Ein Hauch Riviera in den Schweizer Bergen I reisereporter.de

Ein Hauch von Riviera in den Schweizer Bergen

Von Kajaktouren über Wanderungen bis zu Schiff- und Zugfahrten: Im Gebiet der großen Seen zwischen Interlaken und Luzern bieten sich dir nicht nur traumhafte Aussichten, sondern auch jede Menge Möglichkeiten.

Der Vierwaldstätter See und der Pilatus machen Luzern zu einem idealen Ziel für Naturliebhaber.
Der Vierwaldstätter See und der Pilatus machen Luzern zu einem idealen Ziel für Naturliebhaber.

Foto: Switzerland Tourism

Der Klang der Kirchenglocken schallt über das Wasser, Gischt spritzend dreht ein Jetboat mit juchzenden Indern seine Runden. Dann sind nur noch leises Gurgeln und Plätschern zu hören, die ich selbst verursache. Beim Paddeln über den Brienzer See.

Mein Kajak gleitet vorbei an steil aufragenden Felsen und grünen Hängen mit Wiesenblumen. Nur ganz sanft streicht ein warmer Wind über das Wasser. Die Sonne lässt das mineralhaltige Wasser türkisfarben glitzern.

Wie die anderen Gewässer in der Schweiz eignet sich auch der Vierwaldstätter See gut für Wassersport wie etwa Kajak fahren.
Wie die anderen Gewässer in der Schweiz eignet sich auch der Vierwaldstätter See gut für Wassersport wie etwa Kajak fahren. Foto: Switzerland Tourism


Da die Wassertemperatur bei 17 Grad Celsius liegt, wäre es auch kein Drama hineinzufallen. Die Gefahr besteht. Kajak fahren ist eine wacklige Angelegenheit. Ungeschickte Bewegungen können leicht zu einem unfreiwilligen Bad führen. Da ist es gut, einen erfahrenen Begleiter bei sich zu haben – einen wie Peter von der Hightide Kayak School in Bönigen, die mir für diese Kajaktour das Boot und einen Neoprenanzug zur Verfügung gestellt hat.

Der 45-jährige Niederländer hat für die knapp dreistündige Tour auch einen kleinen Landgang vorgesehen. Wir legen unsere Boote unterhalb der Ringgenberg-Burg an und erklimmen einen Festungsturm mit Blick auf die Gletscher der Umgebung.

Viele Seen in der Zentralschweiz

Grüezi mitenand! Wir bewegen uns in der Zentralschweiz zwischen Interlaken und Luzern. Allerorten hat hier Wilhelm Tell seine Spuren hinterlassen, große Seen tragen einen Hauch von Riviera in die Bergwelt. Im Falle von Interlaken verrät schon der Ortsname, dass die Stadt „zwischen Seen“ liegt: auf der einen Seite der Thuner, auf der anderen der Brienzer See.

Paddeln ist schön, aber nicht nötig. Auf den Seen verkehren Fahrgastschiffe, die wie Busse ihre Passagiere von einem Ort zum anderen befördern. Zum Beispiel nach Thun oder Spiez, sehenswerten Orten mit mittelalterlichen Altstädten.

Geschichte auf dem Rütli: Auf einer Bergwiese über dem Vierwaldstätter See legten die Schweizer einst ihren historischen Eid ab.
Geschichte auf dem Rütli: Auf einer Bergwiese über dem Vierwaldstätter See legten die Schweizer einst ihren historischen Eid ab. Foto: Heinrich Thies

Wer sich auf bequeme Weise einen Überblick verschaffen möchte, kann von Interlaken mit der Drahtseilbahn auf den Harder Kulm fahren und in 1322 Metern Höhe die Aussicht auf den Brienzer See und schneegekrönte Viertausender wie Eiger, Mönch und Jungfrau genießen.

Mehr zum Wandern bietet sich die Schyniger Platte an, ein gut 2000 Meter hoher Bergrücken, der von Wilderswil, einem Dorf bei Interlaken, mit einer Zahnradbahn im Stil der Belle Époque zu erkunden ist. Die Sonne kämpft an diesem Morgen einen verzweifelten Kampf gegen den Nebel, sodass sich das Alpenpanorama nur erahnen lässt.

Doch die Nebelschleier verleihen der Landschaft einen mystischen Zauber und lassen die Alphörner, die täglich an der Bergstation zwischen 11 und 14 Uhr geblasen werden, wie aus einer anderen Welt klingen. Dazwischen sind Kuhglocken zu hören. Doch sie werden nicht von Kühen in Schwingung versetzt, sondern von Chinesen.

Viele Touristen kommen aus Asien

Touristen aus Asien (Inder, Südkoreaner und vor allem Chinesen) sind mittlerweile in weitaus größerer Zahl im Berner Oberland zu sehen als Deutsche – entzückt, die Märchenlandschaft, die sie bisher nur aus Filmen und Serien kannten, einmal im Original zu bestaunen.

