Die weißen Gipfel der kanadischen Rocky Mountains rund um den 7.000-Einwohner-Ort Revelstoke glänzen in der tief stehenden Sonne, unten schlängelt sich der Columbia River durch das Tal. Unberührte Natur, beeindruckendes Panorama.

Ein sonores Brummen unterbricht die Stille von British Columbia. Es wird lauter, durchdringt den Körper. Unter peitschenden Rotorblättern taucht kurze Zeit später unterhalb der Geländekante ein silberfarbener Hubschrauber auf, wirbelt den feinen Pulverschnee wild durcheinander, setzt auf dem kleinen Plateau auf. Wie die Ameisen krabbeln Menschen auf allen Vieren zur Maschine, mit geübten Griffen packt André Normandeau die Skier in die Transportbox an der Außenseite des Helikopters.

Heliskiing-Touren in den Rocky Mountains

Seit 25 Jahren macht er diese Heliskiing-Touren schon: „Es gibt keinen schöneren Beruf.“ Mit einem kräftigen Ruck schließt Normandeau die Tür der Bell, steigt zu – und der Hubschrauber schwebt weiteren unberührten Gipfeln entgegen. Skifahren – von seiner schönsten Seite.

„Du wirst eins mit dem Hang“, sagt Cory Ogle. Wie oft er schon einen unberührten Tiefschneehang genießen durfte, weiß er gar nicht mehr. „Irgendwie ist es immer wie das erste Mal“, sagt der Guide des Reiseveranstalters Stumböck. Und spätestens abends, wenn die vielen Eindrücke nach einem Entspannungsbad im Whirlpool sortiert und die geforderten Muskeln langsam entspannen, weiß jeder seiner Gäste bei einem Glas Whiskey on the rocks an der Hotelbar seine beste Skigeschichte zu erzählen.

Günstige Alternative: Catskiing

Vom Slalom zwischen den Tannenwipfeln, die aus dem Schnee ragen. Vom Herzklopfen während des Heli-Fluges zur nächsten Piste. Von der Reinheit des Pulverschnees, dessen Beschaffenheit an Puderzucker erinnert. Von Begegnungen mit unbekannten Tieren und freundlichen Kanadiern. Von perfekt präparierten Pisten, die in Europa nirgendwo zu finden sind. So ein Tag in der Wildnis beschert Eindrücke, die sich der deutsche Durchschnittsskifahrer nicht vorstellen kann.

Übrigens: Für ein etwas kleineres Budget bietet sich auch „Catskiing“ an. Statt mit dem Helikopter geht es dann mit der Snowcat, der Schneeraupe, die unberührten Hänge hinauf.

Kanada bietet die ganze Freiheit des Wintersports

Auch in Sunshine Village, Panorama, Kicking Horse: Kein Anstehen an den Liften, Personal, das immer einen frechen Spruch auf den Lippen hat, während es in den Sessel hilft. Dazu die bezaubernde Natur, die atemberaubende Aussicht. Auch in Lake Louise, bekannt durch den Ski-Weltcup. Eine Mischung aus schönen Pisten und wilden Tiefschneehängen, auf denen es zum Teil erlaubt ist, dem Drang nach dem besonderen Skikick nachzugehen. „In Kanada ist alles ein bisschen anders“, sagt Ogle, der Guide. Und stößt sich kräftig über eine Kante den Hang hinunter. Über 40 Prozent Gefälle, ein Meer aus weißem Nichts. Hier, in den Rocky Mountains Kanadas, ist die Freiheit des Wintersports erfahrbar.

Auf einer Skisafari lassen sich die Annehmlichkeiten am besten genießen. Ausgehend von Calgary in der Provinz Alberta, Stadt der Winterspiele von 1988, geht es nach Banff. Das beschauliche Städtchen direkt am Trans-Canada-Highway ist idealer Ausgangspunkt, um die umliegenden Skiorte zu erkunden. „Banff liegt schon auf fast 1400 Metern. Da musst du nicht mehr so hoch klettern, um auf die umliegenden Gipfel zu kommen“, scherzt Ogle.

Revelstoke: Hauptstadt des Heliskiings

Die Krönung der Tage in Nordamerika aber bleibt das Tiefschnee-Erlebnis in Revelstoke, der Hauptstadt des Heliskifahrens. „Ich kenne keinen Gast, der bisher enttäuscht war, weil er sich mehr erwartet hatte“, so Ogle. „Wir kriegen sie alle.“

Allein die Flüge über die Berge der Provinz British Columbia wären Grund genug, hier seinen Urlaub zu verbringen. Wenn dann aber der Heli auch noch hinter den Gipfeln verschwindet und nur noch die scheinbar unendlichen Weiten der unberührten Hänge vor einem liegen, wenn für einen Moment kein Laut mehr in diesem Idyll erklingt, dann wird klar: Wäre Gott ein Skifahrer, dann hätte er vermutlich diesen Ort für sein Hobby erschaffen.