11 ultimative Benimmregeln bei Kreuzfahrten

Zu teuer, zu alt, zu langweilig? Klischees für Kreuzfahrten waren gestern. Bei den mehr als 400 großen Kreuzfahrtschiffen kann heute jeder übers Meer schippern.

Das neue Flaggschiff von Hapag-Lloyd macht in Kiel seinen Antrittsbesuch. Die "EUROPA  2" ist beim Luxus die neue Nummer 1 in der Welt der Musikdampfer.(C)2014 Frank Behling, all rights reserved
Das neue Flaggschiff von Hapag-Lloyd macht in Kiel seinen Antrittsbesuch. Die "EUROPA 2" ist beim Luxus die neue Nummer 1 in der Welt der Musikdampfer.

Foto: Frank Behling

Vom Luxusweib über den Heavy-Metall-Fan bis zum Party-Macher. Für alle, die das erste Mal an Bord gehen, hat Schiffsexperte Frank Behling 11 ultimative Tipps.

1. Dresscode

Natürlich kannst du stillos in Schlappen und Shorts zum Dinner im Boden versinken. Klüger ist es allerdings, sich vorher nach dem Dresscode auf seinem Schiff zu erkundigen. Tatsache ist: Die alte Regel „Je mehr Sterne, desto mehr Garderobe“ ist Geschichte. Selbst Schiffe der Fünf-Sterne-Plus-Kategorie sind inzwischen mit legerer Kleiderordnung unterwegs. Besonders die großen Reedereien haben Smoking, Gala-Robe und selbst Krawatte aus der Reihe der „Must have“ gestrichen.
 
Doch Vorsicht! Flip-Flops und Badeanzug sind in den Restaurants tabu. Aber egal, was du trägst. Wichtig ist auf den allermeisten Kreuzfahrern eines: Dass etwas getragen wird! Oben ohne, unten Schnürsenkel-String oder gleich ganz blank, das gibt es zwar, aber auf wenigen Schiffen und dort nur in abgetrennten Arealen. 

2. Liegenreservierung

Besonders auf deutschsprachigen Schiffen ist der morgendliche Gang übers Deck nicht immer dem malerischen Sonnenaufgang geschuldet. Gerade die deutschen Touristen neigen dazu, sich morgens für das am Nachmittag geplante Sonnenbad schon mal eine Liege zu „reservieren“. Die ganz „Pfiffigen“ langen gleich doppelt hin und belegen in aller Herrgottsfrühe an Backbord- und Steuerbordseite des Schiffes ihre Liegen.

Und wenn sie gefragt werden, warum sie das tun, haben sie alle die gleiche Antwort: „Dann habe ich immer den besten Platz, egal welchen Kurs der Kapitän fährt“. Einigen Reedereien wurde das inzwischen zu bunt. Sie setzen eine Art Liegenpolizei ein, die die Brocken wegräumen, wenn die Plätze über einen längeren Zeitraum nicht genutzt werden. 

Entspannen an Deck auf Kreuzfahrt
Kein freies Plätzchen mehr. Alle Liegen sind vergeben. Die Plätze sind begehrt. Foto: Frank Behling

3. Besatzung

Die Frage nach der Kabine des Crewmitglieds gehört an Bord zu den überflüssigsten. Wo sonst soll die Crew auch schlafen? Jedes Schiff hat zwei Welten. Die Passagierwelt mit den Annehmlichkeiten und die Crew-Welt. Auf modernen Schiffen haben Crewmitglieder zum größten Teil Doppelkabinen, die nur weiter unten im Schiff sind.

4. Hafenbräute

„In jedem Hafen eine Braut“: Das taugt zwar als Filmtitel. Als Frage an den Kapitän solltest du dir das aber sehr genau überlegen. Angesichts der Tatsache, dass die Kapitänssprechstunden regelmäßig von Mitreisenden mit Smartphones gefilmt und anschließend bei Youtube eingestellt werden, ist die schweigsame Reaktion des Kapitäns programmiert.

5. Wo ist Deck 13?

Nein, die Konstrukteure von Kreuzfahrtschiffen haben nicht in Mathe geschlafen. Das Deck 13 suchst du auf den meisten Kreuzfahrtschiffen aber vergebens. Nach Deck 12 kommt gleich Deck 14. Genauso sieht es mit anderen Dingen aus. Teilweise ist die Zahl 13 selbst bei den Kabinen verboten.

Der Grund ist einfach: Seeleute sind abergläubisch, das fängt ganz oben beim Kapitän an. Und die 13 ist nun einmal eine Unglückszahl. Deshalb gehört die Frage nach dem Deck 13 zu den „Unfragen“ an Bord. 

