Rundtour durch Dänemark: Inselhopping mal anders

Rundtour durch Dänemark: Inselhopping mal anders

Spätestens, seitdem das Wort „Hygge“ offiziell im Duden aufgenommen wurde, wissen wir: Unsere Nachbarn in Dänemark sind besser drauf. reisereporterin Christina machte kurz entschlossen eine Stippvisite.

Typisch dänisch: Boote, Meer und wilde Küsten - und dann dieses unbeschreibliche nordische Licht, das seit Jahrhunderten Künstler magisch anzieht.
Typisch dänisch: Boote, Meer und wilde Küsten - und dann dieses unbeschreibliche nordische Licht, das seit Jahrhunderten Künstler magisch anzieht.

Foto: Christina Mänz

Wer früher in meiner Klasse auf die Frage, wohin es denn in den Sommerferien gehe, „nach Dänemark“ antwortete, wurde tendenziell bemitleidet. Die Antwort hatte nur einen geringfügig höheren Stellenwert als „Freibad“ (ich bin in Schleswig-Holstein aufgewachsen – Dänemark war also Naherholungsgebiet). Es waren aber auch immer jene, die bei Haustier „Meerschweinchen“ oder „Sittich“ angaben, weil sie weder Hund noch Katze haben durften.

Aber zurück zu Dänemark. Besser: zurück nach Dänemark.

Unberührt, fast menschenleer – und  die Ostsee hatte 20 Grad. Es muss ja nicht immer feiner Sandstrand sein.
Unberührt, fast menschenleer – und die Ostsee hatte 20 Grad. Es muss ja nicht immer feiner Sandstrand sein. Foto: Christina Mänz

Wie es der Zufall so wollte, entschied ich mich kurzfristig bei der Hitze einfach mal im klimatisierten Auto ein paar Tage gen Norden zu fahren. Mit Ausweis, ein paar Kronen, Badezeug und einer Kiste Wein über die Grenze.

Die Rundtour (von Hamburg aus über die A7 hin, über die A1 zurück) hatte ich mir vorher zurechtgelegt, die Unterkünfte vorgebucht. Kriterien: Möglichst viele Inseln, immer nah am Wasser und nicht länger als zwei Stunden Fahrt am Tag. Keine Großstädte, nur Orte mit ansprechenden Namen, in denen ich noch nie war. Alles machbar.

Der Weg zum Glück: Die schmale Teerstraße führt vom Dorf Dalby (Fünen) durch Kornfelder direkt ans Meer.
Der Weg zum Glück: Die schmale Teerstraße führt vom Dorf Dalby (Fünen) durch Kornfelder direkt ans Meer. Foto: Christina Mänz

Schon kurz hinter der Grenze bei Flensburg klatschte ich vor Freude in die Hände, weil ich den A7-Baustellenirrsinn zügig überstanden hatte und schlagartig in einer anderen, sehr freundlichen und freudvollen Welt war.

1. Stopp: Christiansfeld (Südjütland)

Eine Brüdergemeine aus dem 18. Jahrhundert, die aufgrund des charakteristischen Stadtbilds 2015 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Eigenwillig, übersichtlich, höchst interessant. Etwas für Aufgeräumte.

Die klare, stringente Architektur in Christiansfeld ist grundverschieden von anderen Städten in Dänemark. Die Stadtplanung basierte 1773 auf dem Glauben der Brüdergemeine.
Die klare, stringente Architektur in Christiansfeld ist grundverschieden von anderen Städten in Dänemark. Die Stadtplanung basierte 1773 auf dem Glauben der Brüdergemeine. Foto: Christina Mänz

Zwei Highlights auf dem Weg zum nächsten Stopp:

  • Trapholt: Museum für Modern Art und Design bei Kolding. Design-Fans rasten hier aus. Vor allem, weil im Park des Museums das Kubeflex-Haus von Arne Jacobsen steht.
Das Kubeflex-Haus von Arne Jacobsen.
Das Kubeflex-Haus von Arne Jacobsen. Foto: Christina Mänz
  • Das beschauliche Hafenstädtchen Middelfart auf der Insel Fünen. Vor Jahrhunderten wurde von hier aus Jagd auf Schweinswale im Kleinen Belt gemacht. Die Zeiten sind zum Glück lange vorbei – dafür gibt’s leckeren Fisch zum Lunch direkt im Hafen.
Frischer Fisch: das perfekte Mittagessen bei einer Pause in Middelfart.
Frischer Fisch: das perfekte Mittagessen bei einer Pause in Middelfart. Foto: Christina Mänz

2. Stopp: Die Halbinsel Hindsholm im Nordosten von Fünen

Auf der einen Seite der Odense-Fjord, auf der anderen der Kerteminde-Fjord. Und mittendrin: Dörfer wie aus dem Bilderbuch, Herrenhäuser und Kornfelder.

Das Herrenhaus von Gut Hverringe aus dem 18. Jahrhundert. Das Anwesen bei Kerteminde (Fünen) ist im Privatbesitz der Familie Juel Reventlow.
Das Herrenhaus von Gut Hverringe aus dem 18. Jahrhundert. Das Anwesen bei Kerteminde (Fünen) ist im Privatbesitz der Familie Juel Reventlow. Foto: Christina Mänz

Hügelig und hyggelig. Wer wissen will, wie dieses überstrapazierte Trendwort authentisch mit Leben gefüllt wird, findet die Antwort nicht in Ratgeberbüchern oder Krimskramsläden, sondern genau hier.

Sehr hyggelig: Das B&B Bjørnegården auf der Insel Fünen.
Sehr hyggelig: Das B&B Bjørnegården auf der Insel Fünen. Foto: Christina Mänz

3. Stopp: Die Halbinsel Reersø an der Westküste von Seeland

Warum? Weil man hier fast nur Dänen trifft. Urwüchsig und herrlich unspektakulär. Top: die vielen Hausflohmärkte. Hier gibt es wirklich noch Antikes für wenig Geld.

In Reersø schalten auch die Dänen ab. Es ist das Wochenendziel von Kopenhagenern.
In Reersø schalten auch die Dänen ab. Es ist das Wochenendziel von Kopenhagenern. Foto: Christina Mänz

4. Stopp: Præstø im Südosten von Seeland

Charmante Kleinstadt mit alten Kaufmannshäusern und idyllischem Hafen. Bei Seglern und Anglern beliebt.

Abendstimmung im Hafen von Præstø: Es war wirklich so ruhig, wie es das Foto vermuten lässt.
Abendstimmung im Hafen von Præstø: Es war wirklich so ruhig, wie es das Foto vermuten lässt. Foto: Christina Mänz

5. Stopp: Die Insel Møn

Die Insel Møn ist ein Mikrokosmos des guten Lebens; schon allein wegen der begnadeten Landschaft (Hauptattraktion sind die berühmten Kreidefelsen). Kein Wunder, dass Dänemark im World Happiness Report immer ganz oben steht.

Møns Klint. Wer vor 9:30 Uhr die fast 500 Stufen nach unten läuft, hat den grandiosen Blick auf die Kreidefelsen nahezu für sich allein.
Møns Klint. Wer vor 9:30 Uhr die fast 500 Stufen nach unten läuft, hat den grandiosen Blick auf die Kreidefelsen nahezu für sich allein. Foto: Christina Mänz

Danach ging es über die Inseln Falster und Lolland zum Fährhafen Rødby, mit dem Schiff nach Puttgarden und über die A1 zurück nach Hamburg.

Fazit: So ein Dänemark-Kurztrip ist unverschämt entspannend. Mein fröhliches Pfeifen endete erst an der A1-Baustelle bei Sereetz. Ergo: Nicht lange fackeln, einfach losfahren.

Ich würde den Trip selbst bei nasskaltem Nieselregen sofort noch einmal machen.

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