Die „reisereporter 2018“ in Cluj-Napoca: Die Stadt der vier Welten

Cluj-Napoca: Zeitreise in die Stadt der vier Welten

Cluj-Na-wie? Cluj-Na-wo? Cluj-Na-was? – Cluj-Napoca! Unsere „reisereporter 2018“ Jane und Julia hatten noch nie von der zweitgrößten Stadt Rumäniens gehört – und erlebten gleich vier Überraschungen.

Julia & Jane
Cluj-Napoca hat bei unseren reisreportern Eindruck hinterlassen.
Bye-bye, Cluj-Napoca! Die Stadt hat bei unseren reisereporterinnen Jane und Julia Eindruck hinterlassen.

Foto: Maria Menzel

Zu behaupten, wir wüssten etwas über die 60er-Jahre, wäre gelogen. Wir, Jane und Julia, sind Kinder der 90er. Von Scooter wissen wir nur, weil die 80er-Jahrgänge bis heute zu „How Much Is the Fish“ auf der Tanzfläche ausrasten; von der Flower-Power der 70er haben wir irgendwie ein Bild, weil große Blumenmuster und ein Hauch freier Liebe als „Free Hugs“ mit der Retrowelle in unsere Zeit gespült wurden.

Von den 60er-Jahren aber hat uns bisher jedwede Idee gefehlt – bis zu dem Tag, an dem wir Cluj-Napoca erreichen.

In Cluj-Napoca erlebst du eine Zeitreise

Wir müssen gestehen, dass uns der Anblick der mit 300.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Rumäniens auf den ersten Blick etwas ratlos zurücklässt. Plattenbauten, die sich in Braun und Grau an einen tristen Sommerhimmel schmiegen, großzügig bröckelt der Putz von den Fassaden, selbst die Kleider der Frauen erinnern uns an die Bilder, die uns unsere Mütter einst von ihren Tanten zeigten. 

Cluj-Napoca, ein „Top Place 2018?“ Schnell ist klar: Diese Reise, die nach Peru und der Kreuzfahrt nach Sankt Petersburg unsere dritte als „reisereporter 2018“ – die Aktion findet gemeinsam vom reisereporter und von TUI statt – ist, wird eine andere werden als die bisherigen.

Nicht zuletzt, weil etwas ganz Wichtiges fehlt: Heinz, unser pink Riesengummiflamingo, der sonst immer mit auf Reisen ist und auch an tristen Tagen Farbe und Freude versprüht, war diesmal nicht mit von der Partie.

Nach unserer Reise nach Sankt Petersburg war er so kreuzfahrtbegeistert, dass er direkt weiterschipperte – in die Karibik. Wohin genau, hat er uns nicht verraten. Das Risiko, wir würden hinterherkommen, sei zu groß, sagte er.

Der Markt vor der orthodoxen Kathedrale lädt zum Schlendern und Stöbern ein.
Der Markt vor der orthodoxen Kathedrale lädt zum Schlendern und Stöbern ein. Foto: Maria Menzel

Cluj-Napoca: Eroberer, Könige und ein Hauch Dolce Vita

Wir fahren also zu zweit mit dem Bus in die Innenstadt, in der sich Cluj-Napoca tatsächlich von einer anderen Seite zeigt. Da ist die Flaniermeile Eroilor, der Boulevard der Eroberer. Da ist die auf dem Unirii-Platz thronende Michaelskirche, vor der sich das Standbild des ungarischen Königs Matthias Corvinus auf seinem Pferd aufbäumt, rundherum ein Hauch von Dolce Vita, das wir in Form frischer Limonade und Eis in uns aufsaugen.

Da ist das Grün, das sich mit dem Parcul Central und dem Parcul Cetatuje saftig und selbstbewusst inmitten der Stadt breitmacht.

Das Essen unserer reisereporter sah nicht nur hipstermäßig aus, es hat auch so geschmeckt.
Das Essen unserer reisereporter sah nicht nur hipstermäßig aus, es hat auch so geschmeckt. Foto: Maria Menzel

Da sind das Nationaltheater und die Oper, die sich ein stuckverziertes Gebäude mit sonnengelbem Anstrich gegenüber der orthodoxen Kathedrale teilen und in deren Nähe ein Markt zum Schlendern und Naschen einlädt.

