Steigenberger Aqua Magic in Hurghada: Deutsche Urlauber packen aus

Tote im Steigenberger: Deutsche Urlauber packen aus

Tagelanger Durchfall, Magenkrämpfe, Erbrechen – nach dem mysteriösen Tod von zwei Briten im Steigenberger Aqua Magic Hotel in Hurghada melden sich jetzt deutsche Urlauber mit Krankheitsfällen zu Wort.

Blick auf den Urlaubsort Hurghada und die Insel Giftun in Ägypten.
Blick auf Hurghada und die Insel Giftun in Ägypten. Mehrere Steigenberger-Gäste berichten, in dem Urlaubsort erkrankt zu sein.

Foto: imago/CHROMORANGE

Mehr als 1.900 Gäste können gleichzeitig im Steigenberger Aqua Magic Hotel in Hurghada übernachten. Zwei von ihnen starben unter bisher ungeklärten Umständen am vergangenen Dienstag, Thomas Cook hat daraufhin alle seine Urlauber aus dem Hotel ausquartiert.

Im vorläufigen Obduktionsbericht geht der Arzt von einer „natürlichen Todesursache“ aus. Steigenberger-Pressesprecher Sven Hirschler erklärte gegenüber dem reisereporter, ein Mitarbeiter aus der Zentrale in Frankfurt befinde sich derzeit vor Ort in Ägypten, um zusätzlich zu den öffentlichen Ermittlungen den Vorfall zu untersuchen. Bisher sei dem Unternehmen kein Rückgang bei den Buchungszahlen des Hotels bekannt.

Thomas Cook: „Erhöhtes Niveau an Krankheitsfällen“

Thomas Cook teilte mit, dass den Veranstalter „Berichte von einem erhöhten Niveau an Krankheitsfällen unter den Gästen erreicht“ haben.

Auch an den reisereporter wandten sich mehrere Familien aus Deutschland​, die im August in dem Hotel Urlaub machten. Sie berichten von Durchfall, Magenkrämpfen und Erbrechen, dreckigem Geschirr und einem überforderten Hotelarzt. Der reisereporter hat mit einigen Betroffenen gesprochen.

Urlauber berichtet: „Durchfall war an der Tagesordnung“

Mark Filkorn aus Göppingen in Baden-Württemberg etwa war mit seiner Frau und der siebenjährigen Tochter vom 3. bis zum 17. August im Steigenberger Aqua Magic in Hurghada untergebracht. „Durchfall war an der Tagesordnung“, berichtet er.

Eigentlich sei der Urlaub generell nicht schlecht gewesen. Aber: Seine Tochter habe mit Antibiotika und Elektrolyten gegen Durchfall behandelt werden müssen. Auch er selbst habe ab dem dritten Tag durchgängig Medikamente gegen Durchfall genommen, berichtet Mark. 

Beim Besuch des Hotelarztes, dessen Wartezimmer ständig gut gefüllt gewesen sei, habe dieser vom Verzehr des Omeletts beim Frühstück abgeraten. „Ungefähr die Hälfte aller deutschen Familien, mit denen wir vor Ort gesprochen haben, waren ebenfalls von Durchfall betroffen“, so der Baden-Württemberger.

Um Aufschnitt wie Salami hätten sie aus Vorsicht beim Büfett bewusst einen Bogen gemacht. Generell sei das Essen „nicht so prickelnd“ gewesen, oberflächlich betrachtet habe es aber keine besonders gravierenden Hygienemängel gegeben. Teilweise seien aber Besteck und Geschirr so verdreckt mit Lippenstifträndern oder Essensresten gewesen, dass sie beim Personal neues angefragt hätten.

Und auch sonst habe es Pannen gegeben: Der Kinderpool sei teilweise von Schimmel befallen gewesen, Liegen und Sonnenschirme seien kaputt gewesen, die Klimaanlage sei an einem Tag ausgefallen. Solche Missstände habe das Personal aber schnell behoben. 

Hotelgäste in Hurghada litten unter Magen-Darm-Krankheiten 

Andere Familien, die im August in dem Hotel übernachteten, berichten ebenfalls von Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall, Krämpfen und Erbrechen. Kai Tiebel aus Rosendahl-Holtwick in NRW berichtet, er sei nach der Rückkehr am 11. August noch zwei Wochen lang krankgeschrieben gewesen.

Im Gegensatz zu den Berichten der Urlauber stehen die offiziell kommunizierten Zahlen: Der Gouverneur der Rotes-Meer-Region sagte in einer Pressekonferenz gestern Abend, in der vergangenen Woche habe es von 1.995 Hotelgästen im Steigenberger Aqua Magic Hotel nur 23 gegeben, die den Hotelarzt aufgesucht oder medizinische Hilfe benötigt hätten. Das entspreche lediglich 1,2 Prozent der Gäste.

Bei den Erkrankten seien hauptsächlich durch zu viel Hitze und Sonne ausgelöste Erschöpfung oder Magenkrämpfe als Folge der anderen Ernährung oder von verschlucktem Meerwasser festgestellt worden.

Das Steigenberger Aqua Magic ist über Tui weiterhin buchbar

Familie Filkorn hatte das Hotel über Tui gebucht. Tui-Pressesprecherin Anja Braun berichtete dem reisereporter, der Veranstalter sei sich der tragischen Todesfälle in dem Hotel bewusst. Sicherheitsexperten würden die Lage im Hotel fortwährend beobachten.

Wenn Tui-Kunden im Urlaub von Krankheit betroffen seien, könne dies an die Reiseleitung herangetragen werden. Derzeit seien mehr Reiseleiter als üblich vor Ort, um verunsicherten Kunden zu helfen. Es gebe aber gegenwärtig keine ungewöhliche Häufung von Krankheiten bei Gästen von Tui und keine erkennbaren Mängel bei den Gesundheits- oder Sicherheitsstandards des Hotels.

Nur vereinzelt würden Kunden in andere Hotels umziehen wollen. Das Steigenberger Aqua Magic ist deshalb weiterhin über Tui buchbar. Thomas Cook sagte, dass Berichte über erkrankte Gäste sehr ernst genommen und geprüft würden, man könne aber nicht auf einzelne Krankheitsbilder eingehen. 

Hotelzimmer des verstorbenen Paares wurde untersucht

In einem aktuellen Statement der ägyptischen Staatsanwaltschaft vom Samstag heißt es, das Hotelzimmer der verstorbenen Briten sei von einem dreiköpfigen Untersuchungskomitee untersucht worden. Die Experten sollen die gesamte Ausstattung des Zimmers, insbesondere die Klimaanlage, inspiziert und im abschließenden Bericht jede Art von technischem Fehler, von Lecks oder das Ausströmen giftiger Gase ausgeschlossen haben. 

Das offizielle Ergebnis der Obduktion und damit die Todesursache des britischen Ehepaares liegt noch nicht fest. Das Paar war am 14. August mit einer insgesamt elfköpfigen Reisegruppe im Steigenberger Aqua Magic Hotel in Hurghada angekommen.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite