiere aber die Menschen, Traditionen und Sitten der Malediven. „Die ‚Coralarium‘-Struktur und die Unterwasserbäume bleiben intakt, sodass das Korallen-Aufbauprogramm aufrechterhalten werden kann.“ 

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