Vorwurf gegen Nepal-Veranstalter: Sie sollen Versicherungen abzocken

Touristenbetrug in Nepal: Erst vergiftet, dann gerettet

Reiseveranstalter in Nepal sollen Himalaya-Touristen krank gemacht haben, um Geld von Versicherungen zu kassieren. Die Opfer mussten per Hubschrauber in Krankenhäuser geflogen werden.

Wanderer am Mount Everest in Nepal.
Expeditionsbergsteiger am Mount Everest in Nepal. Ob auch sie vom Versicherungsbetrug der Veranstalter betroffen sind, ist unklar.

Foto: imago/Westend61

Elf Reise- und Trekkingveranstalter, Rettungs- und Helikopterunternehmen sowie vier Krankenhäuser stehen im Verdacht, internationale Versicherungsunternehmen um Tausende Dollar betrogen zu haben.

Himalaya-Touristen sollen schon bei den kleinsten Anzeichen von Unwohlsein von den Guides zu kostspieligen Rettungsflügen in Helikoptern überredet worden sein, davon berichtete die „Kathmandu Post“ bereits im Juni. Noch schlimmer: In anderen Fällen sollen Veranstalter das Essen gepanscht haben, damit den Reisenden schlecht wurde. Das ergab der 700-seitige Bericht einer Untersuchungskommission der Regierung.

Reiseanbieter sollen Himalaya-Touristen absichtlich vergiftet haben

Die Guides sollen als Mittelsmänner für Reise- und Trekkingveranstalter, Hubschrauberunternehmen und Krankenhäuser fungiert haben, die an den unnötigen Rettungsflügen oder Krankenhausbehandlung durch mehrfach ausgestellte, gefälschte oder überteuerte Rechnungen an Versicherungsunternehmen Tausende Dollar einstrichen.

Um dem illegalen Treiben entgegenzuwirken, versprach der Tourismusminister von Nepal, Krishna Prasad Devkota, die Polizei mit allen Rettungsaktionen von Urlaubern zu beauftragen. Zudem sollen Richtlinien für Rettungseinsätze erarbeitet werden, die in der kommenden Saison (September bis November) in Kraft treten sollen. 

Versicherungen wollen Verträge für Nepalreisende stornieren

Einige internationale Versicherungen drohen, keine Reiseversicherungsverträge mehr für Kunden abzuschließen, die nach Nepal reisen wollen, sollte die Regierung ihre Ankündigung nicht zum 1. September umsetzen.

In einem Schreiben an die nepalesische Regierung heißt es von einem Vertreter britischer Versicherungen, seit Beginn der Ermittlungen am 30. Mai seien bis zum 1. August 61 betrügerische Rettungsflüge mit Helikoptern verhindert worden – das entspreche einem Vorfall alle zwei Tage und bis zu 30 Prozent der Einsätze von Rettungshubschraubern, die vollkommen unnötig gewesen seien.

Versicherungen beschreiben Situation als „außer Kontrolle“ geraten

Wie die „Kathmandu Post“ schreibt, bilde dieser Schnitt nur ein Versicherungsunternehmen ab, die tatsächliche Zahl der Betrugsfälle liege also wahrscheinlich wesentlich höher. Die Situation sei „außer Kontrolle geraten“ und der Mitarbeiter bezweifle, die Regierung habe ein genaues Bild vom Ausmaß des Betrugs. 

Drei große Versicherer aus dem Vereinigten KönigreichAustralien und den USA würden deshalb die Möglichkeit diskutieren, Versicherungsverträge für Nepal-Reisende aus diesen Ländern zu streichen. 

Tourismusminister Krishna Prasad Devkota sagte gegenüber der „Kathmandu Post“, man habe die Untersuchungsberichte an verschiedene Ministerien und Abteilungen weitergeleitet und empfehle strenge Maßnahmen gegen die involvierten Unternehmen. „Wir werden jeden Stein umdrehen, bis die an diesem Betrug beteiligten Veranstalter und Personen bestraft sind.“

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