Reisetrends: Ilulissat ist ein „reisereporter Top Place 2019“

Ilulissat in Grönland: Mein persönlicher Top Place 2019

Ilulissat ist bestimmt nicht das erstes Reiseziel, an das du bei der Urlaubsplanung denkst. Solltest du aber! Das Land der Eisberge und kleinen Wunder ist der Top Place 2019 von reisereporterin Maria.

Maria Menzel
Ilulissat ist der „reisereporter Top Place 2019“ von reisereporterin Maria.
Ilulissat ist der „reisereporter Top Place 2019“ von reisereporterin Maria.

Foto: Menzel

Als wir mit dem Langstreckenflieger in Kangerlussuaq aufsetzen, bin ich überzeugt, dass wir uns ins Miniaturwunderland verirrt haben. Diese Landebahn kann – nicht – lang – genug – sein, die Baracke, die ich durch das Flugzeugfenster erspähe, nicht das Terminal. Ist es aber. Willkommen in Grönland.

Und weil das Land zu groß und das Gelände zu unwegsam ist, um die Orte mit Straßen zu verbinden, fliegst du weiter – mit dem Hubschrauber oder, wie ich, mit einer Propellermaschine nach Ilulissat im Südwesten Grönlands. Endstation.

Ilulissat ist voller großer und kleiner Wunder

Tatsächlich ist der Flughafen von Ilulissat auch das Ende der Straße, die in die Stadt führt – in die Stadt und nicht weiter, in die Stadt, die im April noch unter einer Schneedecke verborgen liegt. 5.000 Einwohner, minus 20 Grad Celsius. Was genau wollte ich hier noch gleich?

Hunde in Grönland
Dieser Ort ist perfekt für eine Hundeschlitten-Fahrt ist Foto: Maria Menzel

Ilulissat ist voller Wunder – zum einen ganz offensichtlicher. Da sind zuallererst die Eisberge, die wie überdimensionale Diamanten durch den Ilulissat-Eisfjord und die Diskobucht treiben und die je nach Tageszeit in den unterschiedlichsten Blau- und Rottönen leuchten.

Da ist der Schnee, der einen Puderzuckerzauber auf die Dächer und über jedes Motorengeräusch, jeden Schritt legt und dessen ganze Schönheit sich entfaltet, wenn du mit dem Hundeschlitten darübergleitest. Da sind die bunten Häuser, deren Anstrich früher der Orientierung diente und der heute nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Augenweide ist.

   

Ilulissat: Der Top Place 2019 in Bildern

Und schließlich hat die Stadt nicht nur ein liebevoll geführtes Kunstmuseum, sondern mit dem Polarforscher Knud Rasmussen auch einen weit über die Landesgrenzen berühmten Sohn zu bieten, dem in seinem Geburtshaus ein eigenes Museum gewidmet ist.

Und dann? Dann kommen die weniger offensichtlichen, die kleinen großen Wunder. Die Langsamkeit, die jedem an Energieüberschuss leidenden Menschen zur Besonnenheit zu verhelfen vermag. Die Abwesenheit des Gefühls, du könntest etwas verpassen. Die Beobachtung, dass die Wäsche dank der geringen Luftfeuchtigkeit auch bei minus 20 Grad Celsius draußen trocknet.

Und eine Leere, die eine wirkliche Lehre ist: die gähnende Leere, die in den Frischeregalen der Supermärkte herrscht, weil es schon seit drei Monaten kein Versorgungsschiff mehr durch das dicke Eis bis in den Hafen geschafft hat. Keine Tomaten, keine Eier, keine Äpfel. 

Das zu erleben mag vielleicht nicht der innigste Wunsch jedes Urlaubers sein; für mich – Anfang 30 – aber war es eine der eindrücklichsten Erfahrungen der vergangenen Jahre. Leere Supermarktregale in einem europäischen Land – eine Bewusstseinsstufe, die kein noch so gut geführtes Selbstfindungsseminar erlebbar zu machen vermag. Willkommen im Land der Wunder und des Wunderns.

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