Brücken-Einsturz in Genua: Wie sicher sind die Brücken in Deutschland?

Unglück in Genua: Wie sicher sind deutsche Brücken?

Ein schreckliches Unglück: Bei vollem Verkehr brach plötzlich eine Autobahnbrücke in Italien zusammen, direkt über Genua. Könnte in Deutschland so etwas auch passieren? Wie sicher sind die Brücken hier?

Die Rheinbrücke der A1 bei Leverkusen soll durch zwei Brückenbauwerke mit je fünf Fahrstreifen ersetzt werden.
Die Rheinbrücke der A1 bei Leverkusen soll durch zwei Brückenbauwerke mit je fünf Fahrstreifen ersetzt werden. Zurzeit dürfen hier keine Lkw fahren.

Foto: imago/Manngold

In der italienischen Stadt Genua ist mitten am Tag die Autobahnbrücke Morandi eingestürzt und hat zahlreiche Menschen in den Tod gerissen.

Auch wenn der Gedanke nicht schön ist, stellt sich bei solchen Nachrichten die Frage: Wie ist es um die Brücken hier in Deutschland bestellt? Ein Überblick:

Deutschland: Vereinzelte Autobahnbrücken für Lkw gesperrt

Die Deutsche Bauindustrie findet kritische Worte über den Zustand der deutschen Brücken: Zwischen den Jahren 2000 bis 2013 habe sich die Zahl der Brücken in einem sehr guten oder guten Zustand mehr als halbiert.

Die Rheinbrücke an der A1 bei Leverkusen, die Rader Hochbrücke der A7 und die Schiersteiner Brücke, Autobahnbrücke der A643 über den Rhein, wurden aufgrund ihrer maroden Substanz sogar bereits für den Lkw-Verkehr gesperrt.

Jede achte Fernstraßenbrücke ist in einem nicht ausreichenden oder mangelhaften Zustand

Auch sonst sind viele deutsche Fernstraßenbrücken in einem desolaten Zustand: Im März dieses Jahres legte die Bundesanstalt für Straßenwesen neue Zahlen vor, denen zufolge der Zustand von fast 12,5 Prozent der rund 39.560 Fernstraßenbrücken nicht ausreichend oder gar ungenügend ist.

Bei Autobahnbrücken in Deutschland liegt dieser Anteil sogar bei 14,2 Prozent, bei deutschen Bundesstraßen ist der Anteil mit 8,6 Prozent am geringsten.

Bei ungenügendem Zustand seien die Standsicherheit und/oder die Verkehrssicherheit „erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“. Das sei zwar noch kein Grund zur Panik, zeige aber auf, wie dringend der Handlungsbedarf sei. 

Hunderte Millionen Euro müssen in den Bau neuer Brücken investiert werden

Und auch kommunale Brücken sind in einem schlechten Zustand: Bis 2030 müssten der Deutschen Bauindustrie zufolge 15 Prozent der mehr als 66.000 kommunalen Straßenbrücken ersetzt werden – ein Investitionsaufwand von geschätzten 630 Millionen Euro jährlich. 

Zustand vieler Bahnbrücken in Deutschland ebenfalls kritisch

Aber nicht nur die Autofahrer, auch die Bahn sollte sich um bröckelnde Brücken sorgen: 1.100 Bahnbrücken in Deutschland (etwa 4,3 Prozent) sind der „Tagesschau“ zufolge so marode, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. 

Eine Karte, die auf von der Partei Bündnis 90/Die Grünen zusammengetragenen Daten aus dem vergangenen Jahr basiert, gibt einen Überblick über die maroden Bahnbrücken. 

Diese Karte zeigt die maroden Eisenbahnbrücken in Deutschland.
Diese Karte zeigt die maroden Eisenbahnbrücken in Deutschland. Foto: fusiontables.google.com (Screenshot)

Was sind die Gründe für den Verfall der Brücken in Deutschland?

Grund für die immer schlechter werdenden Zuständen der Bahn- und Straßenbrücken ist wohl auch das Verkehrsaufkommen, das in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist.

Das wird besonders in Ferienzeiten deutlich, wenn sich die Staus über mehrere Kilometer die Autobahnen entlangwinden. Aber auch der gestiegene Schwerverkehr geht Brückenbauten an ihre Substanz. Und: Viele Brückenbauten haben bereits mehrere Jahrzehnte seit ihrer Errichtung auf dem Buckel.

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