Berlin: 10 Ausgeh-Tipps für Lesben und Schwule

Schwule und Lesben sind in Berlin schon lange nicht mehr geächtet. Und das ist auch gut so. Hier 10 Ausgeh-Tipps für alle, die es queer lieben:

Der CSD in Berlin: Ein Sinnbild der Toleranz und Offenheit.
Schrill, bunt, laut, verrückt: Der Christopher Street Day, kurz CSD. Party pur auch für Heteros.

Foto: imago/Müller-Stauffenberg

1. „Möbel Olfe“

Hunderte Satellitenschüsseln sprenkeln den langgezogenen Hochhausriegel am Kottbusser Tor. Da ist es natürlich nur konsequent, dass auch unten in der Ladenzeile, im Innern der Bar "Möbel Olfe", Satellitenschüsseln von der grün angestrahlten Betondecke hängen. Zumal ja auch viele der Gäste hier auf Empfang sind, dabei aber stets locker und entspannt bleiben. Durchtrainierte Amerikaner in kurzen Hosen und Tennissocken trinken hier ihr erstes, zweites, drittes Bier des Abends. Großflächig tätowierte Berlinerinnen verhandeln beim Gin Tonic die Vierte Welle des Feminismus. Und hinter der langen Holztheke hebt und senkt eine Winkekatze mit angeklebtem Schnurrbart ihr Ärmchen, so gar nicht im Takt zu den Indie- und Elektroklänge aus den Boxen.
 
Das „Möbel Olfe“ ist zu Recht eine feste Größe in Berlins queerer Szene. Dienstags gehört die Bar den Lesben, donnerstags den Schwulen. Tolle Location, tolerante Leute, jeder Gang auf die Unisex-Toilette ist ein Statement. Am besten folgt man dem großen, grünen „Möbel Olfe“-Schriftzug auf dem Dach des Hochhauses in der Woche, wenn der Touri-Trubel ausbleibt. Das Schild ist übrigens älter als die Bar. Es verweist auf ein längst geschlossenes Möbelgeschäft in der Nachbarschaft. Das „Möbel Olfe“ aber wird ganz bestimmt noch lange bleiben.
 
Möbel Olfe | Reichenberger Str. 177, 10999 Berlin

Light by satellite dish. ???? #kreuzberg

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2. „Rauschgold“

Das „Rauschgold“ am vielbefahrenen, immer wachen Kreuzberger Mehringdamm zählt zu jenen Schwulenbars, in denen immer auch ein bisschen Karnevalsstimmung herrscht. Wer Freude an extravaganten Kleidern und dickem Makeup hat, ist hier sehr richtig – genauso richtig wie Jungs in Muskelshirts oder auch Holzfällerhemden. Es funkelt und glitzert, wohin man schaut: Diskokugeln, Paillettenvorhänge und Lametta verwandeln die Bar in ein fröhlich-schrilles Kabinett, und das an jedem Abend in der Woche. Die DJs legen es auf Partystimmung an und spielen dafür Pop aus den letzten sechs Jahrzehnten, Schlager und Neue Deutsche Welle. Zwischendurch gibt es auch Showeinlagen mit Mitmach-Appellen. Zu Beginn des Abends ist das Publikum überwiegend schwul, was sich allerdings ändert, je später es wird und je mehr Bars und Kneipen ringsum zumachen. Dann schauen auch die anderen vorbei. Willkommen ist jedenfalls jeder.
 
„Rauschgold“ | Mehringdamm 62, 10961 Berlin

Im Rauschgold kann man live moderiert #gntm gucken. Der Laden platzt. #achberlin

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3. „Barbie Deinhoff’s“

Niemand kommt ins „Barbie Deinhoff’s“, weil er eine gepflegte Unterhaltung führen, einen Roman schreiben oder die Folien für die nächste Präsentation erstellen will. Dieser extrovertierte, originelle aber auch ein bisschen abgewrackte Laden in Berlin-Kreuzberg hat vor allem ein Ziel: Er will seinem Publikum die Sinne vernebeln.
 
Dazu taugt das plüschig-püppige Interieur, die seltsame Kunst an den Wänden, das Hochprozentige im Glas und die aufreizend lässig gestylten Typen, die hier ein und aus gehen. Das Publikum ist ziemlich international, wobei der Anteil junger Spanier auffallend hoch ist. Die Macher legen Wert auf elektronische Musik und laden sich dazu DJs aus aller Welt ein. Willkommen ist jeder, donnerstags sind Frauen besonders gern gesehen.
 