6. Glätteisen

Vergiss Bügeleisen, Tauchsieder, Haarglätter oder andere stromintensive Haushaltsgeräte. Die sind bei fast allen großen Reedereien verboten. Der Grund sind Sicherheitsbestimmungen, da zum Beispiel abgestellte und dann vergessene Bügeleisen bei Seegang umstürzen und zu Bränden führen können. Wenn du Wert auf eine Bügelfalte legst, dann gib deine Hosen einfach in die bordeigene Wäscherei. 

7. Partnerschaft

Wer allein reist, sucht nicht selten Anschluss. Aber Vorsicht! Die Crewmitglieder sind tabu. Fast alle Reedereien verbieten ihren Mitarbeitern private Kontakte während der Arbeitszeit. Einzige Ausnahme sind große britische Kreuzfahrer, die für alleinreisende Damen spezielle Gentleman Hosts an Bord haben. Sie sollen als Eintänzer den Damen zur Seite stehen – aber nur auf der Tanzfläche. 

8. Rettungsmittel

Erstens gerät ein Schiff ohnehin fast nie in Seenot, und zweitens hat es dann ausreichend Schwimmwesten an Bord. Um genau zu sein: sogar doppelt so viele Westen wie Passagiere. Jedenfalls auf den Mega-Linern. Kein Grund also, eigene Utensilien mitzubringen – es sei denn als Schwimmring für den Nachwuchs. 

Vom Kreuzfahrtschiff aus kannst du das Meer beobachten oder deine Sinne auf eine Reise schicken.
Von hier aus kannst du das Meer beobachten oder deine Sinne auf eine Reise schicken. Foto: Frank Behling

9. Getränkevorräte

30 Grad, tolle Aussicht, aber dieser stechende Durst: Wohl dem, der beim Landgang seine mitgebrachte Reserve an Wasser oder Softdrink aus dem Rucksack ziehen kann. Da ist für den einen oder anderen die Versuchung groß, zu Hause seine Zwei-Liter-Thermo-Trinkflasche einzupacken. Damit – so der Gedanke – lässt sich viel Geld sparen, wenn morgens am Frühstücksbuffet der Bottich am bordeigenen Zapfhahn mit seinem Lieblingsgetänk befüllt wird. Blöd nur, dass das Bordpersonal es gar nicht gerne sieht, wenn Passagiere ihre eigenen  Behälter zum Mitnehmen füllen. Der freundlichste Hinweis zielt dann in Richtung Hygiene. Das Auffüllen von kleinen Flaschen oder Karaffen für den Verzehr an Bord ist selbstverständlich erlaubt.

10. Trinkgeld

Deutsche Kreuzfahrtpassagiere sind beim Thema Trinkgeld im internationalen Ranking eher selten auf den vorderen Plätzen zu finden. Dafür kennen aber fast alle die „Ich-hab-doch-schon-dafür-bezahlt“-Regel. Und ja, grundsätzlich ist der Service an Bord natürlich inkludiert. Zu den internationalen Gepflogenheiten gehört es aber auch, dass guter Service belohnt wird. Ob der Guide bei Ausflügen, die Kabinencrew oder der Kofferträger, sie alle freuen sich über Tip. In manchen Ländern sogar noch mehr, da das Servicepersonal über die Trinkgelder seinen Unterhalt bestreitet. 

11. Seekrankheit

Je größer das Schiff, desto geringer das Unwohlsein bei Wellengang. Dennoch gibt es Situationen, in denen selbst eine „Queen Mary 2“ im Atlantik stampft und schaukelt. Die Seekrankheit ist dabei kein Fluch und schon gar nicht ansteckend. Müdigkeit und Unwohlsein können bekämpft werden. Frische Luft und der Blick auf den Horizont sind das älteste Heilmittel.

Wichtig ist: Die Sympthome rechtzeitig erkennen und geeignete Plätze aufsuchen. Während früher für diesen stillen Moment ein Platz an der Reling in Lee reichte, sollte das im Zeitalter moderner Kreuzfahrtschiffe tunlichst vermieden werden. Die mitreisenden Passagiere auf den Balkonkabinen werden es danken. 

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Der Autor
Frank Behling, Redakteur und Fotojournalist bei Kieler Nachrichten. Jahrgang 1967. Spielte schon als Kind mit Angel, Fahrrad und Kamera im Kieler Hafen. Mit großer Vorliebe für Kre ... mehr
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