Nordseeinsel für Krimifans: Mörderisches Langeoog I reisereporter.de

Nordseeinsel für Krimifans: Mörderisches Langeoog

Er schreibt Krimis für Millionen, stürmt mit seinen Büchern regelmäßig die Spitze der Bestsellerlisten. Mittlerweile lässt Autor Klaus-Peter Wolf auch auf Langeoog morden – das zieht Gäste auf die Insel.

Weite und weißer Sand: In der Nähe von Flinthörn befindet sich einer der schönsten Strände von Langeoog.
Weite und weißer Sand: In der Nähe von Flinthörn befindet sich einer der schönsten Strände von Langeoog.

Foto: Andreas Falk

Wenn das Schiffshorn vernehmlich tutet und der erste Wind die Passagiere auf dem Oberdeck kühlt, dann sind Bensersiel und das Festland schon Vergangenheit – und es beginnt die Entspannung. Bereits während der Fahrt nach Langeoog zeigen sich die ersten Seehunde. Die Möwen ziehen ruhig ihre Kreise. Im kleinen Hafen liegen nur ein paar Segelschiffe. Von der Fähre geht es in die Inselbahn – und der friedliche Urlaub kann beginnen.

Friedlich? Eigentlich schon. Aber seit der Autor Klaus-Peter Wolf („Ostfriesenkrimis“) seine literarischen Killer und Kommissare nach Langeoog schickt, kommt der eine oder andere Urlauber auch, um sich die echten Schauplätze der fiktiven Tatorte anzuschauen.

Krimiautor Klaus-Peter Wolf hat sich die Nordseeinsel Langeoog als Schauplatz für seine Romane ausgesucht.
Krimiautor Klaus-Peter Wolf hat sich die Nordseeinsel Langeoog als Schauplatz für seine Romane ausgesucht. Foto: Petra Rückerl

Ein Besuch des Flinthörns lohnt sich auch ohne Ostfriesenkrimi

Eigentlich galt bisher der Schmand-Käsekuchen von Bäcker Remmers als größte Gefahr der Insel. Unwiderstehlich, aber nicht lebensbedrohlich. Nun aber gibt es schon zwei (literarische) Mordopfer. Eines verscharrt am Flinthörn – da, wo du üblicherweise aufs Festland schaudt und wo in der Wirklichkeit als Aufreger höchstens mal eine Flasche Bier mit einem Zettel und der Aufschrift „Ich mag das nicht. Nimm mit!“ auf einer der Ruhebänke steht.

Natürlich lohnt sich ein Besuch des Flinthörns auch ohne Ostfriesenkrimi – vor allem für Menschen, die mal wirklich ihre Ruhe haben wollen. Der Blick aufs Watt, auf Norderney, auf Fischerboote und die Nordseehimmel-Wolkenwelt ist Poesie genug. Selbst in der Hauptsaison von Mai bis September kann man hier einsame Momente genießen.

Von der Melkhörndüne auf Langeoog haben Reisende eine gute Aussicht auf die Salzwiesen und das Wattenmeer.
Von der Melkhörndüne auf Langeoog haben Reisende eine gute Aussicht auf die Salzwiesen und das Wattenmeer. Foto: Andreas Falk

Das andere Opfer wurde im Vogelschutzgebiet am Ostende vergraben, wo es aber eine Sturmflut wieder freilegte. Das ist auch so ein Ort, den Urlauber kennen, wenn sie sich auf der autofreien Insel ein Fahrrad geschnappt und ein paar Kilometer weit geradelt sind. Hier befindet sich ein weites und faszinierendes Naturschutzgebiet – der Lebensraum von Säbelschnäblern und Austernfischern.

Auf dem Weg dorthin löffelst du am besten genüsslich Dickmilch mit Sanddornsaft und Schwarzbrotkrümeln in der Meierei. An irgendeinem schönen Sommerabend muss ein echter Urlauber direkt durchs Vogelschutzgebiet gestolpert sein und den Umweltschützer Wolf zum nächsten Mordgedanken inspiriert haben.

Das Böse macht auch vor einer autofreien Insel nicht halt.

Uwe Garrels, Bürgermeister


Mörderisches Langeoog, wer hätte gedacht, dass es auf dieser wunderschönen Nordseeinsel so blutrünstig zugeht? Die Insulaner sind davon entzückt, plötzlich Tatort zu sein. „Das Böse macht selbst vor einer autofreien Insel nicht halt“, sagt Bürgermeister Uwe Garrels, und Wolf erklärt: „Ich begehe ja Morde nur an wunderschönen Orten, und dies ist einer der schönsten Plätze der Welt.“

Auf der Insel triffst du die Protagonisten der Krimis

Langeooger und Inselbesucher können den Autor, aber auch die Protagonisten der Krimis am Strand, hinter der Theke, im Tourismusbüro oder beim Radeln über die Insel treffen. Zum Beispiel den echten Tourismusdirektor Hinrik Dollmann, der sich in den Romanen in der ebenso realen Weinperle in der Ortsmitte vergnügt. Und der „findet es klasse, ein Held zu sein“.

Tourismusdirektor Hinrik Rollmann vergnügt sich nicht nur in den Krimis von Klaus-Peter Wolf in der Weinbar Weinperle, sondern auch im realen Leben. Er ist einer von vielen Menschen im Roman, die Leser Langeoog treffen könnten.
Tourismusdirektor Hinrik Rollmann vergnügt sich nicht nur in den Krimis von Klaus-Peter Wolf in der Weinbar Weinperle, sondern auch im realen Leben. Er ist einer von vielen Menschen im Roman, die Leser Langeoog treffen könnten. Foto: Petra Rückerl

Er findet sich auch gut getroffen im Krimi. „Die meisten Personen in meinen Romanen gibt es, und die sind auch so“, sagt Klaus-Peter Wolf. Leser würden auf Langeoog (und anderswo in Ostfriesland) auf Leute treffen, die in den Büchern eine Rolle spielen. „Und dann wird Literatur zu einem Ereignis.“

Viele Fans besuchen die Schauplätze der Verbrechen auf Langeoog

Den Fans gefällt die mörderische Verbindung zu der ostfriesischen Urlaubsregion. Nicht nur, dass sehr viele die Schauplätze der Verbrechen auf der Insel besuchen, „viele wollen auch in meinen Büchern vorkommen oder möchten ihren Namen für Täter oder Opfer zur Verfügung stellen“, erzählt der 64-Jährige. Der Tourist bekommt Tatort und Urlaub auf einen Schlag.

„Wolf ist ein echter Wirtschaftsfaktor für die Region geworden“, sagt Holger Bloem, Chefredakteur des „Ostfrieslandmagazins“. Die Leser von Wolfs Ostfriesenkrimis wissen natürlich genau, wer Bloem ist – einer der beliebtesten Protagonisten in den Krimis, der in Norden bei Norddeich lebt.

Ich töte niemals einen Unschuldigen.

Klaus-Peter Wolf, Krimiautor


Wie der Autor eben auch. Von seinem wirklichen Wohnort ist es quasi nur ein Katzensprung nach Langeoog. Da der gebürtige Gelsenkirchener Klaus-Peter Wolf und seine aus Bamberg stammende Frau Bettina Göschl dort eine Ferienwohnung besitzen, kann man davon ausgehen, dass der Krimi-Mann mit dem Zopf hier noch weitere Opfer findet.

Bürgermeister Garrells hat schon eine Idee: „Totentag am Rathausplatz“, sagt er mit ironischem Blick auf seine Politikerkollegen im Rathaus und grinst. Nicht völlig abwegig, dass Wolf die Idee aufgreift, denn schließlich „töte ich niemals einen Unschuldigen“, verspricht er ... Da können die Touristen ja aufatmen. Was sie natürlich ohnehin tun.

Tipps für deine Reise nach Langeoog

Anreise: Von Bensersiel fährt eine Fähre nach Langeoog. Vom Hafen aus geht es mit der Inselbahn zum Ziel. Die Fahrt dauert inklusive Bahnstrecke etwa eine Stunde. Ein Hin- und Rückfahrticket kostet 25,20 Euro für Erwachsene ab 16 Jahre, Kinder zahlen 15,20 Euro. Für Hunde und Fahrräder werden 24 Euro fällig.

Verkehr: Die Insel ist autofrei. Räder und E-Bikes sind an vielen Orten ausleihbar, zum Beispiel bei Fahrradverleih direkt am Bahnhof. Kinderräder gibt es ab 5 Euro Leihgebühr pro Tag, Räder für Erwachsene ab 9 Euro, E-Bikes ab 25 Euro.

Unterkünfte: Für Familien mit Kindern und Hunden sind Ferienwohnungen zu empfehlen. Langeoog hat auch ein Bio-Hotel mit Öko-Frühstück und Allergikerbettwäsche: Das Strandeck ist nur ein paar Meter von der Stranddüne entfernt. Doppelzimmer sind ab 77 Euro in der Nebensaison buchbar.
Gegenüber vom Lale-Anderson-Denkmal und mit Blick auf den Wasserturm steht das Nordseehotel Kröger. Ein Doppelzimmer ist ab 110 Euro (Nebensaison) buchbar. Auch hier gibt es ein tolles Frühstück.

Essen: Öko-Braten auf dem Tisch, der Blick geht aufs Meer – im Seekrug kann man gesund und sehr lecker speisen.
Nicht nur Insulaner versacken bekömmlich in der Weinperle. Bernd Frech bietet erstklassige Weine, aber auch Rumsorten und Gin zum Probieren an.

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismus-Service Langeoog. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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