Heißer Reifen: Die Schlauchflicker von Indonesien | reisereporter.de

Heißer Reifen: Die Schlauchflicker von Indonesien

Der Roller gehört zu einem Indonesien-Urlaub wie Mayo zu Pommes. Ein platter Reifen aber ebenso. Gut, dass der nächste Reifenflicker nie weit weg ist. reisereporter Justus hat einem von ihnen zugeschaut.

Hari (50) flickt seit 20 Jahren platte Reifen in Pacitan.
Hari (50) flickt seit 20 Jahren platte Reifen in Pacitan.

Foto: Justus Wildhagen

Es war mein dritter Platter innerhalb einer Woche in Pacitan, einem kleinen Strandort in Ostjava. Mein Motorroller, den mir mein Hostel verliehen hatte, war alt, die Bremsen funktionierten kaum, der Tacho bewegte sich nicht mehr und die Reifen hatten keinerlei Profil. Kein Wunder also, dass die spitzen Steine auf den Schotterpisten regelmäßig für das gefürchtete Geräusch sorgten: Pffffft… die Luft wich aus dem Hinterreifen, und schon fing der Roller an zu schlingern.

Der nächste „Mechaniker“ ist in Indonesien nie weit weg

Ein Glück, dass der nächste Reifenshop immer ganz in der Nähe ist. Selbst in dem kleinsten Bergdorf wirst du jemanden finden, der dir deinen Reifen flickt. Als ich also meinen dritten Platten hatte, schlingerte ich, mit dem Bauch auf dem Lenker liegend, um das Gewicht vom Hinterreifen zu nehmen, geradewegs auf Hari zu, der mich wortkarg begrüßte und sofort mit seiner Arbeit begann.

Mit meinem platten Reifen schaffte ich es gerade noch so zu Haris Werkstatt.
Mit meinem platten Reifen schaffte ich es gerade noch so zu Haris Werkstatt. Foto: Justus Wildhagen

Hari (50) aus Pacitan flickt seit 20 Jahren Reifen aller Art. Egal ob Auto, Roller oder Fahrrad, Hari macht den Job. In seiner Holzhütte an der viel befahrenen Straße könne er stets mit Laufkundschaft rechnen, sagt er. Pro Tag repariert er um die zehn Reifen.

Dabei sitzt er barfuß auf seiner hölzernen Werkzeugkiste, guckt dich immer wieder verschlafen an (zumindest hat er mich so angeschaut, da war es 8 Uhr morgens) und setzt eine Schraubzwinge am Hinterrad an. Im Handumdrehen hat er den Schlauch aus dem Rad gezogen, pustet ihn wieder auf und hält ihn in eine Wassertonne um das Loch ausfindig zu machen.

Seine Müdigkeit kann Hari um acht Uhr morgens kaum verbergen.
Seine Müdigkeit kann Hari um acht Uhr morgens kaum verbergen. Foto: Justus Wildhagen

Reifen flicken in Indonesien: Ein Spiel mit dem Feuer

Nachdem Hari mir mit seiner tiefen Stimme erklärte, dass das Loch nur ganz klein sei und er es problemlos flicken könne, wurde es auch schon heiß. Die schwarze Paste wird nämlich auf das Loch aufgetragen und fest in eine Schraubzwinge gespannt. Dann kippt Hari etwas Brennpaste in die kleine Schale unter dem Schlauch und zündet sie an: Reifen flicken auf Indonesisch! Das Loch wird einfach wieder zugeschmolzen, der kleine Flicken regelrecht eingebrannt.

Ab in die Presse. Im Inneren der Schraubzwinge brennt das Feuer.
Ab in die Presse. Im Inneren der Schraubzwinge brennt das Feuer. Foto: Justus Wildhagen

Nach 20 Minuten war Hari fertig, baute den Schlauch wieder in den Reifen ein und pustete ihn mit seinem Kompressor auf. Der Preis für die schweißtreibende Handarbeit bei 30 Grad: 15.000 indonesische Rupien, knapp ein Euro. Kann doch nicht sein, dachte ich, aber Hari versicherte mir mehrmals, dass er davon gut leben könne und nicht mehr Geld brauche.

Und schon ist der Reifen wieder heile. Hari wünscht gute Fahrt.
Und schon ist der Reifen wieder heile. Hari wünscht gute Fahrt. Foto: Justus Wildhagen

Für das Abschlussfoto wollte er sich dann plötzlich noch chic machen, kramte in seinen Klamotten, die in der Werkstatt verteilt lagen, fand aber anscheinend nichts Passendes. Kurzerhand lieh er sich dann meine Schirmmütze, nahm auf meinem Roller platz und streckte beide Daumen für die Kamera in die Luft. Bis zum nächsten Platten!

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