Da ist tatsächlich ein Dutzend Cafés und Restaurants, die wir auch im tiefsten Berliner Hipstermekka erwarten würden und deren Menüs kosmopolitischen Ansprüchen durchaus gerecht zu werden verstehen. Es liegen Welten zwischen den Straßenzügen von Cluj-Napoca.

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Salina Turda: der tiefste Freizeitpark der Welt

Und dann gibt es einen Ort, an dem die Siebenbürgen-Region nicht nur ihrer eigenen, sondern auch der europäischen Zeit weit voraus scheint: die Salina Turda. Die Geschichte des 35 Kilometer südöstlich von Cluj-Napoca gelegenen Salzbergwerks reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Heute ist die 1992 stillgelegte Mine nicht nur ein Museum, sondern 120 Meter unter der Erdoberfläche gelegen auch der tiefste Freizeitpark der Welt.

Die Attraktionen und Buden in der Salina Turda wirken, als wären sie nicht von dieser Welt.
Die Attraktionen und Buden in der Salina Turda wirken, als wären sie nicht von dieser Welt. Foto: Maria Menzel

Ja, du hast richtig gelesen: ein Freizeitpark – mit Kegelbahn und Minigolfanlage, Tischtennis-Areal und Riesenrad und einer Insel, die aus Holz in einem wassergefüllten Schacht auf Salzresten errichtet wurde und die Besucher in kleinen Paddelbooten umschippern.

In den düsteren steinernen Decken hängen Designerlampen, die Buden sehen aus wie Steckkonstruktionen aus Pressholz, deren neonbeleuchtete Flanken sie im Dunkel der unterirdischen Kathedrale wie Ufos aussehen lassen. Im Strom der Menschenmassen rauschen wir die engen Holztreppen hinab und in einem verglasten Fahrstuhl wieder hinauf.

Und nach zwei Stunden, in denen uns die finster-feuchten zwölf Grad Celsius im Bergwerk trotz Pullover bis in die Knochen gekrochen sind, scheinen uns die Sonne an der Oberfläche noch ein wenig heller zu strahlen, die Temperaturen noch ein wenig wärmer, die Wiesen saftiger und grüner als zuvor.

Ein bisschen Glitzer, Glitzer für das Untold-Festival

Wobei wir von Grün in Cluj-Napoca nicht viel sehen: Im Parcul Central, dem Central Park von Cluj, tobt dieser Tage wie jedes Jahr Anfang August das Untold-Festival. Vierte Auflage, fünf Tage, mehr als 330.000 Menschen und 250 Künstler. Und als wir das Line-up sehen, haut es uns regelrecht aus den Sommersandalen – Jason Derulo und die Black Eyed Peas hätten wir hier in Cluj-Napoca, um ehrlich zu sein, nicht erwartet.

Mehr als 330.000 Menschen hat es in diesem Jahr auf das Musikfestival in Cluj-Napoca getrieben.
Mehr als 330.000 Menschen hat es in diesem Jahr auf das Musikfestival in Cluj-Napoca getrieben. Foto: Maria Menzel

Das überzeugt selbst uns, Jane und Julia, die wir – und das ist längst kein Geheimnis mehr – etwas anders sind als andere Mittzwanziger. Kreuzfahrt statt Campingtrip, all-inclusive statt alles individuell, durchschlafen statt durchfeiern. Auf einem Festival waren wir noch nie. Das aber müssen wir sehen. Wir schmeißen uns in Schwarz und Sneakers und goldenen Glitzer ins Gesicht und stürzen uns in ein Tohuwabohu von Menschen in Outfits, in denen unsere Mütter uns früher nicht vor die Tür gelassen hätten.

Man schwoft vor großen wie kleinen Bühnen, lässt sich Blumen in die Haare flechten und trinkt Vodka Apple zu Sushi. Es gibt viel zu essen und zu trinken und zu sehen und zu hören. Allein vor der Hauptbühne in der Cluj-Arena toben 80.000 Menschen zu Jason Derulo, Kygo und Feuerwerk – und wir toben mit.

Cluj-Napoca: Zurück in die Realität

Und als wir schließlich aus dieser wiederum so anderen Welt hinaus- und ins Taxi einsteigen, um in die Realität zurückzukehren, sind wir ebenso beeindruckt wie verwirrt – weil Grau und Glitzer und Berg- und Bauwerke irgendwie nicht zueinander passen wollen. Und wir fragen uns, ob sie das überhaupt müssen. Vier Tage, vier Welten. Eine Zeitreise.

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