Niedersachsen: Erster Wasserstoff-Zug nimmt fahrt auf

Niedersachsen: Erster Wasserstoffzug nimmt Fahrt auf

Er rollt los, der erste Nahverkehrszug, der Wasserstoff in elektrische Energie umwandelt. Seit dem heutigen Montag ist er regulär in Betrieb und transportiert Fahrgäste über 100 Kilometer an die Nordsee.

Saskia Bücker
Mit dem Wasserstoffzug soll das Bahnfahren emissionsfrei werden.
Mit dem Wasserstoffzug soll das Bahnfahren emissionsfrei werden.

Foto: Alstom Coradia iLint/René Frampe

Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde, Buxtehude: Zum ersten Mal fährt der mit Wasserstoff betriebene Nahverkehrszug Coradia iLint nach festem Fahrplan im öffentlichen Linienverkehr von Niedersachsen.

Eine Weltpremiere, sagt der Schienentechnikhersteller Alstom. Wer sich für eine Zugreise an die Nordsee entscheidet, kann seinen Urlaub also neuerdings klimafreundlicher gestalten. 

Mit den besonderen Fahrzeugen kommt er seinem Ziel ein Stückchen näher. Der Zug „läutet eine neue Ära im emissionsfreien Bahnverkehr ein“, sagte Alstom-Chef Henri Pupart-Lafarge bei der Eröffnung der Strecke am heutigen Montag. Bauen lassen hat er erste Fahrzeuge im niedersächsischen Salzgitter.

Coradia iLint ist bis zu 140 Stundenkilometer schnell

Noch sind es erst zwei Züge, die seit Anfang der Woche mit maximal 140 Stundenkilometern auf der Strecke Cuxhaven–Bremerhaven im Einsatz sind. Das Besondere: Die Brennstoffzellen an Bord können Wasserstoff und Sauerstoff in Strom umwandeln. Der große Vorteil: Der Schadstoffausstoß reduziere sich mit dieser Technik im täglichen Betrieb auf null, sagt der Hersteller. 

Die Züge seien geräuscharm und darauf ausgelegt, mit einer Tankfüllung 1.000 Kilometer zurückzulegen. Getankt wird vorerst über eine mobile Ladestelle. Aus einem neben den Gleisen im Bahnhof Bremervörde stehenden, 40 Fuß großen Stahlcontainer lässt sich der gasförmige Wasserstoff in die Züge pumpen.

14 weitere Wasserstoffzüge in Niedersachsen bis 2021

In Zukunft soll es auch eine ortsfeste Wasserstofftankstelle geben. Sie soll Ende 2021 in Betrieb gehen, denn bis dahin will Alstom nach der ersten Probezeit weitere 14 Wasserstoffzüge an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) ausliefern.

Es heißt also Abschied nehmen vom Diesel: Die herkömmlich betriebenen Züge, die bisher auf der Strecke unterwegs waren, nehmen die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (ebv) von den Schienen. Finanziell unterstützt wird das Pilotprojekt mit Mitteln von Land und Bund.

Die Politik setzt auf klimafreundlicheren Nahverkehr

Für LNVG-Chefin Carmen Schwabl ist der Einstieg in die Brennstoffzellentechnologie eine strategische Entscheidung. „Wir machen das auch, weil in den nächsten knapp 30 Jahren etwa 120 Dieseltriebzüge aus unserem Fahrzeugpool das Ende ihrer Lebensdauer erreichen und wir sie ersetzen müssen.“

So sieht der umweltfreundliche Zug von innen aus.
So sieht der umweltfreundliche Zug von innen aus. Foto: Alstom Coradia iLint/ René Frampe

Deshalb setzt die Politik große Hoffnungen in die neuen Züge. So sagt etwa Enak Ferlemann, Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Wasserstoff ist eine echte, emissionsarme und effiziente Alternative zum Diesel. Insbesondere auf Nebenstrecken, an denen Oberleitungen unwirtschaftlich oder noch nicht vorhanden sind, können diese Züge sauber und umweltfreundlich unterwegs sein.“

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