Eigentlich ist immer die rechte Zeit, um sich der Lebenskunst oder den schönen Künsten zu widmen. Das Programm reicht von Festspielen auf der Seebühne von Mörbisch über Picknickkonzerte im Schloss Esterházy bis hin zu den Internationalen Haydntagen oder dem Liszt Festival im Oktober in Raiding. Und Winzer- und Weinfeste gibt es eigentlich immer.

Natürlich lässt sich die bemerkenswerte Weinkarte an der Mole West am Neusiedler See im Sommer und im Frühherbst besonders sonnenreich genießen, aber an diesem Ausflugsziel kannst du auch aufs neue Jahr anstoßen. Dann haben die Gänse schon alles hinter sich, denen das noch bis in den Dezember laufende Kulinarikfestival „Gans Burgenland – ein pannonisches Festival für Genießerinnen und Genießer“ gewidmet ist. Da trifft es sich, dass der heilige Martin nicht nur der Martinsgans den Namen gibt, sondern auch Landespatron des Burgenlandes ist. 

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Wer sich hier mit Gänsezüchtern unterhält, kann das Geheimnis erfahren, warum die Federvögel nicht fliehen, obwohl ihnen die Flügel nicht gestutzt werden: „Bis die begriffen haben, dass sie fliegen könnten, sind sie schon zu schwer dafür“, heißt es dort.

Für den „Paradeiserkönig“ (also den Tomatenpapst) Erich Stekovics ist die Gänsezucht eher ein Nebenerwerb. Er mästet gleich vier Gänsesorten, und wenn eine Graugans sich mal davonmacht, bleibt ihm zum Trost, dass dann die eine oder andere fremde Gans zwischenlandet und vielleicht bleibt – bis zum Schlachttermin. Bei seinen Erdbeeren nimmt Stekovics unerbetenen Schwund weniger leicht. Wer verbotenerweise von seinen Feldern nascht, wird vom einstigen Theologiestudenten mit altbiblischer Strenge strafrechtlich verfolgt.

Besuch im Restaurant "Taubenkogel"

Dabei ist die Versuchung groß, wenn du mit der alten Erdbeersorte „Mieze Schindler“ die vielleicht beste, gewiss aber aromareichste Erdbeere der Welt auf der Zunge hat. Das Problem ist nur, dass sie kaum den Weg vom Feld zur Manufaktur übersteht, in der Stekovics aus Früchten und natürlich aus den vielen Tomatensorten, deren Propagandist er ist, Köstliches produziert. Aus rund 40 Tonnen Tomaten entstehen Raritäten wie „Paradeiserpowidl“ – also Tomatenmus – oder „Paradeisertatar“.

Ähnlich Ungewöhnliches kann der einstige Fernsehjournalist Johannes Pinterits bieten. Er hat hier die alte Tradition des Safrans wiederbelebt, begeistert Feinschmecker aber auch mit Fenchelpollen, Neusiedler Majoran und selbst gemachten Gewürzölen.

Dass rund um den Neusiedler See die Genießer fündig werden, hat sich herumgesprochen. Hier gibt es mit dem „Taubenkogel“ eines der höchstdekorierten Restaurants Österreichs.  

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Wer es zu aufgetragen findet, dass vor der Vorspeise erst einmal die „Philosophie des Hauses“ aufgetischt wird, wird nicht weit entfernt vom jungen Max Stiegl im Gut Purbach in seinem weiß gekalkten Vierkanthof aufs Köstlichste bedient.

Nicht nur für Freunde raffinierter Innereien wie marinierter Kaninchenniere, gesottener Rehzunge oder Lammbeuscherl (also Lunge) ist das mehr als einen Ausflug wert. Wer ganz ausgefallen essen und noch herausgehobener übernachten will, muss ein Stück weiter südlich fahren: Auf Burg Bernstein kannst du dich in einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert einmieten. Da kann es ein mit Antiquitäten ausgestattetes Appartement in puncto Größe schon einmal mit einem Reihenhaus aufnehmen. Das Anwesen gehört der Adelsfamilie Almásy, deren Familienmitglied Ladislaus Graf Almásy als „Englischer Patient“ Filmruhm erlangte.

Wichtiger ist aber, dass die sehr charmante und unprätentiöse Hausherrin verspricht, ihren Gästen ein Nachtmahl bieten zu können, das sich frühestens nach drei Wochen wiederholt. Gegessen wird nach Ansage – und im Kerzenlicht, denn im Speisesaal wird kein elektrisches Licht eingeschaltet. Wie kunstvoll dieser ausgestaltet ist, sieht man beim Frühstück. Nicht ganz so geschichtsträchtig, aber stilvoll übernachtest du in der „Wohnothek“, für die man in Deutschschützen im Südburgenland moderne loftartige Domizile in die Weinberge gestellt hat. 

Hier im Grenzgebiet von Österreich, Ungarn und Slowenien findet sich mit dem Uhudler das erste burgenländische Produkt, das beim Essen den Status eines Weltkulturerbes erlangt hat: helle Cuvée, deren Farbe an hellen Rotwein oder Rosé erinnert.

Das könnten Weinkenner aber durchaus mit einem Fragezeichen versehen. Nicht umsonst werden die Amerikanerreben, die hier verwendet werden, sonst nur als Reblaus-resistente Propfunterlage für Edelreben genutzt. In jedem Fall ist der „Wein der Gesetzlosen“, der erst vor gut 20 Jahren offiziell zugelassen wurde, unverwechselbar: Er schmeckt intensiv nach Walderdbeere und Schwarzer Johannisbeere. 

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Wer lieber einen „richtigen“ Wein genießen will, hat im Burgenland die Qual der Wahl. Schließlich haben die Römer einst nicht nur den Namen Pannonien für die Provinz mitgebracht, sondern auch den Weinbau. Wer im Burgenland keinen Blaufränkisch genossen hat, war nicht wirklich dort. Höhere Berge hat das Burgenland nicht zu bieten, aber Gipfel des Genusses allemal.