Da die Gruppen ein umfangreiches Programm absolvieren, bleibt ihnen für die einzelnen Stationen nicht viel Zeit. Nach dem Läuten der Kuhglocken, die in unterschiedlicher Größe an einer Stange hängen, geht es für sie schon bald wieder talwärts.

Da können sie natürlich nicht auch noch den Alpengarten mit Jupiternelke und Habichtskraut in Augenschein nehmen oder einen der stillen Wanderwege beschreiten. Die überdimensionalen Rahmen, die eigentlich die Bergwelt als Naturkino erscheinen lassen sollen, dienen ihnen nur als Fotokulisse, um sich selbst zum Bilde zu erheben.

Doch die Schweizer schätzen die Asiaten. Als gute Kunden. In Interlaken zum Beispiel preisen zahllose Uhrengeschäfte die nobelsten und teuersten Zeitmesser des Alpenlandes an.

Der Tourismus hat die Schweiz reich gemacht

Vorbei die Zeiten, als noch Bauernkinder der Bergbahn hinterherliefen, um den Besuchern Milch anzubieten. Der Tourismus hat die Schweiz reich gemacht. Wie Schlösser thronen die Grandhotels über den Seeufern, und für ein durchschnittliches Abendessen kann man leicht 50 Euro und mehr berappen. Es geht aber auch preiswerter. Wer sich mit einem schlichten, aber gemütlichen Berggasthof begnügt, muss kaum mehr zahlen als in Deutschland.

Das Grandhotel Giessbach steht besonders malerisch am Berg am Brienzer See.
Das Grandhotel Giessbach steht besonders malerisch am Berg am Brienzer See. Foto: swiss-image.ch

Nicht ganz so kostengünstig ist es im Grandhotel Giessbach, das sich wie ein Märchenschloss über dem Brienzer See erhebt und seine Gäste sogar mit einer eigenen Standseilbahn von der Schiffsanlegestelle auf den Berg mit den romantischen Schluchten und Wasserfällen befördert. Nicht nur Hotelgäste dürfen die historische Bergbahn aus dem Jahre 1879 besteigen.

Der Glanz vergangener Tage spiegelt sich auch in Luzern am Vierwaldstätter See. Die prächtige Jesuitenkirche, die blumengeschmückte Kapellbrücke und der imposante Wasserturm sind nur einige der herausragenden Baudenkmäler zwischen den Hotelpalästen, Straßencafés und Restaurants mit Außenterrassen.

Luzern ist für die überdachte Kapellbrücke bekannt, die die sehenswerte Altstadt mit dem rechten Ufer der Reuss verbindet.
Luzern ist für die überdachte Kapellbrücke bekannt, die die sehenswerte Altstadt mit dem rechten Ufer der Reuss verbindet. Foto: Switzerland Tourism

Königin Victoria verbrachte fünf Wochen in Luzern

Schon im Spätsommer des Jahres 1868 – vor genau 150 Jahren – weilte fünf Wochen lang die englische Königin Victoria in dem mediterran anmutenden Städtchen, um nach dem Tod ihres geliebten Mannes in der Schweizer Bergwelt Trost und neue Kraft zu finden. Dabei schipperte sie über den Vierwaldstätter See und gondelte hinauf zu den Gipfeln – zur Rigi, der „Königin der Berge“, ebenso wie zum 2132 Meter hohen Pilatus.

Das 1860 eröffnete Hotel Bellevue, in dem Victoria mit ihrem kleinen Hofstaat nächtigte, steht heute noch auf dem Pilatus Kulm – erweitert um einen modernen Anbau und bequem zu erreichen mit der Pilatus-Bahn, der angeblich steilsten Zahnradbahn der Welt. Von der Aussichtsterrasse kann man bei klarem Wetter den Feldberg im Schwarzwald sehen.

Unterwegs mit der steilsten Zahnradbahn der Welt: Bei der Fahrt auf den sagenumwobenen Pilatus erleben Reisende viele ganz besondere Ausblicke.
Unterwegs mit der steilsten Zahnradbahn der Welt: Bei der Fahrt auf den sagenumwobenen Pilatus erleben Reisende viele ganz besondere Ausblicke. Foto: Pilatus-Bahnen AG

Lohnend ist es aber auch, den Auf- oder Abstieg mit eigener Muskelkraft zurückzulegen – zum Beispiel nach kurzer Gondelfahrt von der Mittelstation Krienseregg aus, wo von einem Erlebnisspielplatz fröhliches Kindergeschrei herübertönt. Der Wanderweg mit den Wurzelstufen führt durch Mischwald und Hochmoor an einem Seilpark vorbei, wo man in zehn Parcours klettern, balancieren und an Seilrutschen durch den Wald sausen kann – und immer am sicheren Haken hängt.

Der Berg verdankt seinen Namen Pontius Pilatus, der hier der Sage nach in einem Bergsee seine letzte Ruhestätte gefunden haben soll. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war es noch verboten, den Berg zu besteigen, weil man fürchtete, dass der Tote sich mit schweren Unwettern rächen würde, wenn man ihn in seiner Ruhe störte.

