Schroffe Klippen und ausgedehnte Wälder, Dünenlandschaften und lange Strände mit feinstem Puderzuckersand, verträumte Städtchen und die berühmten Rundkirchen – es gibt viele Gründe, nach Bornholm zu reisen. Die Kunst gehört dazu. Rund 70 Kreative haben sich auf der dänischen Insel vor der südschwedischen Küste niedergelassen.

Inspiriert von der grandiosen Landschaft und dem besonderen Licht, das das Meer hier auf einzigartige Weise reflektiert, erschaffen sie fantasievolle Glasobjekte und Keramiken, kreieren Stoffmuster und Schmuckobjekte oder halten ihre Eingebungen mit Pinsel und Farbe auf Leinwand fest. Einige Künstler lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Ostsee als Ort der Inspiration

„Baltic Sea Glass“ steht in geschwungener Schrift über dem Eingang des lang gestreckten, weißen Gebäudes etwas abseits der Küstenstraße von Gudhjem nach Svaneke. Eine ehemalige Hühnerfarm, heute ein Designparadies aus Glas: In Regalen und Vitrinen, auf Ständern und Podesten stehen Becher und Schalen, Vasen und Kerzenständer, Skulpturen und Trinkgläser in verschiedensten Formen und Farben. 

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Vor dem Sprossenfenster ein riesiger Garten, Bäume, Felsen und die nur wenige Meter entfernte Ostsee – ein wunderbarer Ort, um sich inspirieren zu lassen. Das fanden auch die Glasbläser Pete Hunner, ein gebürtiger US-Amerikaner aus Kansas, und die Dänin Maibritt Friis Jönsson, die vor vielen Jahren hier ihre Werkstatt samt großem Showroom einrichteten. Das kreative Künstler-Ehepaar verarbeitet Soda, Sand und Pottasche in den heißen Öfen zu kleinen Kunstwerken. Einige der mundgeblasenen Objekte erhielten internationale Auszeichnungen.

Einkauf bei Tagesausflug nach Bornholm

Im „holy room“ – der „heiligen Kammer“, wie Hunner die kleine Abseite neben der Küche nennt, hat der Glaskünstler seine besonderen Schätze untergebracht. Die rund 70 Zentimeter langen, ovalen Schalen mit ihren außergewöhnlichen Mustern sind Meisterwerke in faszinierenden Formen und Farben: Da fügen sich Hunderte, in allen Blau- und Weißtönen schimmernde Blüten wie Schneeflocken zu einem riesigen Teppich zusammen, schweben filigrane weiße Federn scheinbar schwerelos auf grauem Glasgrund oder ergeben Tausende winzige gelbbraune Segmente eine große, sanft geschwungene „Maiskörnerfläche“.

Diese Schalen haben ihren Preis: Rund 10.000 Euro kostet so ein Unikat, von dem „nie so ganz vorhersehbar ist, wie es letztendlich aussehen wird“, sagt Pete Hunner. Die Schalen finden ihre Abnehmer eher bei reichen amerikanischen Kreuzfahrttouristen, die auf ihrer Route mit einem Luxusliner durch die Ostsee einen Tagesausflug nach Bornholm unternehmen.

Glasbläservorführungen im Hafenviertel

Auch Pernille Bülow hat sich mit ihrer Glaskunst längst über die Grenzen Bornholms hinweg einen Namen gemacht. Die 50-Jährige hat ihre Werkstatt im beschaulichen Hafenviertel von Svaneke eingerichtet. Regelmäßig herrscht hier reger Besucherandrang – vor allem bei den täglich stattfindenden Glasbläservorführungen. Die zarten Schalen und Gläser mit dem farbigen, dünnen Glasrand erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Kunden. „Dabei gehören sie zu meinen früheren Objekten“, erklärt die quirlige blonde Glaskünstlerin.

Zu den neueren zählen unter anderem die aus dicken Glaskugeln zusammengesetzten Kerzenleuchter sowie schlichte Kronleuchter, die nach individuellen Farbwünschen gefertigt werden. 

Bornholmer Natur als Kleidungsstück

Nicht in Glas, sondern auf Stoff setzt Bente Hammer ihre fantasievollen Entwürfe um. Die Textildesignerin hat ihre Werkstatt gleich neben der Rundkirche von Nyker, nur wenige Kilometer von der Inselhauptstadt Rønne entfernt. In dem kleinen Atelier werden die meterlangen Stoffbahnen aus Baumwolle, Leinen oder Seide von Hand bedruckt.

Wie die Stoffe, die ausschließlich aus natürlichen Materialien sind, kommen auch die Entwürfe der sympathischen Designerin, die vor 30 Jahren Bornholm als neue Wahlheimat entdeckte, aus der Natur – da tummeln sich abstrahiert die Blätter des Klatschmohns von den Feldern bei Gudhjem auf schwarzem Leinen und Seide. Oder das Seegras, das sich in Balka sanft am Strand wiegt, oder das Gefieder eines Vogels, der an der Küste seine Kreise zieht – jedes Jahr animiert die Natur die 63-Jährige zu einer neuen Kollektion.