„Barbie Deinhoff’s“ | Schlesische Str. 16, 10997 Berlin

4. „Poor and literate“

Alkohol bildet selten weiter – in der Galerie-Bar „Poor and literate“ aber schon. „Books – Whiskey – Art“ steht unter dem Eingangsschild des kleinen Ladens in Prenzlauer Berg, was dessen ausgefallenes Konzept zumindest umreißt. Die beiden Betreiberinnen – die eine Künstlerin, die andere Anthropologin – stellen aus und schenken ein, was ihnen am Herzen liegt: die Werke internationaler Künstler und Fachliteratur über Afrika sowie erlesenen Whiskey und handgebrühten Filterkaffee. Auf einstigen Flugzeugsitzen kann man Platz nehmen und sich ein Buch aus dem Regal nehmen. Im Bestand finden sich zahlreiche Werke queerer und feministischer Autoren, Ernsthaftes, aber auch Lustiges wie ein Ankreuzbuch mit dem ironisch-bangen Titel „Bin ich schwul?“. Das „Poor and literate“ ist gleichermaßen Galerie-Café und Bar-Bibliothek – vor allem aber ist es ein kleiner, liebevoll konzipierter Ort der Begegnung. Man kommt rein, man kommt ins Gespräch.
 
„Poor and literate“ | Kopenhagener Str. 77, 10437 Berlin

5. "Buchhandlung Eisenherz"

Das „Eisenherz“ eröffnete vor fast 40 Jahren als erster schwuler Buchladen in Deutschland, und bis heute dürfte es weltweit – wenn überhaupt – nur ganz wenige queere Buchläden geben, die ein größeres Sortiment vorweisen können als dieses entspannte und entspannende Geschäft in Berlin-Schöneberg. Man findet es in der Schwulenmeile Motzstraße, zwischen unzähligen schwulen Bars, Clubs, Cafés und Fetischläden.
 
Das „Eisenherz“ bietet Romane, Sachbücher, Zeitschriften und Bildbände an, über deren Fülle und Auswahl nicht nur Heteros ins Staunen geraten dürften. Zum Beispiel liegen hier Comics aus, deren schwule Helden arabischer Herkunft sind. Reiseführer empfehlen die besten Trips für LGBTI-Singles und -Paare. Es gibt Vorlesebücher für Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen: Mutter, Mutter, Kind. Und die Regale sind voll mit Romanen, deren Protagonisten schwul, lesbisch, trans-, inter- oder bisexuell sind – so als wäre queer das Normalste von der Welt. Das „Eisenherz“ ist ein Laden zum Wohlfühlen.   
 
Buchhandlung Eisenherz | Motzstraße 23, 10777 Berlin

Hi Vincent! #HankyTattoo #DatButt

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6. „Begine“

So wie jeder anderen Stadt sind auch in Berlin Angebote, die sich ausdrücklich an Lesben richten, sehr viel seltener als Clubs, Bars und Partys für Schwule. Aber es gibt sie. Die „Begine“ ist eine geschichtsträchtige Institution in der Berliner Frauenszene. Ihre Wurzeln liegen in der Frauenbewegung der achtziger Jahre, gegründet wurde das Café und Kulturzentrum für Frauen in einem von Frauen besetzten und in Selbsthilfe instandgesetzten Haus in Schöneberg. Aus dem Hausprojekt ist inzwischen ein ambitionierter Kulturtreff geworden, mit Literaturabenden, Jazz- und Klassikkonzerten und auch Partys. Und, klar, über Politik wird auch noch ausgiebig diskutiert.
 
„Begine“ | Potsdamer Straße 139, 10783 Berlin

7. "Schwuz"

Das "Schwuz" zählt zu den Hauptanlaufstellen der queeren Berliner Partyszene. Im Neuköllner Rollbergkiez gelegen, lockt der Laden jedes Wochenende einige Hundert Einheimische und Berlin-Besucher zum Feiern auf einen seiner drei Dancefloors an. Besonders beliebt ist die Retro-Party-Reihe „Bump“, bei der das Publikum dem Sound entsprechend nicht ganz so jung ist. Unter der Woche erklingt in den einstigen Brauereihallen gern mal Elektro von externen DJs, Techno und House. Und Soli-Aktionen für das gegenüberliegende Seniorenheim standen ebenfalls schon auf dem Programm.
 
