Umwelt-Bilanz des Nabu: So schädlich sind Kreuzfahrtschiffe wirklich

Umwelt-Ranking: So schädlich sind Kreuzfahrtschiffe

Kreuzfahrten sind bei deutschen Urlaubern beliebter denn je. Doch es lässt sich nicht leugnen: Etliche Schiffe verpesten die Umwelt. Der Nabu untersucht in seiner aktuellen Umweltbilanz 76 von ihnen.

Kreuzfahrtschiff „MS Astor“ bei den Cruise Days im Hamburger Hafen, Hamburg, Deutschland.
Auch wenn die Verschmutzung nicht bei allen Schiffen so sichtbar wird: Zu viele Kreuzfahrtschiffe belasten mit fossilen Brennstoffen die Umwelt. (Symbolfoto)

Foto: imago/imagebroker

Vielleicht die größte Überraschung des diesjährigen Umwelt-Rankings für Kreuzfahrten: Die Reederei Aida belegt mit je einem Schiff sowohl den ersten als auch den letzten Platz.

Für die „Aidacara“ gibt’s vom Nabu, der jedes Jahr die in Europa fahrenden Kreuzfahrtschiffe hinsichtlich ihrer Umweltbilanz bewertet, vier rote Schrauben. Was bedeutet das? Schiffe mit vier roten Schrauben fahren mit Schweröl und bringen die Abgaswerte höchstens mithilfe eines Abgaswäschers auf den zulässigen Bereich.

Die „Aidacara“, die bereits 22 Jahre auf dem Buckel hat, teilt sich den daraus resultierenden letzten Platz aber gleich mit 61 weiteren Schiffen, darunter acht weiteren aus der Aida-Flotte.

Neue „Aidanova“ erhält die beste Bewertung für ihre Umweltbilanz

Nur 15 Schiffe schaffen es, zumindest mit einer halben grünen Schiffsschraube bewertet zu werden. Am besten schneidet das neueste Aida-Schiff ab. Die Jungfernfahrt steht noch bevor, doch die „Aidanova“ wird das erste Kreuzfahrtschiff sein, das ganz auf Schweröl verzichtet und stattdessen mit schadstoffarmem Flüssiggas betrieben wird. Dafür gibt es vier grüne Schiffsschrauben. Die anderen 75 untersuchten Schiffe fahren weiterhin mit giftigem Schweröl.

Kreuzfahrt: Die umweltfreundlichsten Schiffe im Überblick

Reederei Schiffe Nabu-Wertung
Aida „Aidanova“ 4
Hapag-Lloyd „Europa 2“ 2,5
Aida „Aidaprima/Aidaperla“ 2
Tui Cruises „Mein Schiff 1/3/4/5/6“ 1,5
Aida „Aidasol“ 1
Ponant „Le Champlain“/„Le Paperouse“  1
Hapag-Lloyd „Bremen“/„Hanseatic“/„Europa“ 0,5

Auf dem zweiten Platz landet die „Europa 2“ von Hapag-Lloyd mit zweieinhalb grünen Schiffschrauben. Das Schiff verzichtet zumindest bei Kreuzfahrten in der Antarktis auf Schweröl, zudem nutzt es Landstrom und einen SCR-Katalysator, der die Stickoxide in den Abgasen reduziert.

Drei weitere Aida-Schiffe punkten mit Maßnahmen für eine bessere Umweltbilanz

Auch die „Aidaperla“ und „Aidaprima“ nutzen alternative Energieversorgung im Hafen sowie SCR-Katalysatoren und Rußpartikelfilter, allerdings nur im Testbetrieb, deshalb gibt’s nur zwei grüne Schrauben. 

Die „Aidasol“ verwendet im Hafen Landstrom und erhält dafür immerhin noch eine grüne Schiffschraube, genau wie „Le Champlain“ und „Le Laperouse“ der Reederi Ponant, die SCR-Katalysatoren verwenden.

Hapag-Lloyd erhält eine halbe grüne Schraube für die Schiffe „Bremen“, „Hanseatic“ und „Europa“, die bei Arktis-Kreuzfahrten auf Schweröl verzichten.

Fast alle „Mein Schiff“-Kreuzer von Tui Cruises landen in Top 10

Und Tui? Sämtliche Schiffe der „Mein Schiff“-Flotte (außer der „Mein Schiff 2“) landen gemeinsam auf dem fünften Platz und werden mit eineinhalb Schiffschrauben bewertet, da sie einen SCR-Katalysator nutzen und Abgaswäscher auch außerhalb der Umweltschutzzonen. 

Immerhin: Die diesjährige Umweltbilanz fällt insgesamt besser aus als noch im Kreuzfahrtranking 2017. Im vergangenen Jahr wurden maximal eineinhalb grüne Schiffsschrauben vergeben.

Nabu fordert Hafen-Einfahrverbot für dreckige Schiffe

Damit die negativen Auswirkungen der Kreuzfahrt-Industrie aber noch stärker reduziert werden, fordert der Nabu noch drastischere Maßnahmen der Kreuzfahrtveranstalter. Es sei ein Skandal, dass auch im Jahr 2018 noch immer Schiffe auf den Markt kommen würden, die auf Schweröl als Treibstoff ausgelegt seien, so Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 

Er fordert Hafenstädte und Regionen, die besonders schützenswert seien, auf, Einfahrverbote für schmutzige Kreuzfahrtschiffe zu verhängen. In den norwegischen Fjorden sei dies bereits der Fall.

Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik des Nabu-Bundesverbands, ergänzte, dass das bei der „Aidanova“ verwendete Flüssiggas LNG zwar bereits eine echte Verbesserung der Luftqualität bringe. 

Aber: LNG sei weiterhin ein fossiler Kraftstoff. Alle Reedereien seien deshalb weiterhin aufgefordert, „mit Nachdruck Antriebssysteme und Krafstoffe zu entwickeln und flächendeckend einzusetzen, die nicht nur den Luftschadstoff-, sondern auch den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren“, so Oeliger. 

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite