Tel Aviv: Diese Stadt schläft nie I reisereporter.de

Tel Aviv: Diese Stadt schläft nie

Tel Aviv ist individuell, laut und modern. Die Stadt im Nahen Osten hat sich zu einer Metropole entwickelt, die vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Die kreative Modeszene und ihr unbeschwertes Nachtleben.

Mandy Sarti
Tel Avivs Altstadt Jaffa grenzt direkt ans Meer. Sie ist inzwischen eines der hipsten Viertel der israelischen Stadt.
Tel Avivs Altstadt Jaffa grenzt direkt ans Meer. Sie ist inzwischen eines der hipsten Viertel der israelischen Stadt.

Foto: Tourism Israel

Es ist eine Stadt der Kontraste: Zwischen Wolkenkratzern und weißen Fassaden im Bauhausstil bebt in Tel Aviv das Leben. Die Metropole am Mittelmeer ist die zweitgrößte in Israel und alles andere als traditionell. Hier wird Glaube mit wilden Partys vereint.

Wenn du Israelis nach Tel Aviv fragst, dann sind sie sich einig: Diese Stadt ist wie ein eigenes Land, ganz anders als der Rest Israels. „In Jerusalem erzählt man sich sogar, Tel Aviv sei wie Sodom und Gomorrha“, scherzt Guide Arnon Brukshtein lachend.

Tel Aviv bietet ein Kontrastprogramm zur religiösen Pilgerstätte Jerusalem

Kein Wunder, Tel Aviv ist Kontrastprogramm zur religiösen Pilgerstätte Jerusalem, das wird schnell klar. Die Stadt ist jung, offen, pulsiert und schläft nie. „Das ist der Reiz“, sagt Ilan Dotan. Die junge Frau kennt Tel Aviv gut, sie ist hier aufgewachsen, hat hier Mode studiert und das Lebensgefühl der Stadt inhaliert.

„Die Menschen sind unfassbar kreativ und haben immer neue Ideen“, sagt sie. Vor allem die Designer. Weil es wenige große Modeunternehmen in Israel gibt, machen sich die meisten nach dem Studium selbstständig. Die kleinen Boutiquen boomen. „In keiner anderen Stadt kann man so individuelle Mode kaufen wie hier“, schwärmt Dotan.

In keiner anderen Stadt kann man so individuelle Mode kaufen wie hier.

Ilan Dotan, Führerin bei Modetouren in Tel Aviv


Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie führt Besucher durch die Boutiquen. „Für viele Reisende ist es interessant zu sehen, wie sich der Stil entwickelt. In Tel Aviv will man nachhaltig arbeiten, keine Massenproduktion, dafür besondere Teile fertigen“, sagt sie.

Ihre Chefin Galit Reismann hat die TLV-Style-Touren erfunden – sie sollen Leidenschaft für Mode und individuelles Design miteinander verbinden. Je nach Interesse stellt sie spezielle Touren für Reisende zusammen. „Nach wenigen Stunden hat man dann ein Bild vom Stil der Stadt“, sagt Dotan.

Das Modelabel Vague verbindet Mode mit moderner Technik

Wegen der vielen internationalen Einflüsse ist der Modestil der Stadt besonders vielseitig und voller Ideen. Das gilt auch für den Stil von Anuk Yosebashvili. Zusammen mit ihrem Team hat die Designerin 2016 das Label Vague gegründet und entwirft Mode, die Frauen und Männer tragen können. „Für uns gibt es nicht bloß ein Geschlecht. Die Mode steht im Vordergrund, und da ist das Geschlecht nun mal egal.“

Yaron Shmerkin (von links), Aviad Sherman und Anuk Yosebashvili entwerfen für das Label Vague Mode, die jeder tragen kann – egal ob Mann oder Frau.
Yaron Shmerkin (von links), Aviad Sherman und Anuk Yosebashvili entwerfen für das Label Vague Mode, die jeder tragen kann – egal ob Mann oder Frau. Foto: Mandy Sarti

Dafür hat sie sich ein besonderes Konzept überlegt: Sie verbindet Mode mit Technik. Anstatt schnöde Maß zu nehmen, lässt sie einen 3-D-Scan anfertigen und passt Accessoires genau den Körperformen an. „Die Bilder speichern wir und können so immer ganz maßgetreu Mode anfertigen“, berichtet sie. Dieser Einblick ist genau das, was die Style-Touren ausmacht.

