Selfie-Wahn auf Sonnenblumenfarm in Kanada: Betreiber schließen

Selfie-Wahn auf Sonnenblumenfarm: Betreiber schließen

Wenn der Selfie-Wahn eine Familie in den Wahnsinn treibt: Tausende Instagrammer stürmten auf der Jagd nach dem perfekten Foto eine Sonnenblumenfarm in Kanada. Die Lage eskalierte, die Polizei griff ein.

Ein Sonnenblumenfeld in Kanada wurde zum Instagram-Hit. Doch die Lage eskalierte, als Tausende die Farm auf der Jagd nach dem perfekten Foto stürmten. (Symbolfoto)
Ein Sonnenblumenfeld in Kanada wurde zum Instagram-Hit. Doch die Lage eskalierte, als Tausende die Farm auf der Jagd nach dem perfekten Foto stürmten. (Symbolfoto)

Foto: Youtube.com/Travel Mammal

Was haben der Schiefe Turm von Pisa, der Eiffelturm, die Chinesische Mauer und der Sonnenuntergang auf der griechischen Insel Santorin gemeinsam? Überall dort siehst du vor lauter Touristen mit Handy in der Hand am ausgetreckten Arm die Sonne/die Mauer/den Turm nicht. Das gleiche Schicksal ereilte jetzt das Sonnenblumenfeld von Familie Bogle in der kanadischen Provinz Ontario. 

Ich kann es nur als Zombie-Apokalypse beschreiben.

Brad Bogle, Farmer

Die Touristen stürmten am vergangenen Wochenende in Scharen dorthin. Aber nicht, um sich die Blütenpracht anzuschauen, sie waren auf der Jagd nach dem perfekten Insta-Foto. „Ich kann es nur wie eine Zombie-Apokalypse beschreiben“, sagt Farmer Brad Bogle der kanadischen Zeitung „The Globe and Mail“.

Das Chaos auf dem Feld war so groß, dass die Polizei die Farmer zwang, allen Fotografen den Zutritt zu verbieten. „Es ist nicht mehr erlaubt, sich Sonnenblumen anzuschauen oder zu fotografieren“, teilten die Betreiber auf Facebook mit:

Eigentlich begann alles ganz harmlos. Wie schon einmal vor drei Jahren öffneten die Bogles ihre Sonnenblumenfarm am 20. Juli für Fotografen. Für 7,50 kanadische Dollar durften sie hinein und die Blütenpracht knipsen. Damit wollte die Familie ihre Einkünfte aufbessern, die ihre Felder mit Blumen, Mais, Hirse, Hafer und Gerste bewirtschaftet. 

Sonnenblumenfeld wird Insta-Hit: Tausende stürmen Bogle-Farm in Kanada

Vor drei Jahren kamen insgesamt ein paar Hundert Besucher in etwa zwei Wochen. Auch in diesem Jahr sei der Parkplatz, auf dem Platz für 300 Autos sei, in der ersten Woche nie mehr als zu einem Drittel voll gewesen. Urlauber aus Dubai, New York und Australien kamen und plauderten mit den Farmern. Bogle sagt, er habe erfahren, dass die Sonnenblume in vielen Kulturen für Glück stehe. So weit, so nett.

Doch am vergangenen Samstag kamen die Horden, parkten teils kilometerweit weg, weil kein Platz mehr auf dem Parkplatz war. Ein Polizist schätzte die Masse auf rund 7.000 Autos. Den Anstoß dazu gaben Bilder, die viral gingen. So wie das von Instagrammerin „fruitypoppin“. Sie hat mehr als 1,3 Millionen Follower und machte ein Selfie inmitten der Sonnenblumen. Das Foto hat mehr als 213.000 Likes.

Ihr eiferte die Insta-Szene nach, mehr als 1.000 Fotos sind dort unter dem Hashtag #bogleseeds zu sehen. Die Menschen nutzten die Kulisse aus mehr als einer Million Sonnenblumen für das perfekte Selfie. Sie schnupperten an den Blumen, räkelten sich zwischen den Pflanzen, schauten verträumt gen Himmel.

Sie machten dort Familien-Shootings…

… oder ein Foto beim Yoga, …

… für ein Brautjungfern-Shooting…

… oder gar für ein Erotikshooting.

Trotz der Hinweise auf Facebook, der Farmwebsite und einem großen Schild vor dem Sonnenblumenfeld selbst mit der Aufschrift „Die Sonnenblumenfelder sind geschlossen“ versuchen Menschen mit Selfiesticks weiterhin einzudringen. 

Der Familienvater verbringe weiter viel Zeit damit, Besucher zu verscheuchen, und müsse sich dabei etliche Pöbeleien gefallen lassen, berichtet „The Globe and Mail“.

Und noch immer werden bei Instagram neue Fotos aus dem Sonnenblumenmeer gepostet. Doch ein Ende ist (zum Glück) in Sicht. Sonnenblumen blühen in der Regel nur etwa zwei Wochen lang.

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