Daumen raus: Dieses Paar reist per Anhalter um die Welt

Daumen raus: Dieses Paar reist per Anhalter um die Welt

Fabienne und Adriano wollen um die Welt reisen – und das nur per Anhalter. In den vergangenen vier Monaten haben sie in mehr als 100 fremden Autos gesessen und so zehn Länder kennengelernt.

Fabienne und Adriano aus der Schweiz haben einen Vorsatz: Nur per Anhalter reisen.
Fabienne und Adriano aus der Schweiz haben einen Vorsatz: Nur per Anhalter reisen.

Foto: verreis

Fast jeden Tag nutzt das Paar aus der Schweiz eine neue Mitfahrgelegenheit, hat so auf seiner Reise mit Open End bislang knapp 4.600 Kilometer in zehn Ländern zurückgelegt – und in jedem hatte es spannende und kuriose Begegnungen.

Da war das schwule Paar in Italien mit seinem kleinen Schoßhund Zak, das die beiden so herzlich wie Familienmitglieder behandelte. Oder der türkische Partybus, in dem niemand die Tramper verstand, geschweige denn wusste, wohin sie überhaupt wollten.

Eigentlich ist das auch egal, denn Fabienne (29) und Adriano (27) wollen ganz einfach die Welt entdecken. Davon träumten beide schon als Singles. „Es brauchte jedoch uns beide dazu, diese Träume umsetzen zu können.“ Kennengelernt haben sie sich im April 2013 – „ganz klassisch in einer Bar“.

Vor der Reise als Tramper war das Paar lange in Australien

Die Anfangsbedingungen waren schwierig, denn sie wohnten drei Autostunden voneinander entfernt. Nach einem halben Jahr hatten sie genug davon, kündigten zum ersten Mal die Jobs und flogen für vier Monate nach Australien. „Das festigte unsere Beziehung und tat uns sehr gut“, erklärt Fabienne. Der Test war geglückt.   

100 Autos, 10 Länder: So reisen Fabienne und Adriano

Vor gut einem Jahr kündigten sie ihre Jobs erneut – um als Backpacker auf Weltreise zu gehen. Sie reisten in Thailand, Malaysia, Indonesien, Griechenland und in der Schweiz „von Hostel zu Hostel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln“.

Doch diese Art des Reisens habe die beiden nicht erfüllt. „Uns fehlte der wirkliche Kontakt zu den Einheimischen. Denn unser großes Ziel auf Reisen ist es, die Kultur der jeweiligen Länder kennenzulernen.“

Ein Kinofilm brachte das Paar auf die Idee der Reise per Anhalter

Zurück in der Schweiz schauten sie den Dokumentarfilm „Weit“ im Kino – über ein Paar, das unter anderem per Anhalter um die Welt reiste – und wussten: So soll es weitergehen. „Wir wollten direkt in der Schweiz starten, sozusagen vor der Haustür in Lenzburg, und wussten nicht, ob wir es überhaupt über die Grenze schaffen würden. Am ersten Tag war Fabienne so nervös, dass sie es nicht mal schaffte, unser Ziel auf das Schild zu schreiben“, erinnert sich Adriano. 

An diesem Erlebnis, genau wie bei jedem Schritt des Abenteuers, lässt das Duo, das sich „verreis“ nennt, die Familie, Freunde und Follower teilhaben, unter anderem durch ihre Vlogs:

Angst, dass unterwegs etwas passieren könnte, hatte das Paar nie: „Wir denken, dass derjenige, der anhält, das gleiche Risiko eingeht wie wir. Und bis heute haben wir noch keine wirklich schlimme Erfahrung gemacht.“ Trotzdem sind sie froh, zu zweit zu trampen. „Wir denken, die Chancen, mitgenommen zu werden, sind auch höher, wenn man als Paar an der Straße steht.“

Kürzeste Wartezeit für eine Mitfahrgelegenheit: 30 Sekunden

Und so wird auch das Warten auf einen Lift nicht langweilig. Zwar kann’s ganz schnell gehen, die kürzeste Wartezeit auf ein Auto betrug bei den beiden bisher 30 Sekunden. Doch manchmal braucht es ganz viel Geduld: Sie standen auch schon geschlagene acht Stunden an der Straße, bis ein Auto anhielt.

Und das kann extrem anstrengend werden. „Wir hatten bereits mehrere Male mit der Hitze zu kämpfen. Manchmal findet man eben keinen Schattenplatz, um an der Straße zu stehen und zu warten, bis jemand anhält.“

Doch auch dann kommt es zu spannenden Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen. „Einmal brachte uns ein Fremder, während wir auf eine Mitfahrgelegenheit in Slowenien warteten, ein Mittagessen. Er konnte weder Englisch noch Deutsch und stellte einfach zwei Teller hin und sagte: ‚Lunch!‘ Zehn Minuten später kam er erneut aus dem Haus mit zwei Tellern in den Händen, stellte sie uns hin und sagte: ‚Dessert!‘“, erinnert sich das Paar.

Seine Reise versucht das Paar so günstig wie möglich zu halten. Daher übernachtet es auch nur, wenn es in Städten unterwegs ist, in Hostels oder Guesthouses: „Wir versuchen, so günstig wie möglich zu übernachten – unter 20 Euro für beide.“ Fabienne und Adriano wurden sogar schon von Mitfahrgelegenheiten in deren Haus eingeladen, um dort zu schlafen. Ansonsten übernachten die zwei auf einem Campingplatz oder, wenn’s erlaubt ist, in der freien Natur.

Wir reisen von Tag zu Tag, von Ort zu Ort. Manchmal wissen wir gar nicht, wo wir am Abend landen werden.

Fabienne und Adriano

Planen tun sie das vorher nicht – „das kann und sollte man als Anhalter auch nicht“. Und davon abgesehen liege es ihnen auch nicht, geben sie zu. „Wir sind echte Versager, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen: Welche Unterkunft? In welche Richtung weiterreisen? Wo essen? Egal, wir tun uns extrem schwer damit.“

Auch wohin es sie als Nächstes zieht, ist noch nicht klar: „Wir reisen von Tag zu Tag und von Ort zu Ort. Manchmal wissen wir gar nicht, wo wir am Abend landen werden.“ Es soll aber erst mal weiter in Richtung Osten gehen, durch Bulgarien in die Türkei. Das Paar kann sich vorstellen, danach eine Weile in Georgien zu bleiben.

Aber wer weiß, was der nächste Anhalter bringt?

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