Modernes Modedesign: Anuk Yosebashvili lässt von den Kunden ihres Modelabels Vague in Tel Aviv 3-D-Scans anfertigen anstatt sie zu vermessen.
Modernes Modedesign: Anuk Yosebashvili lässt von den Kunden ihres Modelabels Vague in Tel Aviv 3-D-Scans anfertigen anstatt sie zu vermessen. Foto: Vague Tel Aviv

Yosebashvilis kleine Boutique liegt im Stadtteil Jaffa, dem arabisch geprägten Teil Tel Avivs. Inzwischen gehört er zu den hipsten Vierteln der Stadt. In den verwinkelten Gassen reihen sich individuelle Boutiquen, Antiquitätenläden, Kunsthändler und Cafés aneinander, während in den Restaurants schon am Mittag DJs auflegen.

Unweit des Trubels, direkt am Hafen, liegt das Ilana-Goor-Museum. Die Israelin hat sich in ihrem Wohnhaus in der Altstadt ihren eigenen „verwilderten Dschungel“ errichtet. Zwischen grünen Pflanzen und gesammelter Kunst zeigt sie ihre Werke und öffnet den Ort, an dem sie lebt, für Besucher. In ihrer Ausstellung vereint die Künstlerin den arabisch geprägten Stadtteil mit dem Judentum – aber auch das Christentum spielt eine Rolle.

Die israelische Künstlerin Ilana Goor vereint in ihrer Kunst die Kulturen: Ihre Version des Abendmahls interpretiert sie mit Wasserpfeifen.
Die israelische Künstlerin Ilana Goor vereint in ihrer Kunst die Kulturen: Ihre Version des Abendmahls interpretiert sie mit Wasserpfeifen. Foto: Mandy Sarti

„Für Ilana Goor ist typisch, dass sie Altes und Neues miteinander verbindet“, sagt Arnon Brukshtein, als er in der Küche, dem historischsten Teil des Hauses, steht. In den Regalen sind Dutzende Kupfertöpfe aus Marokko aufgereiht – bis unter die Decke, die noch im Originalzustand von 1742 ist. Der Übergang zur Kunst ist fließend – selbst in den Geländern steckt ein Stück Geschichte.

Den Sabbat am Strand und nicht in der Synagoge feiern

Durch die Fenster hörst du die Wellen rauschen, von der Terrasse des Hauses aus kannst du den Strand sehen. Es ist der Vorabend des Sabbats – also Sonnabend, dem heiligen Tag der Juden. In Tel Aviv begehen ihn viele auf ihre eigene Weise: Sie mischen Tradition mit Moderne und feiern eher am Strand als in der Synagoge.

Für viele Israel-Reisende sind die Strände der Metropole auch ein Grund nach Tel Aviv zu kommen.
Für viele Israel-Reisende sind die Strände der Metropole auch ein Grund nach Tel Aviv zu kommen. Foto: Tourism Israel

Unzählige Menschen sitzen am Wasser und singen, zwischen ihnen tollen Hunde umher – die gehören ebenfalls zum Bild der Stadt am Mittelmeer. „Auf jeden Israeli kommt ein Hund“, sagt Brukhstein etwas überspitzt. Und weil gerade die jungen Menschen in Israel ihre Tradition neu erfinden, feiern sie anschließend in den Clubs der Stadt.