Schwuz | Rollbergstraße 26, 12053 Berlin

 

8. "Die Busche"

Man muss nicht, man kann jedoch mit einiger Phantasie beim Feiern in der "Busche" den Atem der Geschichte spüren. Die Busche war die erste und einzige Schwulen- und Lesben-Disko in der DDR. Im Berliner Ost-Bezirk Weißensee veranstaltete man damals Tanzveranstaltungen, die unter dem Titel „Jugenddisco“ firmierten – ein kleines Ablenkungsmanöver, schließlich war auch in der DDR Schwullesbisches nicht gern gesehen.
 
Heute residiert die Busche unter den U-Bahn-Bögen an der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain. Feiern und Leute kennenlernen kann man dort auf zwei Dancefloors: Auf dem Discofloor geht es eher konventionell zu, zu Pop, Schlager und Olé Olé. Auf dem größeren Mainfloor ist das Feiern exzessiver, zu EDM-, House-, Electro- und Techhouse-Tracks. Die Feierei startet Berlin-typisch erst gegen Mitternacht und reicht mitunter bis weit in den Folgetag hinein.
 
Die Busche | Warschauer Platz 18, 10245 Berlin

#diebusche #angst #scary #whereami #runaway #gayberlin #gaystagram

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9. "Schwules Museum*"

Seit den sozial bewegten achtziger Jahren widmet sich das Schwule Museum* den mal subtilen, dann wieder kämpferischen Bemühungen Homosexueller, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, frei von Angst und Ausgrenzung. Zunächst standen nur männliche Homosexuelle im Fokus der Museumsgründer. Inzwischen aber gilt das wissenschaftliche Interesse der Kuratoren auch anderen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten – vor allem Frauen und Transgender. Für diese inhaltliche Ausweitung steht das Sternchen im Namen.
 
Wer oder was definiert das Geschlecht eines Menschen? Wie ging die DDR, wie geht die BRD mit Homosexuellen um? Warum betonen Heterosexuelle zurzeit so häufig, wie tolerant die Gesellschaft inzwischen geworden sei – und wenn das stimmt: Warum stellt für die meisten Homosexuellen ihr Coming-out heute noch immer ein Problem dar? Das sind Fragen, denen das in Berlin-Schöneberg gelegene Schwule Museum* in Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen nachspürt. Fast jeden Donnerstag und Samstag finden im Schwulen Museum* Führungen statt.
 
Schwules Museum | Lützowstraße 73, 10785 Berlin

 

10. „Silver Future“

Die Weserstraße in Berlin-Neukölln ist der zurzeit wohl angesagteste Kilometer der Stadt. Hier ist das Zentrum des europäischen Hipstertums. Dicht an dicht drängen sich Bars mit freigelegtem Mauerwerk und ambitionierter Getränkekarte, Restaurants mit Spitzenköchen in kreativer Auszeit und Bekleidungsläden, deren Betreiber sich eher als Kuratoren denn als Verkäufer verstehen. Dass es auf der Weserstraße mit dem „Silver Future“ nur eine explizit queere Bar gibt, liegt wohl daran, dass Schwule, Lesben und Transgendermenschen hier überall willkommen sind. „Jeder wie er will“, so lautet das ungeschriebene Gesetz im Kiez, und es gilt erst recht im „Silver Future“.
 
Von der Decke hängen Fahrradschläuche, die Wand zieren eine schnauzbärtige Audrey Hepburn und eine beinbehaarte Superfrau. Die Longdrinks heißen „Bummerking“ (mit Grenadine), „Hansi“ (mit Johannisbeersaft) oder „Pussy Love“ (mit Zitronensaft), die Songs des Abends kennt man aus der Indie-Disko, und das Publikum ist jünger als in anderen schwul-lesbischen Bars. Pink ist hier die dominierende Farbe, aber der politische Anstrich ist unübersehbar: Es gibt einen Soli-Drink, dessen Erlös Flüchtlingen zugutekommt, und wer sich aufmerksam durch die Getränkekarte liest, der stößt auf diesen Satz: „Trinkgeld wird dankend akzeptiert, Sexismus und Machogehabe nicht.“
 
„Silver Future“ | Weserstraße 206, 12047 Berlin

WE'RE SMOKING INSIDE - and they're playing CSS - dem big staropramen were 3 euros

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Die Autorin
Marina Kormbaki, politische Reporterin im RND-Hauptstadtbüro mit Wurzeln tief in der Ägäis, hat es vom Schreibtisch aus nicht weit zu den Sehenswürdigkeiten Berlins. Brandenburger ... mehr
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