Deutsche Bahn: Digitalisierung für mehr Kapazitäten

Deutsche Bahn soll digital fahren – das wird teuer

Die Digitalisierung der Trassen wird eine der größten Modernisierungen der Bahngeschichte – und eine teure. Gutachter des Bundesverkehrsministeriums befürworten das Projekt nach einer Machbarkeitsstudie.

Jörg Mandt
Ein ICE bei der Einfahrt im Kölner Bahnhof. Die Strecke nach Frankfurt soll zu den ersten digitalen Projekten der Bahn gehören.
Ein ICE bei der Einfahrt im Kölner Bahnhof. Die Strecke nach Frankfurt soll zu den ersten digitalen Projekten der Bahn gehören.

Foto: imago/Future Image

Von wegen, Deutschland ist eine digitale Wüste. Die Bahn will ihr gesamtes Streckennetz auf digitale Technik umrüsten. Eine Studie von Gutachtern im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums gibt dafür jetzt grünes Licht. Das Ministerium empfiehlt die Digitalisierung auf Grundlage der Ergebnisse der Studie. 

Die Deutsche Bahn erhofft sich mehr Kapazität von der Digitalisierung

Durch die Ausrüstung der Trassen mit dem European Train Control System (ETCS), einer funkgesteuerten Signaltechnik, und digitalen Stellwerken erhofft sich die Deutsche Bahn mehr Kapazität. Das Jahrhundertprojekt könnte einen Kapazitätszugewinn von bis zu 20 Prozent im Personen- und Güterverkehr bedeuten, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. 

Die Digitalisierung würde dies möglich machen, ohne dass neue Gleise verlegt werden müssten. „Die neue funkgesteuerte Signaltechnik ETCS stellt ,die‘ Chance für mehr Kapazität auf bestehender Infrastruktur dar“, sagt Susanne Henckel, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverker. 

Die Digitalisierung würde eine dichtere Zugfolge erlauben

Denn die intelligente Steuerungtechnik würde eine dichtere Zugfolge erlauben. Auf der Schnellstrecke zwischen Berlin und München ist ETCS bereits im Einsatz. Als Nächstes sollen die drei besonders belasteten Strecken von  Dortmund nach Hannover, von Köln nach Frankfurt am Main und die wichtige Ost-West-Güterstrecke von Magdeburg an die Grenze von Polen digital umgerüstet werden. 

Zu den ersten Ausbaustrecken sollen zusätzlich der wichtige internationale Nord-Süd-Korridor von Hamburg und Rostock nach München und Österreich gehören. Und Stuttgart wird als erste Vorzeigemetropole für Deutschland mit dem neuen European Train Control System ausgerüstet. 

Die Digitalisierung ist teuer

Die Digitalisierung ist aber auch sehr teuer. DB-Vorstand Ronald Pofalla rechtfertigt die hohen Kosten unter anderem damit, dass die Digitalisierung zum Klimaschutz beitragen würde: „Zunächst sind für den Ausbau von ETCS und digitaler Stellwerke große Anstrengungen der öffentlichen Hand und der Bahnen erforderlich. Das wird aber sehr gut angelegtes Geld sein, denn alle profitieren: Der enorme Innovationsschub nutzt den Kunden aller Eisenbahnen in Deutschland, dem Wirtschaftsstandort Deutschland und auch dem Klima.“

Die neue Machbarkeitsstudie der Experten von der Unternehmensberatung McKinsey bestätigt, dass bei den fünf ausgewählten Projekten, die als Erstes ausgerüstet werden sollen, die Entlastung besonders groß ist. Die Kosten dafür betragen rund 1,7 Milliarden Euro.

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