Bei Touren mit dem Local ins Nachtleben eintauchen

„In Israel ist der beste Plan, keinen Plan zu haben“, brüllt Eviatar Gover gegen den Bass an. Gover hat einen festen Platz in Tel Avivs Nachtleben eingenommen, er kennt die Szene genau. Seit 2012 bietet er mit Be Tel Aviv Tours Ausflüge in Bars an. „Wenn ich auf Reisen bin, will ich dort feiern, wo die Einheimischen Party machen. Diese Möglichkeit will ich auch den Touristen geben“, sagt er und eröffnet damit eine lange Nacht, die nicht enden will.

Egal ob Hinterhofclubs oder Elektrobars: Eviatar Gover führt Reisende in seiner Heimatstadt Tel Aviv zu den angesagtesten Adressen.
Egal ob Hinterhofclubs oder Elektrobars: Eviatar Gover führt Reisende in seiner Heimatstadt Tel Aviv zu den angesagtesten Adressen. Foto: Mandy Sarti

Tel Aviv ist für sein Nachtleben bekannt. Ganze Gruppen junger Menschen reisen nur zum Feiern in die Metropole im Nahen Osten. Gover weiß, was ankommt, und ist für alle Wünsche offen. Er bringt die Menschen in Hinterhofclubs oder Elektrobars, zeigt ihnen, was sie allein nur schwer finden würden.

„Das Teder ist das Mekka des Nachtlebens in Tel Aviv“, beschreibt er die Bar, die im Innenhof eines Industriegebäudes liegt. Auf alten Sofas sitzen Mittzwanziger und nippen an ihrem Drink und beißen von ihrer Pizza ab (die beste der Stadt soll es hier geben), aus der ersten Etage hört man die Bässe aus den Boxen dröhnen. Dort tanzen sie zu einem Mix aus Elektromusik und R ’n’ B.

Das Nachtleben in Tel Aviv bebt. Bei den Touren von Eviatar Gover gibt es in jeder Bar ein Bier und einen israelischen Schnaps.
Das Nachtleben in Tel Aviv bebt. Bei den Touren von Eviatar Gover gibt es in jeder Bar ein Bier und einen israelischen Schnaps. Foto: Tel Aviv Night Tours

Der Herzschlag verschmilzt mit dem Beat und das Leben fühlt sich ganz leicht an. Hier, 70 Kilometer vom Gazastreifen entfernt, ist von Krisen nichts zu spüren. Über dem Innenhof wird der Himmel langsam rosa. Diese Stadt schläft wirklich nie.

Tipps für deine Reise nach Tel Aviv

Anreise: Die israelische Airline El Al bietet zum Beispiel Direktflüge von Berlin nach Tel Aviv ab 235 Euro an. Achtung: Für die speziellen Kontrollen bei Flügen nach Israel sollten Reisende am Flughafen ausreichend Zeit einplanen. Israel vergibt keine Stempel in den Reisepass.

Beste Reisezeit: Von April bis Oktober ist das Klima angenehm warm. Wer baden will, der sollte im Juni, Juli, August oder September reisen.

Unterkünfte: Das Orchid ist ein Hotel, das Strand- und Stadtleben miteinander vereint. Es liegt direkt an der Promenade, von den Zimmern aus kann man aufs Meer blicken. Bis in die Altstadt Jaffa sind es 20 Gehminuten. Zum Frühstück werden traditionell israelische Speisen serviert.

Attraktionen: Galit Reismanns TLV-Style-Touren durch die Stadt werden individuell zusammengestellt. Pro Person kostet die Teilnahme etwa 210 Israelische Neue Schekel (ILS), also etwa 50 Euro.
Be-Tel-Aviv-Touren mit Eviatar Gover gibt es von donnerstags bis sonnabends. Sie dauern etwa fünf Stunden und kosten 89 ILS (etwa 20 Euro) pro Person. Ein Familienticket für das Ilana-Goor-Museum für bis zu fünf Personen ist für 108 ILS (etwa 25 Euro) erhältlich.
 

Die Reise wurde unterstützt vom Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite