Billigflieger Jet2: Zehnjähriger soll seine Behinderung „beweisen“

Jet2: 10-Jähriger soll seine Behinderung „beweisen“

Eigentlich hatte Jack (10) mit seiner Familie einen tollen Kroatien-Urlaub. Eigentlich. Denn die dreiste Frage eines Jet2-Mitarbeiters am Flughafen verwandelte die Abreise des Jungen in einen Albtraum.

Der zehnjährige Jack musste am Flughafen in Split Jet2-Mitarbeitern seine Behinderung beweisen.
In ihrem Wut auf die Airline teilte Jacks Mutter ein Bild ihres traurigen Sohnes in den sozialen Netzwerken.

Foto: facebook.com/Joining Jack

Jack J. ist zehn Jahre alt, kommt aus Wigan, einem Ort rund 40 Kilometer westlich von Manchester, und ist ein ganz normaler Zehnjähriger. Außer, dass er an Duchenne-Muskeldystrophie leidet, einer angeborenen Muskelschwäche, durch die er an ein Elektromobil gebunden ist. Trotzdem möchte er natürlich behandelt werden wie jeder andere Junge auch. 

Bei einem Flug von Split (Kroatien) nach Leeds-Bradford (England) mit seinen Eltern und seinem Bruder bei der Billig-Airline Jet2 ist allerdings das krasse Gegenteil passiert: 

„Haben Sie einen Beweis für die Behinderung Ihres Sohnes?“

Obwohl es auf dem Hinflug keinerlei Probleme gegeben habe, hätte das Personal am Flughafen in Split keinen Eintrag bezüglich Jacks Behinderung vorliegen gehabt. Deshalb sei Jacks Mutter Alex J. – vor ihrem Sohn – gefragt worden, ob sie einen Beweis für seine Behinderung habe. 

Völlig erschüttert habe sie daraufhin den Ausweis ihres Sohnes vorgezeigt, schildert Alex den Vorfall auf „Joining Jack“, der Website einer Wohltätigkeitsorganisation für Duchenne-Patienten, die sie gemeinsam mit ihrem Mann ins Leben gerufen hat. „Ich wusste nicht, ob ich sarkastisch werden und sagen sollte, dass er aus Spaß im Elektromobil fährt und behindert spielt, oder weinen und schreien soll, dass er eine tödliche muskelzerfressende Krankheit hat.“

Jet2 gab die Infos über Alex’ Flug nicht ans Flughafenpersonal weiter

Jet2 muss zwei Tage vor Abflug über mitreisende Rollstühle oder ähnliches informiert werden, Alex zufolge habe die Familie aber alle erforderlichen Vorbereitung für die Airline getroffen.

Wie sich herausstellte, hatte Jet2 die nötigen Unterlagen einfach nicht weitergegeben, deshalb die Nachfrage. „Jake war das so peinlich“, schreibt Alex weiter. „Er mag es nicht, wenn um ihn ein großes Aufheben gemacht oder er anders als andere behandelt wird.“

Mutter plädiert für besseren Umgang mit behinderten Passagieren

Am Tag darauf habe er einen totalen Zusammenbruch gehabt, seiner Mutter zufolge aufgrund des Flughafentraumas. Sie fordere, dass alle Mitarbeiter von Fluggesellschaften für den Umgang mit behinderten Personen geschult werden, damit sich so ein Vorfall nicht wiederhole. 

Jet2 hat sich gegenüber der „BBC“ bereits für das bedauerliche Erlebnis entschuldigt. Obwohl das ein einmaliger Zwischenfall gewesen sei, würden aktuell alle Abläufe überprüft werden, damit so etwas nicht noch einmal passiere.

Trotz eines Reisegutscheins im Wert von umgerechnet etwa 330 Euro und einer Flughafenführung für Jack als Entschädigung sind seine Eltern sich sicher: „Wir haben noch nie so etwas Chaotisches und Demütigendes für unseren Sohn erlebt wie den Flug von Split mit Jet2.“

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