Uritrottoir: Paris stellt Open-Air-Klos auf – Anwohner sind genervt

Paris stellt Open-Air-Klos auf – Anwohner sind genervt

Pinkeln mit Blick auf die Seine: In Paris gibt’s jetzt Open-Air-Klos namens „Uritrottoir“, um das Problem der Wildpinkler in den Griff zubekommen. Den (männlichen) Touris gefällt’s, die Pariser sind genervt.

Pinkeln, während die Touri-Boote vorbeifahren. Das ist an den „Uritrottoirs“ in Paris jetzt möglich. Besonders über dieses Open-Air-Klo auf der Île Saint-Louis sind die Anwohner aber sauer.
Pinkeln, während die Touri-Boote vorbeifahren. Das ist an den „Uritrottoirs“ in Paris jetzt möglich. Besonders über dieses Open-Air-Klo auf der Île Saint-Louis sind die Anwohner aber sauer.

Foto: imago/UPI Photo

Paris hat ein Problem mit Wildpinklern. Denn wenn die Blase beim Sightseeing mal drückt, nutzen viele Männer Wiesen, Bäume, Straßen oder gar Hauswände, um sich zu erleichtert. Die Folge: Unangenehmer Geruch wabert durch so manche Straße in Frankreichs Hauptstadt.

Paris hat vier Open-Air-Klos namens „Uritrottoir“ aufgestellt

Um das Problem in den Griff zu bekommen hat die Stadt jetzt an vier öffentlichen Plätzen Open-Air-Klos, sogenannte „Uritrottoirs“ aufgestellt. Am Boulevard de Clichy, am Place Henri Frenay, am Square Tino Rossi und auf der Île Saint-Louis dürfen Männer jetzt ganz legal pinkeln – in die rot-silbernen Boxen. Demnächst soll ein fünftes Pissoir aufgestellt werden, an der Rue Bossuet im 10. Arrondissement.

Die Klos, deren Name sich aus den Worten „Urinal“ und „Trottoir“ (Französisch für Gehweg) zusammensetzt, werden vom Hersteller als „ökologische Lösung für städtische Bereiche“ angespriesen. Und zwar speziell für Orte, die von „wilden Pinklern“ betroffen seien.

Das Open-Air-Klo besteht aus zwei Teilen: Obendrauf steht ein Blumenkasten, unten wird der Urin in einem Behälter mit kompostierbarem Material gespeichert.

Späne oder Stroh sollen dafür sorgen, dass die Pissoirs nicht stinken. Chemie, wie zum Beispiel bei den bekannten Dixi-Klos, werde nicht verwendet. 

Die Pariser Politiker stehen hinter der Idee. „Wenn wir nichts tun, werden die Männer einfach weiter in die Straßen pinkeln“, sagt zum Beispiel der Bürgermeister des 4. Arrondissements, Ariel Weil, der „BBC“. Viele Pariser hingegen sind ziemlich genervt. Warum?

Einwohner von Paris sind genervt vom „Uritrottoir“

Erstens: Weil die Pinkelstationen keinen Sichtschutz haben. So würden vorbeigehende Passanten die Penisse der pinkelnden Männer sehen. „Wir diskutieren also immer noch über Frauen, die in der Öffentlichkeit stillen, aber Männer dürfen ihren Penis in der Öffentlichkeit einfach so in Ruhe herausholen?“, fragt etwa „Badie“.

Besonders verwerflich finden die Pariser das beim „Uritrottoir“ auf der Île Saint-Louis, weil es in der Nähe einer Schule steht. 

Zweitens: Die Klos sind nur für Männer und nicht für Frauen nutzbar. „Männer können sich überall gratis erleichtern, Frauen müssen bezahlen und finden nur selten öffentliche kostenpflichtige Toiletten! Paris stinkt nach Pisse, es fehlt an Toiletten, an Staatsbürgerkunde, einem guten Plan!“, twittert etwa Erik

Der Karikaturist „micmac-planet“ nimmt den Sexismusvorwurf humoristisch unter dem Titel „Uritrottoir für die Männer und für die Frauen“ auf:

Drittens: Ein „Uritrottoir“ steht in der Nähe der Kathedrale Notre-Dame an der Seine, einige Pariser fürchten hier um das kulturelle Erbe der Stadt. 

Viertens: Einige Twitter-Nutzer kritisieren zudem, dass die Klos nicht einmal richtig funktionieren würden (oder die Männer danebenpinkeln). Das zeige unter anderem ein Foto, das aktuell auf Twitter die Runde macht und auf dem ein Mann an einem der „Uritrottoirs“ steht und Flüssigkeit unten aus dem Pissoir herausläuft. 

Die Stadt sieht es pragmatisch: Irgendwie müsse sie das Problem mit den Wildpinklern ja in den Griff bekommen. Übrigens: Diese Open-Air-Klos gibt es bereits in Nantes und bald vielleicht in weiteren Städten. Auch Lausanne, London, Saarbrücken und Cannes haben angefragt.

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