Mit dem Bus durch Java: Geduldsprobe in Indonesien

Mit Öffis durch Java: Geduldsprobe in Indonesien

Von einem Ort zum nächsten zu kommen ist in Indonesien nicht leicht – erst recht nicht mit öffentlichen Bussen. Die Reise von West- nach Ostjava ist eine wahre Odyssee auf engstem Raum und holprigen Straßen.

Ein typischer Bus auf Java: alt, eng, langsam. In solchen Gefährten verbrachte reisereporter Justus fünf Tage.
Ein typischer Bus auf Java: alt, eng, langsam. In solchen Gefährten verbrachte reisereporter Justus fünf Tage.

Foto: Justus Wildhagen

Als Surfer gehört ein Trip nach Indonesien auf jeden Fall auf die Bucket-List. Die knapp 17.000 Inseln haben ein schier unerschöpfliches Wellenpotenzial, das ich einen Monat lang selbst erleben durfte. Für meinen Surftrip wählte ich die große Insel Java aus, deren Südküste noch nicht so touristisch erschlossen ist wie zum Beispiel die Insel Bali. Der Grund für meine Entscheidung, in Java surfen zu gehen: weniger Surfer im Wasser, also mehr Wellen für mich.

Um aber auch möglichst viele dieser Wellen zu surfen, musste ich mich durch das Land bewegen, und das geht mit den öffentlichen Bussen angeblich am einfachsten… angeblich. Am Ende hat mich die Strecke von knapp 870 Kilometern ganze fünf Tage gekostet!

Meine Route von West- nach Ostjava.
870 Kilometer Strecke von West- nach Ostjava. Google ist mit 27 Stunden Fahrtzeit ziemlich optimistisch, am Ende hat die Reise nämlich fünf Tage gedauert. Foto: Google Maps (Screenshot)

Der Beginn der Odyssee durch Java

Von Cimaja, einem kleinen Strandort in Westjava, brach ich zu meiner Reise auf. Das erste Ziel hieß Batukaras, eine entspannte Welle rund 360 Kilometer entfernt. In Deutschland wäre das wohl maximal eine vierstündige Fahrt… auf Java kostete mich allein diese Strecke ganze zwei Tage!

Als Erstes musste ich mit einem Minibus (Angkot) zu einem der größeren Busterminals fahren. Dort angekommen, wurde ich sofort von Einheimischen umringt, die mich innerhalb von Sekunden in einen größeren Bus schoben, der nach Osten fuhr. Den richtigen Bus zu finden war also schon mal kein Problem.

Die Fahrt selbst kann aber dann schon zum Problem werden, denn diese Busse sind teilweise so dermaßen eng, heiß und völlig überfüllt, dass ich mir oft wie eine Sardine in einer Büchse vorkam, die in der prallen Sonne steht.

Manche Busse sehen so aus, als würden sie gleich auseinanderfallen.
Manche Busse sehen so aus, als würden sie gleich auseinanderfallen. Foto: Justus Wildhagen

Letztendlich musste ich meine erste Tagesetappe nach neuneinhalb Stunden Fahrt in der Großstadt Bandung abbrechen. Ich hatte den kompletten Tag im Bus verbracht und gerade mal 170 Kilometer zurückgelegt. Die 190 Kilometer nach Batukaras schaffte ich am nächsten Tag dann innerhalb von 13 Stunden – harte erste Etappe!

Die Odyssee nimmt kein Ende

Nach ein paar Tagen mit richtig guten Wellen ging es dann weiter in das rund 400 Kilometer entfernte Pacitan. Auch diese Strecke kostete mich zwei volle Tage. Dort angekommen, hatte ich dann endgültig die Schnauze voll von dieser Art des Reisens und buchte einen Flug von Yogyakarta nach Lombok. Die Fahrt in die Stadt dauerte aber erneut einen halben Tag lang. Insgesamt verbrachte ich somit fünf Tage in den öffentlichen Bussen von Java.

Immer entspannt, mit Zigarette in der Hand: Busfahrer Ujang aus Sukabumi.
Immer entspannt, mit Zigarette in der Hand: Busfahrer Ujang aus Sukabumi. Foto: Justus Wildhagen

„Hello Mister, Selfie please?“

Langweilig waren diese endlosen Fahrten aber keinesfalls! Neben tosendem Straßenlärm und ekelhaften Abgaswolken sorgten nämlich auch meine einheimischen Mitreisenden dafür, dass ich nicht mal kurz einnickte. Selbst wenn der Bus mal leer war, hatte ich stets jemanden neben mir sitzen, der ein Gespräch mit mir führen wollte. Der Inhalt dieser Gespräche war immer der gleiche: „Woher kommst du? Wohin willst du? Kann ich ein Selfie mit dir machen?“

Selfies gehören zu einer Busfahrt auf Java offenbar dazu.
Selfies gehören zu einer Busfahrt auf Java offenbar dazu. Foto: Justus Wildhagen

Als einziger „Bule“ (das indonesische Wort für einen „Weißen“) im Bus war ich anscheinend eine echte Attraktion für die Locals, die diesen Moment mit ihren Handys festhalten wollten. Ich empfand diese Begegnungen aber keinesfalls als nervig und habe während meiner gesamten Reise nur freundliche und unfassbar hilfsbereite Menschen kennengelernt.

Das Fazit einer beschwerlichen Reise

Im Endeffekt war es vielleicht nicht besonders klug, diese extrem zeitaufwendige Route durch das Land zu wählen, da ich ja nur einen Monat Urlaub hatte. Trotzdem bereue ich die Entscheidung nicht, denn so habe ich extrem viel von der Insel gesehen und einen tiefen Einblick in die herzliche Mentalität der Indonesier erhalten.

In den öffentlichen Bussen habe ich gemeinsam mit meinen Sitznachbarn gegessen, gelacht und geraucht (ja, das ist in vielen Bussen erlaubt). Wenn du also genug Zeit hast und einen unverfälschten Eindruck des Landes ohne andere Touristen um dich herum kriegen möchtest: Nimm ruhig mal den Bus! Nur vielleicht nicht für 870 Kilometer Strecke.

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