Malediven – arbeiten, wo andere Urlaub machen! | reisereporter.de

Malediven – arbeiten, wo andere Urlaub machen

Im Paradies Geld verdienen? Davon träumen viele. reisereporterin Kalitou hat sechs Monate auf den Malediven gelebt und gearbeitet. Und dabei gelernt: Auch dieser Job hat Sonnen- und Schattenseiten.

reisereporterin Kalitou am Strand der Malediveninsel Fushi.
reisereporterin Kalitou am Strand der Malediveninsel Fushi, einem ihrer Lieblingsorte.

Foto: privat

Wie es einem geht, wenn man sich für mehrere Monate ins Paradies aufmacht? Zunächst einmal ist es ein Abschied wie jeder andere auch, in meinem Fall am Hauptbahnhof in Hannover. Meine Mutter war nicht dabei, ihr fielen Abschiede noch nie leicht. Nachdem ich ein paar Tränen vergossen hatte, stieg ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Zug Richtung Flughafen.

Aufgrund meiner Aufregung blieb fürs Traurigsein aber nur wenig Zeit – in Gedanken an mein Abenteuer träumte ich vor mich hin. Frankfurt, Dubai, Malediven – Goodbye, Deutschland!

Die Ankunft: Luxus im Paradies? Fehlanzeige!

Nach 24 Stunden Reisezeit, erreichte ich erschöpft die Hauptstadt der Malediven. Der erste Eindruck: Wow, kristallblaues Wasser wie im Reisekatalog! Damit hatte ich meine Endstation aber noch nicht erreicht. Nach weiteren zwei Stunden Flug in einer kleinen Maschine erreichte ich schließlich Palm Beach. 

Blick aus einem Wasserflugzeug auf die Malediven.
Der Ausblick aus dem Wasserflugzeug – einfach atemberaubend. Foto: privat

Meine neuen Kollegen und meine Chefin Hilda* – auf Hilda komme ich später noch zurück – nahmen mich herzlich in Empfang. Ich stieg mit Sack und Pack in das Golfcart und ließ bei der Fahrt quer über die Insel alles auf mich wirken. Überall Bungalows mit Privatstränden und Golfcart-Taxis – ich war beeindruckt! Die Begeisterung hielt allerdings nicht lange an, denn es wurde mir sofort klargemacht, dass der Luxus nur für Gäste ist. Wir fuhren hinter den hohen Bambuszaun im Zentrum der Insel. Ab dort hieß es: Willkommen zu Hause – wohnen mit Campcharakter! 

#Schufterei – die Ernüchterung kam schnell!

Das Zimmer, das ich mit meiner neuen Mitbewohnerin Inga teilte, war mit dem Nötigsten bestückt: Bett, Kleiderschrank und Badezimmer – spartanisch, aber es reichte. Meerblick und Hängematte? Fehlanzeige! Stattdessen reihte sich Zimmer an Zimmer, und die Gemeinschaftsveranda mussten sich alle teilen. Mich störte das jedoch nicht. 

Erst mal ankommen und durchatmen – das hätte mir so geschmeckt. Schon kurz nach der Ankunft wurden mir Zettel unter der Tür durchgeschoben: Ein Inselplan, Arbeitsabläufe und die Aufforderung „Morgen PÜNKTLICH um 6 Uhr an der Rezeption“. Keine Zeit für Jetlag! Die erste Woche war ernüchternd, einen Tag Einarbeitung im Schnelldurchlauf, straffe Arbeitspläne, ständige Abrufbereitschaft und 18-Stunden-Schichten – das war mein ganz normaler Alltag!

Meine Chefin, der Albtraum!

