Erst stundenlang hinhalten, dann aufgereiht auf Pritschen schlafen lassen und frühmorgens wecken: Diese Passagiere dürften wenig vom Kundenservice der United Airlines halten.

Gleich vier Flüge am O’Hare Airport in Chicago (USA) waren am Montag vergangener Woche aufgrund technischer Probleme von extremen Verspätungen betroffen und flogen im Laufe des Dienstagmorgens statt am Montagabend.

Die Fluggäste der früheren Abflüge hätten noch einen Hotelgutschein für 200 US-Dollar erhalten, schreibt eine Passagierin auf Twitter. Liz S. selbst habe allerdings einen der späteren Flüge nach Portland, Maine, gebucht.

Ihnen sei so lange vorgegaukelt worden, sie könnten mit einer Ersatzmaschine fliegen, bis es zu spät gewesen sei, in Hotels einzuchecken. 

Horrornacht am Flughafen: Vier Stunden Schlaf auf schmalen Pritschen

So weit, so nervig. Liz nahm sich trotzdem vor, das Beste aus der Situation zu machen. Bis Mitarbeiter von United sie erneut anlogen: Es gebe keine Gutscheine für Hotels oder Entschädigung für verbrachte Nächte am Flughafen.

Dabei hatte sie kurz zuvor mit eigenen Augen gesehen, wie ebendiese Zettel an die Passagiere der früheren Flüge ausgeteilt wurden:

Sie teilte ein Foto davon auf Twitter und rief auch am Flughafen ihre Mitreisenden dazu auf, sich nicht erzählen zu lassen, dass diese nicht existieren würden. Kein Wunder, dass die Passagiere mittlerweile stinkwütend waren.

Erst um Mitternacht stand fest, dass der Flug auf den nächsten Morgen verschoben wurde

Was für Liz das Fass allerdings zum Überlaufen brachte: Unter den Mitreisenden für ihren Flug waren zahlreiche Kinder, Ältere und Menschen im Rollstuhl. Sie seien, wie alle anderen, zunächst von der geplanten Abflugzeit um 19.30 Uhr bis Mitternacht hingehalten worden, um dann erst zu erfahren, dass der Flug auf 6 Uhr morgens verschoben sei. 

Und die Nachtruhe – wenn man unter diesen Umständen überhaupt davon sprechen kann – währte nur kurz: Um Punkt 4 Uhr morgens wurden die Schlafenden dann von der Security geweckt, um die Liegen freizuräumen, die sofort wieder zusammengeklappt und weggebracht wurden. 

„Eine Mutter fragte, ob sie eine Decke für ihren Sohn behalten könne“, schreibt Liz in einem anderen Tweet. Ihr sei aber gesagt worden, dass das nicht erlaubt sei und die Mitarbeiter alle Decken einsammeln müssten.

Die Passagiere hätten einen Verzehrgutschein im Wert von 10 US-Dollar erhalten – alle Geschäfte waren um diese Uhrzeit allerdings noch geschlossen.

Ich hab es SO satt, dass die großen Konzerne ihren Profit über Menschen stellen.

United-Airlines-Passagierin Liz S.

Ein Sprecher von United bestätigte gegenüber „Inc“ den Vorfall: Die Airline habe Hotelgutscheine ausgestellt, bis die Unterkünfte in der Nähe ausgebucht gewesen seien. Danach hätten die Kunden Übernachtungsmöglichkeiten im Flughafen und Essensgutschein gestellt bekommen. 

Liz, die bereits seit Jahren United-Airlines-Kundin und Premiummitglied ist, reichte das nicht. Sie forderte eine Erstattung von Gesamtkosten in Höhe von fast 530 US-Dollar (umgerechnet etwa 455 Euro) für ein Upgrade, die Entschädigung für eine Nacht am Flughafen (150 Dollar), Parkkosten für einen zusätzlichen Tag und Essen.

„Ich hab es SO satt, dass die großen Konzerne ihren Profit über Menschen stellen“, schreibt Liz frustriert. Es sei endlich an der Zeit, dass sich dieses System grundsätzlich ändere.