Schlaflos in Südkoreas Megametropole Seoul I reisereporter.de

Schlaflos in Südkoreas Megametropole Seoul

Diese Stadt ruht nie: Südkoreas Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole Seoul ist der perfekte Ort für alle, die gern shoppen und feiern – aber auch für all jene, die zur inneren Ruhe finden wollen.

Platz für zehn Millionen Menschen: Südkoreas Hauptstadt Seoul ist der größte Ballungsraum des asiatischen Landes.
Platz für zehn Millionen Menschen: Südkoreas Hauptstadt Seoul ist der größte Ballungsraum des asiatischen Landes.

Foto: Pixabay.com/Usagi Post

Koreanisch lernen in 30 Minuten? Aus Sicht von Reiseleiter Charlie ist das gar kein Problem. Er nimmt ein Blatt Papier, malt einen senkrechten Strich und damit bereits den ersten Vokal des koreanischen Alphabets, ein „i“. Es folgt in der Mitte ein kleiner waagerechter Strich nach rechts – Vokal Nummer zwei, ein „a“. Kreis, Winkel, Quadrat – die Konsonanten dauern kaum länger. Und wir uns versehen, ist das Abc komplett.

„Genial“, lobt Charlie dieses Prinzip, auch wenn er seinen eigenen koreanischen Namen – Byeong-Cheol Gang – der Einfachheit halber für Besucher auf ebendiese amerikanische Version reduziert. So genial, wie im südkoreanischen Alltag so vieles wirkt.

Myeongdong am Abend: Die Uhr zeigt bereits 22 Uhr an, doch in den Geschäftsstraßen dieses Viertels inmitten von Seoul herrscht dichtes Treiben; so dicht wie andernorts höchstens in der Vorweihnachtszeit. Die Läden sind hier immer bis 23 Uhr geöffnet, und es wird eingekauft, was das Zeug hält. Vor einem kleinen Restaurant sitzt eine Gruppe Männer für ein Feierabendbier, das hier traditionell mit Hochprozentigem vermischt wird.

Essen ohne Ende: Auf dem Gwangjang Market in Seoul können sich Besucher von Stand zu Stand futtern.
Essen ohne Ende: Auf dem Gwangjang Market in Seoul können sich Besucher von Stand zu Stand futtern. Foto: Korea Tourism Organisation

Seoul, die Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole, in deren Umkreis weitere 15 Millionen Menschen leben, ist eine jener Städte, die niemals zur Ruhe zu kommen scheinen.

Das wird hier in Myeongdong deutlicher denn je. Tagsüber zieht es die Bewohner eher auf Märkte wie den Gwangjang Market, wo außer Gemüse, Schweinsköpfen und Fisch auch traditionelle koreanische Gewänder angeboten werden und man frisch gekochte Speisen gleich vor Ort essen kann. Abends geht es in Myeongdong und anderen Stadtteilen weiter.

Was für ein Blickfang: Der Lotte World Tower überragt das moderne Seoul.
Was für ein Blickfang: Der Lotte World Tower überragt das moderne Seoul. Foto: Korea Tourism Organization

Vom Aussichtsdeck des Lotte World Tower, dem mit 555 Metern fünfthöchsten Gebäude der Welt, wird das ganze Ausmaß Seouls am deutlichsten: Bis an den Horizont ziehen sich die Hochhäuser von Südkoreas wichtigstem Zentrum.

Dicht gedrängt stehen sie nebeneinander, viele mit Hubschrauberlandeplätzen auf dem Dach. Helikopter scheinen das perfekte Verkehrsmittel zu sein, um dem allgegenwärtigen, dichten Verkehr auf den Straßen zu entgehen.

In der Kneipe per Knopfdruck den Kellner rufen

Zeit spielt in dieser niemals ruhenden Stadt eine entscheidende Rolle – was schon am Kneipentisch deutlich wird: Hier gehört eine Klingel zur Grundausstattung – nach einem Knopfdruck erscheint der Kellner, kurz darauf das Bestellte und gern auch bald die Rechnung. Selbst ein ausgiebiges Candle-Light-Dinner mit mehreren Gängen kann so nach einer guten Stunde freundlich und zufrieden beendet sein. Es gibt schließlich immer noch etwas anderes zu tun.

Sun-Woo hatte von dieser Hektik irgendwann genug. Die auffallend lächelnde Dame war früher einmal Wissenschaftlerin und stand unter großem Erfolgsdruck. So sehr, dass sie irgendwann die Notbremse zog. Sun-Woo kehrte dem nicht rasten wollenden Leben vor 17 Jahren den Rücken und wurde Nonne im Jingwansa-Tempel im Westen von Seoul. Der Buddhismus habe ihr geholfen, die innere Ruhe zu finden, sagt sie.