Nachdem die erste Woche vorüber war, realisierte ich, was es hieß, Hilda als Chefin zu haben. Ich beschreibe sie in einer Kurzfassung, denn sie versüßte mir die Zeit auf der Insel nicht unbedingt. Inga hatte mich sogar noch vor ihr gewarnt: „Sie sieht alles, hört alles und bestraft alles!“

Hilda war eine laute und stürmische Italienerin, die nie ein Blatt vor den Mund nahm. Sie hatte ein unfassbar gutes Gedächtnis, schlief nie mehr als drei Stunden und erwartete diesen Einsatz auch von ihrem Team. Ständige Kontrollen, Anrufe und andauerndes Geschrei musste ich über mich ergehen lassen. So ist arbeiten doch utopisch? Allerdings! Das Wort Schufterei hatte eine neue Bedeutung für mich bekommen.

Irgendwann suchte ich das Gespräch mit ihr. Mein Tagebucheintrag nach einem klärenden Gespräch: „Langsam wird es mit Hilda besser, ich denke, ich könnte anfangen, sie zu mögen.“ #Alleskannbesserwerden

Ich finde Gefallen!

Der Alltag war eingekehrt: Meine Aufgaben waren klar, Freundschaften wurden geknüpft und ich begann so langsam, meine Zeit zu genießen. 

Das Malediven-Team.
Wo Freunde sind, findest du Frieden. Foto: Kalitou M’Bye

Meine Aufgaben fingen an, Spaß zu machen: Schnorcheln am Morgen, Gäste abholen und verabschieden, Volleyball am Nachmittag… Das Leben auf der Insel war nie langweilig. Allmählich ließ ich mir die Laune von Dingen wie dem Bardienst nicht mehr verderben. Ich erfreute mich an kleinen Momenten. 

Schnorcheln auf den Malediven.
#InloveWithTheOcean Foto: Kalitou M’Bye

Es war eine Bereicherung, täglich neue Menschen kennenzulernen – ich hatte nur ein kleines Problem: Das Gesichtermerken zählte ganz klar nicht zu meinen Stärken, und so trat ich hin und wieder in das ein oder andere Fettnäpfchen. 

Aus Gästen wurden Freunde

Nach ein bis zwei Tagen Aufenthalt hatten die meisten Gäste ihren Alltag abgelegt, man trank abends gemeinsam Wein und unterhielt sich. So fernab vom Geschehen wurden wir zum Nachdenken angeregt und wir redeten viel über tiefer gehende Themen. 

Arbeit auf den Malediven.
Die Tränen sind geflossen beim Abschied von Astrid. Foto: Kalitou M’Bye

Einige der Urlauber machten Bootsausflüge mit mir oder wir trafen uns am hauseigenen Strand. An einem Ort wie diesem lernte ich die Menschen ziemlich schnell kennen und so wurden aus Gästen Freunde. 

Arbeit auf den Malediven.
Geschenke der Gäste waren gern gesehen, denn Kosmetik war Mangelware. Foto: Kalitou M’Bye

Sechs Monate im Paradies – mein Fazit

Die einzig wichtige Frage meiner Familie und Freunde als ich zurückkam: „Würdest du es wieder tun?“ Ich konnte diese Frage so pauschal nicht beantworten, denn ich vermisste Gerüche, Geräusche und das Barfußleben auf meiner kleinen Trauminsel. Das Gefühl,wieder zurück zu sein, war allerdings eine Erleichterung, denn meine Mutter kämpfte gegen den Krebs.

Das Meer der Malediven.
Das Meer machte mich frei von Problemen! Foto: Kalitou M’Bye

Heute kann ich sagen, dass die Zeit mich zu einem anderen Menschen gemacht hat. Ich habe mich ausprobiert und neu kreiert – und JA, ich würde es immer wieder tun! Ich habe tolle Menschen kennenglernt, weiß die kleinen Dinge im Leben mehr zu schätzen und ich bin mir sicher, was ich will – glücklich sein an einem Ort, wo die Sonne immer scheint!

Frau am Strand auf den Malediven.
Create yourself instead of finding yourself! #happiness Foto: Kalitou M’Bye

*Name wurde geändert.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite