Overtourism: So kämpfen Städte und Attraktionen gegen Touri-Massen

Overtourism: So kämpfen Städte gegen Touri-Massen

Strengere Auflagen für Airbnb und Zutritt nur für Einheimische – bei Reisenden überaus beliebte Metropolen haben ihre ganz eigenen Methoden, ihren Charme vor der Flut von Urlaubern zu schützen.

Überfüllter Badestrand in Barcelona, Spanien.
Sardinensyndrom: Immer mehr Metropolen versuchen, gegen die Überfüllung ihrer beliebten Stadtteile anzugehen – wie hier Barcelona. (Symbolfoto)

Foto: imago/ZUMA Press/Paco Freire

Eine Statistik aus dem vergangenen Jahr zeigt auf, welche europäischen Städte am stärksten von Overtourism betroffen sind: Barcelona, Amsterdam und Venedig führen die Liste der am stärksten überlaufenen Städte an.

Aber auch andere Metropolen in Europa reagieren auf steigende Besucherzahlen.

Wie genau, erfährst du in unserem Überblick:

Barcelona

Auf rund 1,6 Millionen Einwohner kommen in Barcelona jährlich fast 8,9 Millionen Touristen (Zahlen von 2017). Kein Wunder, dass die katalanische Hauptstadt besonders in der Hauptsaison fast aus allen Nähten platzt. 

Weil vor allem Kreuzfahrt-Urlauber eine Belastung darstellen – sehr viele Leute in sehr kurzer Zeit –, beschloss die Stadt, drei zentrale Kreuzfahrtterminals zu schließen und stattdessen nach außerhalb zu verlagern. 

Wer sein Zuhause bei Airbnb vermieten will, muss in Barcelona die höchstmögliche Grundsteuer zahlen. Zudem brauchen Vermieter eine Genehmigung der Stadt. Gegen Verstöße gehe die Stadtverwaltung rigoros vor, berichtet „Citylab“. Allein im Mai diesen Jahres habe sie rund 2.500 Inserate bei Airbnb löschen lassen.

Im spanischen Galizien greift man bereits seit einigen Jahren auf drastische Regeln zurück: Wer im Sommer die beliebte Playa de Las Catedrales besuchen will, muss vorher ein Ticket buchen. Vom 1. Juli bis 31. September ist der Zutritt nur mit Eintrittskarte möglich.

Amsterdam

Amsterdam ist bekannt für lockeren Lifestyle – und ebensolche Gesetze. Damit könnte es allerdings bald vorbei sein. Der Rotlichtbezirk soll in Zukunft zwischendurch geräumt werden, damit Säuberungstrupps ihn von Müll und Erbrochenem reinigen können. Wie der britische „Express“ berichtet, könnten Urlauber außerdem für „asoziales Verhalten“ mit Geldbußen bestraft werden. 

In der Hauptstadt der Niederlande dürfen bis auf Weiteres keine neuen Touri-Shops wie Souvenir-, Themen- oder Fast-Food-Läden eröffnet werden.

Und auch Airbnb-Gastgeber müssen mit strengeren Regelungen umgehen: Ab 2019 dürfen sie nur noch höchstens 30 Tage im Jahr an Urlauber vermieten, das aktuelle Limit liegt bei 60 Tagen. Im Mai überlegte die Koalition sogar, Airbnb in den bei Touristen besonders beliebten Vierteln zu verbieten, berichtet die Universität Münster.

Venedig

Immer wieder macht auch Venedig mit neuen Maßnahmen gegen den Overtourism Schlagzeilen. Mittlerweile darfst du beispielsweise nicht mehr mit privaten Booten über die Kanäle schippern, und auch dem Fischmarkt bei der Rialto-Brücke droht das aus – trotz 1.000 Jahren Tradition. In den nächsten drei Jahren dürfen keine neuen Imbissbuden eröffnen, und Kreuzfahrtschiffe sollen bald nicht mehr direkt in Venedig anlegen.

London

Einer aktuellen Statistik zufolge ist London die Stadt mit den meisten gelisteten Unterkünften bei Airbnb – weltweit. „Moneycab“ zufolge hast du in der britischen Metropole eine Auswahl von fast 60.000 Schlafmöglichkeiten.

Doch auch hier geht der Stadtrat gegen inflationäres Vermieten vor: Seit Dezember 2016 dürfen Gastgeber ihre Unterkunft nur maximal 90 Tage im Jahr vermieten. Laut „BBC“ sei die Buchung einer Unterkunft über die Website automatisch nicht mehr möglich. Anonyme Vermieter berichten aber, wie sie das Problem umgehen: Sie würden ihre Häuser oder Wohnungen einfach neu inserieren und bei der Adresse die Hausnummer abändern.

Um das Overtourism-Problem zu bekämpfen, setzt die Stadt außerdem auf eine App: Darin nimmt Mr. Bean Urlauber mit auf Streifzüge durch London – auch abseits der bekannten Touristen-Spots. Dadurch sollen die Urlauber besser in der Hauptstadt von England verteilt werden.

Paris

Paris landet auf Platz zwei der Airbnb-Hauptstädte – und ist darauf nicht besonders stolz: Seit Beginn dieses Jahres dürfen alle Unterkünfte, die in den zentralen 1. bis 4. Arrondissements liegen, nur noch maximal 120 Tage im Jahr vermietet werden. Auch hier wird bei Erreichen der Grenze automatisch der Kalender blockiert, erklärt Airbnb.

Außerdem brauchen Vermieter, die ihre Zweitwohnung anbieten, eine gültige Genehmigung der Stadt. Es gibt aber Schlupflöcher, beispielsweise, wenn Vermieter aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen mindestens vier Monate des Jahres nicht in ihrer Hauptwohnung, die sie auch vermieten, gelebt haben. 

Mittlerweile müssen sogar beliebte Einrichtungen auf ungewöhnliche Maßnahmen zur Begrenzung der Besucherzahlen zurückgreifen. So ist das Freibad Piscine du Palais des sports auf der Insel Puteaux in der Seine bei Temperaturen über 25 Grad, wenn der Ansturm besonders groß ist, nur noch für Inhaber des Puteaux-Passes oder Anwohner geöffnet. 

Am Eiffelturm führte ein neues Ticketsystem für Unmut bei den Angestellten, weshalb sie eineinhalb Tage lang streikten und das Wahrzeichen geschlossen blieb.

Was ist Overtourism?

In einem Artikel in „The Print“ definieren Wissenschaftler Overtourism frei übersetzt als einen rapiden Besucherzuwachs in einem Reiseziel, durch den bestimmte Gebiete von Touristen überrannt werden und dadurch die Lebensqualität der Einwohner stark beeinträchtigt wird.

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