Overtourism in Berghütte: Familie macht dicht

Overtourism auf Alm: Familie macht Berghütte dicht

Overtourism ist ein weltweites Phänomen. Jetzt ist es sogar bis in die Schweizer Alpen vorgedrungen: Die Pächter des Aescher-Wilkirchli, einer Berghütte, haben gekündigt – wegen des zu großen Ansturms.

Das Gasthaus Aescher-Wildkirchli im Alpsteingebiet in der Schweiz.
Das Gasthaus Aescher-Wildkirchli im Alpsteingebiet in der Schweiz.

Foto: imago/Westend61

Wenn wir Bilder der Berghütte in der Schweiz betrachten, wundert es uns überhaupt nicht, dass sie ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen ist. Das Gasthaus in den Appenzeller Alpen ist dicht an die Felswand unterhalb der Elbenalp gebaut, es scheint fast mit ihr zu verschmelzen. Besucher haben eine tolle Aussicht auf die umliegende Landschaft. Und dabei ein kühles Getränk in entspannter Atmosphäre? Perfekt.

Nur, dass von entspannter Hüttenatmosphäre derzeit keine Rede sein kann, im Gegenteil: Es ist die Hölle los! Und den Pächtern reicht es, sie kündigten den Pachtvertrag. Was war geschehen?

Sogar bei Promis ist das Berggasthaus Aescher beliebt

In den vergangenen Jahren entdeckten sogar Promis die Hütte für sich. Im September 2016 besuchte zum Beispiel der schweizerische Tennisstar Roger Federer das Berggasthaus und teilte Fotos von seinem Besuch mit seinen Millionen von Twitter-Followern.

Schweizerische Medien wie das „Sankt Galler Tagblatt“ berichten, dass sogar der amerikanische Hollywoodstar Ashton Kutcher das Gasthaus kennt. 2014 teilte er auf seiner Facebook-Seite einen Beitrag mit „20 geheimen Orten“, die er seinen Fans empfahl, darunter das Aescher-Wildkirchli. 

Im Jahr 2015 veröffentliche „National Geographic“ ein Buch mit dem Titel „Destinations of a Lifetime“ (auf Deutsch etwa: „Reiseziele, die du einmal im Leben gesehen haben musst“), auf dem Titel: das Aescher-Wildkirchli.

Das Aescher-Wildkirchli ist sogar auf einem Buch-Cover von „National Geographic“ zu sehen.
Das Aescher-Wildkirchli ist sogar auf einem Buch-Cover von „National Geographic“ zu sehen. Foto: National Geographic

Danach war’s vorbei mit der Ruhe. Kein Wunder, dass die Berghütte „während der Zeit, in der die Familie Knechtle das Gasthaus betrieb, einen großen Aufschwung erlebt hat und von vielen Gästen aus dem In- und Ausland besucht wurde“, wie die Standeskommission Appenzell Innerrhoden mitteilt.

Die Pächter des Aescher kündigen jetzt wegen des großen Ansturms

Zu viele Gäste für die Pächter Nicole und Bernhard Knechtle-Fritsche. Sie kündigten jetzt nach vier Jahren den Pachtvertrag zum Ende des Jahres – zuvor hatten die Eltern von Bernhard Knechtle den Gasthof 27 Jahre lang betrieben. Die Infrastruktur des Gebäudes könne mit der wachsenden Gästezahl nicht mehr Schritt halten, so die Pächter.

Bei der Wasser- und Stromversorgung komme es immer wieder zu Engpässen, und die dürften sich in Zukunft weiter verschärfen, teilte das Pächterpaar mit. „Seit mehreren Jahren ist es nur unter erschwerten Bedingungen möglich, den Betrieb aufrechtzuerhalten“, so die Pächter.

Anpassungen sind zwar in Planung. Denkmalschutzauflagen schränken die Anpassungsmöglichkeiten aber ein. Die Pächter glauben, dass die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen werden. Die Standeskommission teilte am Montag mit, dass das Berggasthaus Äscher demnächst zur Pacht neu ausgeschrieben werde.

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