Island: Einheimischer entwickelt Handy-App für neugierige Touristen

Overtourism: Isländer entwickelt App für Kreuzfahrer

Rund zwei Millionen Touristen kommen jährlich auf 350.000 Isländer. Der Unternehmer Haukur Sigurdsson entwickelt deshalb eine App, mit deren Hilfe Kreuzfahrt-Urlauber Einheimische nicht mehr nerven sollen.

Saskia Bücker
Die Landschaft von Island zieht immer mehr Touristen an – im Westen etwa der Hafen von Isafjördur.
Die Landschaft von Island zieht immer mehr Touristen an – im Westen etwa der Hafen von Isafjördur.

Foto: imago/Seeliger

Haukur Sigurdsson aus Isafjördur auf Island hat genug. „Viele Einheimische haben über Ärger mit Touristen gesprochen, vor allem mit denen, die mit dem Kreuzfahrtschiff kommen. Touristen sind sogar so weit gegangen, in die Häuser der Menschen zu glotzen“, sagte er gegenüber der isländischen Zeitung „Visir“. 

Viele Kreuzfahrtschiffe machen halt im Hafenstädtchen Isafjördur

Über hundert Schiffe stoppen im Sommer in dem beschaulichen Örtchen. Dann kämen täglich rund 8.500 Menschen in eine Stadt, in der nur 2.500 Menschen leben, berichtet Sigurdsson. „Es gibt also Trubel und Verärgerung.“ Statt nur zu meckern, wird der Fotograf, Filmemacher und studierte Anthropologe aber selbst aktiv. Mit einer Idee, mit der er den immer größer werdenden Touristenmassen auf Island begegnen will. 

Er will eine App herausbringen, die Touristen davon abhält, neugierige Blicke in die Häuser der Anwohner zu werfen – und stattdessen lieber auf den Bildschirm.

Kreuzfahrt-Touristen sollen per App Einblick in das Leben auf Island erhalten

Ein digitaler Handy-Guide soll den Besuchern über das Display einen Blick ins Innere der Häuser ermöglichen. Die Idee sei Sigurdsson gekommen, nachdem er und seine Familie von Reisenden über ihr Leben ausgefragt wurden. 

Das Projekt sei bereits seit Januar in der Mache, vermeldet das Onlineportal „Iceland Review“. Und schon bald liefert es hoffentlich nicht nur Kreuzfahreren spannende Einblicke. Mit dieser genialen Idee schafft Sigurdsson ​in jedem Fall eine echte Win-win-Situation für Urlauber und Einheimische.

Isländer berichten von ihrem Alltag

Glücklicherweise erklärten sich einige Stadtbewohner dazu bereit, kleine Filme von sich zu Hause machen zu lassen. Sie sprechen darin über ihre Jobs, Hobbys, Familien sowie die Kultur und die Geschichte des Städtchens. Die Touristen können so etwas über die Einheimischen erfahren und nicht mehr einfach vor oder in ihre Häuser spazieren. 

Hat Island ein Overtourism-Problem?

In ganz Island fürchten Einwohner, in Besuchermassen zu ertrinken. Die Tourismusbehörde hat sich mit dem Phänomen beschäftigt und sagt: Overtourism sei auf Island kein Problem, auch wenn sich die Anzahl der Besucher in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht habe. 

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