Surfen gegen Depressionen: Eine Neon-Welle geht um den Globus

Surf-Therapie: Eine Neonwelle gegen Depressionen

Eine australische Organisation kämpft gegen die Vorurteile gegenüber Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen an. Auf eine ungewöhnliche Weise: mit Salzwasser, Surfbrettern und Neonfarben.

„OneWave“ kämpft mit Salzwasser, Surfbrettern und Neonfarben gegen die Vorurteile gegenüber Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.
„OneWave“ kämpft mit Salzwasser, Surfbrettern und Neonfarben gegen die Vorurteile gegenüber Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.

Foto: Facebook/OneWave

Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind noch immer mit Vorurteilen behaftet und stigmatisiert. Das stellt für Betroffene eine zusätzliche Belastung dar, es führt zu Scham und dazu, dass die Krankheit versteckt wird.

Eine australische Organisation kämpft seit fünf Jahren auf eine ungewöhnliche Weise für mehr Aufmerksamkeit und gegen die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen: mit Salzwasser, Surfbrettern und Neonfarben – sie macht Surftherapie.

Eine Neonwelle geht um den Globus: Surfen gegen Depressionen

Die Idee für die Organisation wurde aus der persönlichen Geschichte des Gründers Grant Trebilco geboren. Über viele Jahre lebte er mit einer nicht diagnostizierten bipolaren Störung, bis 2012 schließlich der totale Zusammenbruch kam. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus gab das Surfen dem Australier neuen Lebensmut, und diesen wollte er mit anderen teilen.

Ich dachte, wenn ich das simple Rezept von Salzwasser, Surfen und offener Kommunikation über mentale Gesundheit weitergebe, kann ich vorbeugen, dass sich Menschen jemals so fühlen müssen, wie ich es tat.

Grant Trebilco

So kamen die ersten Events zustande, denn Grant zog sich einfach auffällige Klamotten an und ging damit zum Strand – automatisch ergab sich so ein Dialog über seine Absicht dahinter.

Mit einem Freund gründete er die Non-Profit-Organisation „OneWave“ und das Surfen in Neonkleidung wurde zu einer festen Institution.

„OneWave“ zeige den Menschen, dass sie nicht allein sind, und ermutige sie, in den Ozean zu springen, einfach alles „rauszusurfen“ und darüber zu reden, was sie belastet, so Grant.

Jeden Freitag treffen sich die Teilnehmer an Stränden rund um den Globus, tragen die knalligsten Klamotten, reden und gehen gemeinsam surfen, denn „OneWave is all it takes“ (deutsch: „OneWave ist alles, was es braucht“). Das Motto ist Programm, nicht nur im wörtlichen, sondern auch im übertragenen Sinne.

Egal ob Surfanfänger oder Profi, Betroffener oder Unterstützer, weltweit schließen sich immer mehr Menschen an, und so geht jede Woche eine Neonwelle um den Globus.

Surfen gegen Depressionen an mehr als 50 Stränden

Mehr als fünfzig Strände nehmen inzwischen an den Fluro-Fridays teil und setzen so ein wichtiges Zeichen im Kampf für mehr Aufmerksamkeit für und weniger Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen. Aber warum ausgerechnet Neonkleidung?

„Neonfarben bringen die Menschen zum Lächeln und dazu, wichtige Fragen über psychische Gesundheit zu stellen, die sonst vermieden werden. Jeder ist bei unseren Events willkommen, und sie sind kostenfrei“, erklären die Gründer auf ihrer Homepage.

Surfen hat einen positiven Effekt auf die Psyche

Auch Psychologen sind von dem positiven Effekt vom Surfen überzeugt: „Ein Wirkfaktor ist definitiv das Flow-Erleben im Wasser – etwas zu tun und dabei voll und ganz in der Gegenwart und seinem Element zu sein, das wirkt sich positiv auf die Psyche aus“, sagt Diplom-Psychologin Dr. Alena Rentsch. Darin überschneidet sich der Sport sogar mit dem Achtsamkeitstraining, das inzwischen in vielen Psychotherapien angewendet wird.

In seinem Buch „Mindfulness & Surfing“ beschreibt auch der Autor und internationale Longboard-Profi Sam Bleakley diesen Aspekt und sagt: „Ich habe schon leidende Männer und Frauen gesehen, die durch das Surfen wiedergeboren und geheilt wurden.“

„OneWave“ trägt mit der gemeinnützigen Arbeit und den Events dazu bei, dass vielen Menschen ein Stück ihrer Last genommen wird, indem sie Zugang zum Meer, zum Surfen und der heilenden Wirkung des Ozeans bekommen, und nimmt gleichzeitig mit dem außergewöhnlichen Neonkonzept die Schwere aus Diskussionen über psychische Erkrankungen. 

Und wenn du demnächst irgendwo auf der Welt einen Haufen Surfer in Neonfarben in die Wellen springen siehst, wunder dich nicht, sondern schnapp dir deinen grellsten Bikini und mach einfach mit!

Falls du interessiert an Surfen und mentaler Gesundheit bist, könnte auch dieser Zusammenschluss einiger Organisationen etwas für dich sein.

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