Kreuzfahrt: Auf der „Seadream“ durchs Mittelmeer | reisereporter.de

Kreuzfahrt: Auf der „Seadream“ durchs Mittelmeer

Ausgezeichneter Service, gutes Essen und eine tolle Atmosphäre: Bei einer Kreuzfahrt mit der „Seadream“ ist das Schiff der Star. Den Passagieren ist es völlig schnuppe, was an Land los ist.

Die „Seadream“ bietet Platz für 112 Passagiere. Das Schiff ist im Winterhalbjahr in der Karibik unterwegs und fährt im Sommer im Mittelmeer.
Die „Seadream“ bietet Platz für 112 Passagiere. Das Schiff ist im Winterhalbjahr in der Karibik unterwegs und fährt im Sommer im Mittelmeer.

Foto: Seadream

Es war das Foto in einer Broschüre, das ihn magisch angezogen hat: Eine kleine, offene Bar auf dem oberen Deck einer Jacht, der halbrunde Tresen aus poliertem Holz, ein paar sehr entspannt aussehende Gäste, im Hintergrund das Meer: „Ich wusste sofort: Da möchte ich sitzen“, erzählt Gantt Cookson.

Die Geschichte liegt zehn Jahre zurück. Und in diesen zehn Jahren ist der jetzt 59-Jährige aus der amerikanischen Südstaatenmetropole Atlanta um die ganze Welt gereist. Karibik, Asien, Europa. An der Bar hat er inzwischen ungezählte Stunden verbracht. Und noch immer gehört sie zu seinen Lieblingsplätzen.

Der Tresen befindet sich an Bord der „Seadream“, einer Jacht im Kreuzfahrtgeschäft, einem sogenannten Boutiqueschiff. Und Cookson zählt längst zu den Stammgästen, den Repeatern, die immer wieder kommen.

Die Bar „Top of the World“ mit ihrem halbrunden Tresen ist für viele Pasagiere einer der besonders schönen Plätze auf der „Seadream“.
Die Bar „Top of the World“ mit ihrem halbrunden Tresen ist für viele Pasagiere einer der besonders schönen Plätze auf der „Seadream“. Foto: Seadream

Mindestens zweimal im Jahr bucht der Amerikaner eine Tour. Ihn interessieren weniger die Ausflüge an Land, sondern vielmehr das Leben an Bord: Service, Essen und die einzigartige Atmosphäre bescheren den baugleichen Schiffen „Seadream I“ und „Seadream II“ seit Jahren zuverlässig Spitzenplätze im Berlitz-Cruiseguide, der Kreuzfahrerbibel in Sachen Ranking und Leistung der einzelnen Schiffe und ihrer Reedereien.

Die Kreuzfahrt beginnt mit Schwierigkeiten

Unsere Kreuzfahrt auf der „Seadream II“ durchs westliche Mittelmeer beginnt in Malaga mit Schwierigkeiten: Beim Einchecken stehen wir nicht auf der Passagierliste. Erst nach ein paar Telefonaten zwischen Schiff und Pier stellt sich heraus, dass der Mann an Land das falsche Papier in den Händen hält – die Liste der Passagiere, die am Vormittag ausgecheckt haben und von Bord gegangen sind. Ein ziemlicher Fauxpas für ein Unternehmen, das sich zu den Besten der Branche zählt.

An Bord werden wir dafür mit einem Glas Champagner empfangen, der Kapitän schüttelt uns die Hand, und in der Kabine steht bereits gut gekühlt eine ganze Flasche von dem edlen Nass. Am Abend liegt dann auf unserem Bett ein Schlafanzug mit eingesticktem Vornamen. Na bitte, da ist er ja schon, der kleine Unterschied.

Der Eindruck nach einem ersten Rundgang über die Decks ist zwiespältig. Das Schiff, das zu den exklusivsten Kreuzfahrtjachten der Welt gerechnet wird, hat schon einige Jahre auf dem Buckel und ein paarmal die Reederei gewechselt. Das kann man durchaus sehen. Die Kabinen sind von der Ausstattung her Durchschnitt. Holzvertäfelungen, viel Messing und eine farblich erstaunlich zurückhaltende Auslegware bestimmen das Drumherum.

„It's yachting, not cruising“ lautet das Motto

Aber die „Seadream“ ist ja auch kein Kreuzfahrtschiff im herkömmlichen Sinne. „It’s yachting, not cruising – genieße den Unterschied“ lautet das Motto, dessen wahre Bedeutung wir in den nächsten Tagen erleben können. Die „Seadream II“ ist 108 Meter lang und für 112 Passagiere ausgelegt. Ein kleines Schiff. Auf dieser Reise sind etwas mehr als 60 Gäste an Bord. Mehr als die Hälfte sind Wiederholer. Sie sind das Rückgrat des Unternehmens und so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft.

An Bord der „Seadream“ gibt es viele Plätze von denen aus die Passagiere während der Reise die Aussicht genießen können.
An Bord der „Seadream“ gibt es viele Plätze von denen aus die Passagiere während der Reise die Aussicht genießen können. Foto: Gerd Piper

Das Publikum besteht überwiegend aus Amerikanern, Australiern und Engländern, die den legeren Umgang untereinander schätzen. Wer zurückgezogen leben oder mit kleinen Kindern Urlaub machen will, ist auf der „Seadream“ fehl am Platz. 

Eine gewisse Kontaktfreude ist von Vorteil, aber spätestens nach zwei Tagen kennt man sowieso die meisten der Mitreisenden. Denn man läuft sich ständig über den Weg, an der Bar, am Pool, beim Sundowner und beim Dinner – draußen oder unter Deck. Es gibt nur eine Vorschrift an Bord: Von 18 Uhr an sind kurze Hosen und Jeans tabu.

„Seadream“ pendelt zwischen Karibik und Mittelmeer

Wie so viele Kreuzfahrtschiffe pendelt auch die „Seadream“ zwischen Karibik und Mittelmeer. Im Winterhalbjahr sind die Tropen angesagt, im Sommer das Mittelmeer. Barbecue am Strand, Kaviarfrühstück im kristallklaren Wasser der Kleinen Antillen, schwimmen, segeln oder tauchen in lauschigen Buchten – mit all diesen Pfunden kann die „Seadream“ am Anfang der Sommersaison in Europa nicht wuchern.

Das Wasser ist eiskalt, lauschige Buchten gibt es auf unserer Route entlang der spanischen Küste so gut wie keine, und die kleinen Häfen, die die großen Kreuzfahrtschiffe nicht anlaufen können, entpuppen sich wie in Motril als Fähr- und Industriehäfen. Auf Mallorca liegt uns direkt gegenüber die „Symphony of the Seas“ – das derzeit größte Kreuzfahrtschiff auf den Weltmeeren.

Wie klein die Jacht im Vergleich zu den Kreuzfahrtriesen ist, zeigt dieses Bild aus Alicante, wo die 108 Meter lange „Seadream“ (hinten links) neben dem 294-Meter-Schiff „Norwegian Star“ liegt.
Wie klein die Jacht im Vergleich zu den Kreuzfahrtriesen ist, zeigt dieses Bild aus Alicante, wo die 108 Meter lange „Seadream“ (hinten links) neben dem 294-Meter-Schiff „Norwegian Star“ liegt. Foto: Gerd Piper

Also doch Landausflüge. Aber es ist nicht so einfach, bei der begrenzten Zahl der Passagiere einen Bus vollzubekommen. Da kann es schon passieren, dass ein Landausflug ersatzlos gestrichen wird. Doch jetzt entpuppt sich die wunderbare „Seadream“-Magie: Den meisten Passagieren ist es völlig schnuppe, was an Land los ist. Sie wollen das Schiff genießen.

Die Crew versucht, alle Wünsche zu erfüllen

Und genau hier läuft die Mannschaft, die jeden Passagier vom ersten Tag an mit seinem Namen anspricht, zu großer Form auf: Sie wollen ihrer Angebeteten einen Heiratsantrag machen, ihr Eheversprechen erneuern oder haben eventuell Appetit auf Langusten zum Dinner unterm Sternenhimmel? Kein Problem. Das Vorschiff auf dem Oberdeck wird gesperrt, Rosenblätter werden gestreut, und der Koch gibt sein Bestes, damit alle glücklich sind.

Auf der „Seadream“ wird schon beim kleinsten Sonnenstrahl draußen eingedeckt und der Gast speist in der Sonne mit Blick auf das Meer oder die Küste.
Auf der „Seadream“ wird schon beim kleinsten Sonnenstrahl draußen eingedeckt und der Gast speist in der Sonne mit Blick auf das Meer oder die Küste. Foto: Gerd Piper

Die Botschaft ist einfach: Das sind wir, das ist unsere Idee und unser Service. Hier gehen Wünsche in Erfüllung. Wir machen die Probe aufs Exempel und bestellen Acras, jene köstlichen frittierten Fischbällchen aus der kreolischen Küche. Prompt bekommen wir sie am nächsten Tag exklusiv zum Lunch serviert.

An Bord entstehen echte Freundschaften.

Nikola Ivanovic, Maître d’hôtel

Nikola Ivanovic, Maître d’hôtel, kann Dutzende dieser Geschichten erzählen. Der 36-Jährige aus Zagreb, der in seiner Uniform und den tadellosen Umgangsformen stets ein perfekter Gastgeber ist, fährt seit sieben Jahren auf der „Seadream“ und kann sich nichts Besseres mehr vorstellen.

„An Bord entstehen echte Freundschaften. Passagiere, die immer wieder mit uns unterwegs sind, waren bei meiner Hochzeit in Kroatien. Ich glaube nicht, dass es das auf anderen Schiffen gibt.“

Das Wetter kann der Kapitän nicht beeinflussen

Allerdings gibt es auch Grenzen, beispielsweise wegen des Wetters. Uns erwischt es ausgerechnet am einzigen echten Seetag auf der Überfahrt von den Balearen nach Saint-Tropez. Morgens um 11 Uhr bläst der Mistral mit acht Windstärken, die Sonne strahlt auf ein tiefblaues Meer. Gischt weht über die Decks, das Schiff arbeitet in der See. Wer sich draußen aufhält, sucht nach einem festen Halt.

Aber mehr als die Hälfte der Passagiere verlässt die Kabine nicht. Sie sind seekrank. Eine unangenehme Situation für Kapitän Steinar Holmsteinsson, einem eher wortkargen Isländer. Denn exklusiv an Bord ist heute für viele nur die Übelkeit. Der Mann ist mehr Seemann als smarter Kreuzfahrtschiffkapitän.

Kapitän Steinar Holmsteinsson fuhr 20 Jahre lang mit Fischdampfern auf dem Atlantik, bevor er Kreuzfahrtkapitän auf der „Seadream“ wurde.
Kapitän Steinar Holmsteinsson fuhr 20 Jahre lang mit Fischdampfern auf dem Atlantik, bevor er Kreuzfahrtkapitän auf der „Seadream“ wurde. Foto: Gerd Piper

20 Jahre lang war er auf Fischdampfern im Nordatlantik unterwegs, bevor er 2001 bei der „Seadream“ angeheuert hat. Aber er weiß um die Bedeutung des Wetters in diesem Geschäft. Als es am späten Nachmittag vorüber ist, entschuldigt sich Holmsteinsson bei den Gästen für etwas, wofür er nichts konnte. Am Abend, nach ein paar Drinks, ist dann alles wieder gut.

Bei der Besatzung ist der Kapitän beliebt. „Er ist wie ein Vater“, sagt ein Crewmitglied, „er hilft uns, wo er kann.“ Darauf angesprochen, lächelt Holmsteinsson. „Probleme, die es ja immer wieder gibt, versuchen wir zuallererst auf der privaten Ebene zu lösen“, sagt der 57-Jährige. „Auf diesem Schiff kennt ja jeder jeden, wir sind eine Familie.“

Der Amerikaner Gantt Cookson gehört zu den Stammgästen der „Seadream“. Bei dieser Reise ist er mit Freundin Joanne Hilburn wieder auf seinem Lieblingsschiff im Mittelmeer unterwegs.
Der Amerikaner Gantt Cookson gehört zu den Stammgästen der „Seadream“. Bei dieser Reise ist er mit Freundin Joanne Hilburn wieder auf seinem Lieblingsschiff im Mittelmeer unterwegs. Foto: Gerd Piper

Endpunkt unserer zehntägigen Kreuzfahrt ist Nizza. Gantt Cookson ist zufrieden. Wie immer. Der Mann aus den Südstaaten sagt schon jetzt: „Ich bin bald wieder zurück.“

Und auch Joanne Hilburn aus Dublin, Georgia, eine pensionierte Englischlehrerein, die mit Cookson befreundet und das erste Mal mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, gerät ins Schwärmen. Mit leuchtenden Augen sagt sie: „Es waren tolle Ziele, ein fabelhafter Service und wunderbares Essen.“ Eben ein Traum zur See.

Tipps für die Reise mit der „Seadream“

Schiffe: „It’s yachting, not cruising“: Schon das Motto der privaten Luxusreederei Seadream (gegründet 2002, Sitz im norwegischen Oslo) zeigt, wie man sich sieht: Hier geht es nicht (nur) um eine Kreuzfahrt, sondern um den Urlaubsgenuss auf einer exklusiven Jacht. Die beiden baugleichen Schiffe „Seadream I“ und „Seadream II“ (Baujahr 1984 und 1985) bieten Platz für jeweils 112 Gäste, die von 95 Crewmitgliedern betreut werden. Bordsprache ist Englisch. Die Schiffe stehen im „Berlitz Cruise Guide“ auf Platz zwei in der Kategorie „Beste Boutiqueschiffe“ und wurden 2016 mit dem Kreuzfahrt Guide Award in der Kategorie Service ausgezeichnet.

Fahrgebiete: Die „Seadream“-Zwillingsjachten fahren im Winterhalbjahr in der Karibik (mit Kuba), von Mai bis Oktober im Mittelmeer. Die Reisen dauern meist zwischen fünf und elf Tagen. Die Preise starten bei rund 3.000 Euro pro Person und Woche, enthalten sind Übernachtung mit Vollpension und Getränken, dazu alle Wassersportaktivitäten wie Segeln oder Jetskifahren und die Nutzung von Mountainbikes für die Landgänge. Flüge und Zubringer müssen extra gebucht werden. Tipp: Schauen Sie nach den „Early Bird“-Angeboten oder den Atlantiküberquerungen, die meist günstiger zu haben sind.

Route: Die beschriebene Reise begann in Malaga (Spanien) und führte über Motril, Cartagena und Alicante nach Ibiza, Mallorca und Menorca und endete nach Stopps in Saint-Tropez und Cannes schließlich in Nizza (Frankreich).

Die Reise wurde unterstützt von Seadream Yacht Club. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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