Fünf Schaufelraddampfer fahren auf dem Vierwaldstätter See

Heute mischt sich in die Stille der Bergwelt bisweilen das heisere Tuten eines Dampfschiffes. Für die Einheimischen lässt sich daraus schließen, welches Schiff gerade unten auf dem See vorbeifährt. Denn jede Dampfpfeife klingt anders.
Beat Kallenbach hat es buchstäblich in der Hand, ob es tutet oder nicht.

Der 62-Jährige mit der weißen Schirmmütze ist Kapitän auf der „Uri“, einem Dampfschiff, das schon 1903 in Betrieb genommen wurde und immer noch von zwei Schaufelrädern angetrieben wird. Das digitale Zeitalter ist an diesem historischen Raddampfer vorbeigegangen. Fast alles ist hier Handarbeit – ob Steuern oder Tuten. Und wenn Kallenbach seinen Maschinisten im Unterdeck Anweisungen gibt, benutzt er dabei einen Telegrafen oder ein Sprachrohr.

Kapitän Beat Kallenbach ist mit dem Dampfschiff „Uri“ auf dem Vierwaldstätter See unterwegs. Er hatte schon Prominente wie die ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog und Christian Wulff an Bord.
Kapitän Beat Kallenbach ist mit dem Dampfschiff „Uri“ auf dem Vierwaldstätter See unterwegs. Er hatte schon Prominente wie die ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog und Christian Wulff an Bord. Foto: Heinrich Thies


Menschen am Ufer winken seinem Schiff zu, manche zücken sogar ehrerbietig den Hut. „Es war für mich schon als Kind ein Traum, einen Raddampfer zu steuern“, sagt Kallenbach, der schon 35 Jahre die Kapitänsmütze trägt und stolz ist, ein Dampfschiff zu führen.

Der Erste-Klasse-Salon sieht noch fast so aus wie zu Zeiten Queen Victorias, als der Dampfkessel noch mit Kohle befeuert wurde. Schon zwei deutsche Bundespräsidenten – Roman Herzog und Christian Wulff – hat Kallenbach auf seiner „Uri“ begrüßt, aber an Bord hat natürlich nur der Kapitän das Sagen.

Es war für mich schon als Kind ein Traum, einen Raddampfer zu steuern.

Beat Kallenbach, Kapitän der „Uri“


Von den insgesamt 20 Schiffen der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstätter Sees sind fünf Schaufelraddampfer. Dazu kommen 13 Motorschiffe, ein Katamaran und eine Panoramajacht. Es ist, als wäre man in einen Film versetzt, wenn man auf dem Außendeck sitzt und die märchenhafte Landschaft an sich vorbeigleiten lässt, die ihre Schatten auf das türkisfarbene Wasser wirft.

Tipps für deine Reise in die Schweiz

Anreise: Swiss bietet Flüge von vielen deutschen Städten direkt nach Zürich an. Von dort aus geht es weiter mit der Bahn nach Luzern oder Interlaken. Wer mehr Zeit mitbringt, kann eine der direkten ICE-Verbindungen nutzen, die von Hamburg und Berlin aus bis Interlaken führen.

Unterkunft: Auch in der Schweiz lassen sich bezahlbare Hotels und Pensionen finden, der Euro hat sich im Verhältnis zum Franken etwas erholt. Angesichts hoher Preise in Restaurants bucht man am besten mit Halbpension oder zumindest Frühstück – oder verpflegt sich weitgehend selbst. Eine Alternative sind die oft besonders schön gelegenen Jugendherbergen.

Swiss Travel Pass: Angesichts des sehr guten öffentlichen Verkehrs empfiehlt sich in der Schweiz eine Reise mit Bahn und Bus. Der Swiss Travel Pass der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), ein Pauschalangebot für Touristen, gilt beinah unbegrenzt auch für die Schifffahrt – sowohl auf dem Vierwaldstätter als auch auf dem Thuner und dem Brienzer See. Inklusive oder rabattiert sind auch Bergbahnfahrten.

Der Swiss Travel Pass kostet für drei Tage in der zweiten Klasse 225 Schweizer Franken (CHF), also etwa 196 Euro, für acht Tage 398 CHF (etwa 348 Euro). Schiff und Bahnen sind zeitlich aufeinander abgestimmt. Das ermöglicht abwechslungsreiche Rundfahrten, beispielsweise zum Pilatus bei Luzern.

Kajak fahren: Die Hightide Kayak School in Interlaken bietet begleitete Halbtagstouren an, Ausrüstung inklusive. Erwachsene zahlen 100 CHF (etwa 88 Euro), Kinder 70 CHF (etwa 61 Euro). Die Leihgebühr für ein Kajak für bis zu vier Stunden beträgt 40 CHF (etwa 35 Euro). Nähere Informationen unter Telefon: (00 41) 7 99 06 05 51.

Tellspiele: Die nächsten Tellspiele in Matten/Interlaken, Tellweg 5, beginnen 2019 Ende Juli. Kartenvorbestellungen sind unter Telefon (00 41) 3 38 22 37 22 oder per E-Mail an info@tellspiele.ch möglich.

Die Reise wurde unterstützt von Schweiz Tourismus. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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