Ryanair-Streiks: „Flightright“ verklagt die Billig-Airline

Streiks bei Ryanair: Flightright verklagt die Airline

Die Streiks der Piloten bei Ryanair haben ein Nachspiel: Das Fluggastrechteportal „Flightright“ verklagt die irische Billig-Airline. Der Grund dafür ist, dass diese die Fluggäste nicht entschädigen will.

Tausende Fluggäste mussten wegen der Streiks bei Ryanair warten und umplanen. (Symbolfoto)
Tausende Fluggäste mussten wegen der Streiks bei Ryanair warten und umplanen. (Symbolfoto)

Foto: imago/Agencia EFE

Bei Ryanair herrscht Chaos: Mitten in der Hauptreisezeit kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Streiks, Piloten und Flugbegleiter in Irland, Schweden, Belgien, den Niederlanden und Deutschland legten mehrfach die Arbeit nieder

Das Fluggastrechteportal „Flightright“ hat gestern eine Klage gegen die irische Billig-Airline beim Landgericht Frankfurt am Main eingereicht – Hintergrund ist der Streik der deutschen Piloten am vergangenen Freitag. Davon waren rund 42.000 Urlauber betroffen. 250 Flüge von und nach Deutschland waren ausgefallen, etliche weitere verspätet.

Ryanair will nach Streik keine Entschädigung zahlen, „Flightright“ klagt dagegen

„Wir kämpfen dafür, dass Fluggäste zu ihrem Recht kommen und sich nicht von Ryanairs einseitigen Rechtsansichten entmutigen lassen“, sagt Oskar de Felice, Rechtsexperte bei „Flightright“. „Dieser Schritt soll eindeutige Rechtsklarheit schaffen und die Rechte der zahlreichen betroffenen Ryanair-Kunden stärken.“

Ryanair hatte im Zuge der Streiks mehrfach verkündet, dass der Billigflieger Fluggästen keine Entschädigung zahlen werde – nach der Fluggastrechteverordnung wären das je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro.

Airline-Chef Michael O’Leary begründete die Weigerung wie folgt: „Da diese Flugstreichungen durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden, ist keine Entschädigung fällig. Gemäß der EU261-Verordnung ist keine Entschädigung zu entrichten, wenn die Gewerkschaft ungerechtfertigt und völlig außerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaft handelt – hätten wir hier die Kontrolle, gäbe es keine Flugstreichungen.“ 

Das Portal „Flightradar“ bezeichnet O'Leary als „Ausgleichsjäger“ ohne nützliche Serviceleistung. Ryanair überprüfe jede Anspruchsforderung individuell.

„Flightright“ ist hingegen der Meinung, dass Ryanair sich auf eine nicht mehr haltbare Rechtssprechung berufe: Der Europäische Gerichtshof hatte im April 2018 entschieden, dass Airlines auch bei Streiks zahlen müssen, vorausgesetzt, der Streik sei hausgemacht. Aus Sicht von „Flightright“ bestehen „keine Zweifel, dass Ryanair hier verpflichtet ist, seinen Kunden Entschädigungen für den Flugausfall zu zahlen“.

„Flightright“: Streiks bei Ryanair sind hausgemacht

Oskar de Felice sagt: „Für uns ist ganz klar: Ryanair hat durch jahrelanges Lohndumping und Salamitaktik bei Gesprächen mit den Gewerkschaften einen solchen Streik heraufbeschworen. Der Streik ist hausgemacht und war die logische Konsequenz von Ryanairs fragwürdiger Personalpolitik.“

Reiserechtsanwalt Paul Degott sagte im Gespräch mit dem reisereporter, er halte es nicht für ausgeschlossen, dass „ein Gericht entscheiden wird, dass Passagiere Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben“.

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