Aussteigerin: Sun-Woo lebt seit Jahren in einem Kloster. Die ehemalige Wissenschaftlerin ist Nonne im Jingwansa-Tempel in Seoul.
Aussteigerin: Sun-Woo lebt seit Jahren in einem Kloster. Die ehemalige Wissenschaftlerin ist Nonne im Jingwansa-Tempel in Seoul. Foto: Michael Pohl

Heute zeigt sie mit kahl geschorenem Kopf, in weitem Gewand und mit modernen Nike-Turnschuhen ihren Besuchern koreanische und religiöse Traditionen – unter anderem bei einer Teezeremonie.

Im Schneidersitz nehmen wir Platz, Sun-Woo macht vor, worauf es auch hier ankommt: innere Ruhe. „Wir sind alle Könige“, sagt sie. Entsprechend aufrecht und stolz gilt es, selbst so etwas scheinbar Profanes wie einen Teebecher zu greifen. Stolz und innere Würde, das sind zwei wichtige Elemente im Leben der Nonnen und Mönche.

Jingwansa-Tempel ist einer der wichtigsten der Stadt

Jingwansa im Bukhansan-Nationalpark, postkartentauglich umgeben von Bäumen zu Füßen eines Berges, gilt als einer der vier wichtigsten Tempel der Stadt. Was auch an der Bedeutung des Buddhismus für Südkorea liegt: „Er ist eine sehr wichtige Religion für uns“, sagt Reiseleiter Charlie – selbst wenn nur rund ein Viertel der Südkoreaner Buddhisten sind.

Hochhäuser mögen eine entscheidende Rolle im Stadtbild von Seoul spielen. Immer wieder aber stößt man auf die Geschichte des Landes.

Wachwechsel: Vor dem Gyeongbokgung-Palast in Seoul leben alte Traditionen wieder auf.
Wachwechsel: Vor dem Gyeongbokgung-Palast in Seoul leben alte Traditionen wieder auf. Foto: Korea Tourism Organization

In Bukchon etwa, einem alten Viertel im Zentrum, genießen Bewohner ihre Wohnungen in alten, liebevoll restaurierten koreanischen Wohnhäusern. Nicht weit davon gehört ein Besuch des riesigen Geländes des Gyeongbokgung-Palastes zum Standardprogramm einer jeden Reisegruppe.

Bis heute wird hier nach traditioneller Art am Nachmittag der Wachwechsel vollzogen. Dass die vermeintlichen Wächter heute überwiegend Studenten sind, die für ein paar südkoreanische Won gern in alten Kostümen über den Platz marschieren, stört eigentlich niemanden.

Von so viel Tradition ist in Incheon im Westen Seouls nicht mehr viel zu spüren. Der Hafenort ist als Heimat des internationalen Flughafens von Seoul bekannt geworden. Zigfach wurde der großzügig angelegte Bau zum besten der Welt gekürt.

In diesem Jahr hat Incheon mit einem neuen Terminal einmal mehr Maßstäbe gesetzt: Der futuristische Bau ist lichtdurchflutet, mit modernster Technik ausgestattet und bietet etliche Inseln mit natürlichen Pflanzen und Wasserläufen.

Im neuen hochmodernen Terminal 2 des Internationalen Flughafens von Seoul in Incheon sollen Passagiere in maximal 45 Minuten umsteigen können.
Im neuen hochmodernen Terminal 2 des Internationalen Flughafens von Seoul in Incheon sollen Passagiere in maximal 45 Minuten umsteigen können. Foto: Incheon International Airport

Unüberschaubar auf den ersten Blick – dennoch verfolgt die Betreibergesellschaft mit dem neuen Terminal 2 große Ziele: In maximal 45 Minuten sollen hier Passagiere umsteigen können, sagt Ahhyun Kim, PR-Managerin von Korean Air, Südkoreas nationaler Airline, die Hauptnutzerin des neuen Terminals ist. Wer große Airline-Hubs kennt, weiß: Das ist überaus ambitioniert.

Das Zentrum von Incheon gleicht anderen Finanzmetropolen

Mit Incheon übt Südkorea den direkten Wettbewerb zu anderen asiatischen Metropolen. Während der Flughafen sein Passagieraufkommen seit der Eröffnung im Jahr 2001 von 14,5 Millionen auf heute mehr als 62 Millionen gesteigert hat, wird der nahe gelegene Hafen immer weiter zum globalen Containerumschlagplatz ausgebaut.

Das Zentrum von Incheon gleicht inzwischen dem einer internationalen Finanzmetropole. Land wurde in das angrenzende Meer aufgeschüttet, um die ehrgeizigen Wachstumspläne umsetzen zu können.

Incheon wächst und wächst: Die Heimat von Südkoreas größtem Flughafen ist auch eines der Wirtschaftszentren des Landes.
Incheon wächst und wächst: Die Heimat von Südkoreas größtem Flughafen ist auch eines der Wirtschaftszentren des Landes. Foto: Michael Pohl

Heute bestimmen moderne Hochhäuser die Straßen. In ihnen soll nach Vorstellungen der Regierung der Welthandel ein Zuhause finden. Mit 2,9 Millionen Einwohnern ist Incheon inzwischen zur drittgrößten Stadt Südkoreas gewachsen. Sie ist einer der Orte, an dem der Tigerstaat Südkorea in die Vollen geht.

Früher haben wir immer nur bewundernd nach Europa geschaut. Heute sagen wir: Wir können auch etwas.

"Charlie" Byeong-Cheol Gang, Reiseleiter

„Früher haben wir immer nur bewundernd nach Europa geschaut“, erinnert sich Reiseleiter Charlie. Inzwischen hätten die Südkoreaner ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen. Seit den 60er-Jahren hat sich der Staat zu einer der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt entwickelt.

Heute exportiert Südkorea außer Smartphones und Autos auch Kulturgut sehr erfolgreich: Die Boyband BTS wurde im vergangenen Jahr vom US-Magazin „Time“ zu einer der 25 einflussreichsten Personen im Internet gekürt. In diesem Herbst ist die Band auch in Berlin auf Tournee, und schon jetzt ist klar: Der Auftritt scheint etwas Besonderes zu werden.

Ihre beiden Konzerte waren gleich nach Vorverkaufsbeginn innerhalb von nur neun Minuten ausverkauft. Charlie sieht Entwicklungen wie diese mit einer gewissen Erleichterung: „Heute sagen wir: Wir können auch etwas.“

Tipps für deine Reise nach Seoul

Anreise: Flüge gibt es täglich unter anderem mit Korean Air von Frankfurt am Main direkt nach Seoul-Incheon. Sie sind ab 690 Euro buchbar. Der Flug dauert rund zehneinhalb Stunden. Einige andere Airlines bieten dieses Ziel als Umsteigeverbindung an.

Stopover: Für Passagiere mit Zwischenstopp gibt es am Flughafen Incheon diverse kostenlose Stopover-Städtetouren durch Seoul und Incheon. Korean Air bietet Tageszimmer und Übernachtungen für Transit-Passagiere an.

Beste Reisezeit: Frühjahr bis Herbst, wenn Blumen blühen und das Wetter gut ist. Im Winter kann es draußen ähnlich ungemütlich werden wie in Deutschland.

Unterkunft:

  • Modern, im Zentrum von Seoul: L7 Hotel Myeongdong, 137 Toegye-ro, Chungmuro 2(i)-ga, Jung-gu, Seoul
  • Business-Style, im Zentrum von Incheon: Orakai Songdo Park Hotel, 151 Technopark-ro, Songdo-dong, Yeonsu-gu, Incheon
  • Einfach, aber modern, im Zentrum von Seoul: Holiday Inn Express Seoul Euljiro, 61 Supyo-ro, Jung-gu, Seoul

Gesundheit: Das Leitungswasser von Seoul kann theoretisch getrunken werden, Hotels bieten aber meist kostenlose Wasserflaschen an, da nicht jeder europäische Magen an das Leitungswasser gewöhnt ist. Außer den Standardimpfungen wird ein Schutz vor Hepatitis A empfohlen.

Touren: Eine Tour in die Demilitarisierte Zone (DMZ) kann bei unterschiedlichen Anbietern gebucht werden, unter anderem bei Seoul City Tour. Wer direkt an die Grenze will, muss eine sogenannte JSA-Tour buchen, die nicht täglich stattfindet und für die man sich weit im Voraus anmelden muss. Für den Eintritt in die DMZ ist ein Reisepass notwendig.

Weitere Informationen: Koreanische Zentrale für Tourismus, Baseler Straße 35–37, 5. OG, 60329 Frankfurt am Main
 

Die Reise wurde unterstützt von der Koreanischen Zentrale für Tourismus und Korean Air. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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