Guernsey: Kinofilm rückt die Insel ins Rampenlicht I reisereporter.de

Guernsey: Kinofilm rückt die Insel ins Rampenlicht

Der Kinofilm „The Guernsey Literary & Potato Peel Pie Society“ gibt ab dem heutigen Donnerstag einen Einblick in die Geschichte der zweitgrößten Kanalinseln. reisereporterin Sabrina hat sich umgesehen.

In der Verfilmung von „The Guernsey Literary & Potato Peel Pie Society“ („Deine Juliet“) laufen Juliet (Lily James) und Dawsey Adams (Michiel Huisman) vermeintlich an einem Strand auf der Kanalinsel entlang. Tatsächlich wurden die Aufnahmen in Cornwall und Devon gemacht.
In der Verfilmung von „The Guernsey Literary & Potato Peel Pie Society“ („Deine Juliet“) laufen Juliet (Lily James) und Dawsey Adams (Michiel Huisman) vermeintlich an einem Strand auf der Kanalinsel entlang. Tatsächlich wurden die Aufnahmen in Cornwall und Devon gemacht.

Foto: Studiocanal GmbH

Dass für international bekannte Schauspieler der rote Teppich ausgerollt wird, kommt auf Guernsey nicht allzu häufig vor. Entsprechend aufgeregt waren die Bewohner der Kanalinsel am 12. April 2018.

Am Abend dieses Donnerstags feierte in der Inselhauptstadt St Peter Port ein ganz besonderer Film seine Inselpremiere: „The Guernsey Literary & Potato Peel Pie Society“.

Während andernorts viele Filmfans vermutlich vor allem die Schauspieler Lily James, Michiel Huisman, Jessica Brown Findlay oder Matthew Goode bewundert hätten, so gab es für die meisten der Guernsianer nur einen Star in der Literaturverfilmung: ihre Insel. Denn schließlich erzählt der Film einen Teil ihrer Geschichte.

Der Briefroman der amerikanischen Schriftstellerin Mary Ann Shaffer und ihrer Nichte Annie Barrows war Vorlage für das Drama. Shaffer erfuhr bei einem Aufenthalt auf Guernsey von den tragischen Ereignissen, die sich während des Zweiten Weltkrieges auf der Insel abspielten.

Im Juni 1940 besetzten deutsche Soldaten Guernsey. Bis zum Ende der Besatzungszeit im Mai 1945 folgten harte Jahre: Viele Familien wurden getrennt, die Lebensbedingungen immer schwieriger. Im Winter vor der Befreiung waren sowohl die Bewohner als auch die Besatzer kurz vor dem Verhungern. Die Ereignisse berührten die Amerikanerin so sehr, dass sie damit begann, ihr Buch darüber zu schreiben.

„Deine Juliet“ ist ab Donnerstag, 9. August, 2018 auch in den deutschen Kinos zu sehen

Shaffer erzählt die Geschichte der Londoner Schriftstellerin Juliet Ashton (im Film gespielt von Lily James). Die junge Frau erhält Ende der Vierzigerjahre einen Brief von dem literaturbegeisterten Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman), der auf der Kanalinsel Guernsey lebt.

Juliet erfährt auf diesem Weg, dass der Inselbewohner und seine Freunde den Literaturverein „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society) gegründet haben, um die Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs besser zu überstehen. Sie beschließt, auf die Insel zu reisen, um über den Buchclub zu schreiben.

Die Reise wird zu einer Zeit, die ihr Leben für immer verändern wird.

Bei ihrem Besuch auf der Kanalinsel probiert Juliet (Lily James, rechts) selbstverständlich auch den namensgebenden Kartoffelschalenauflauf des „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ Buchclubs.
Bei ihrem Besuch auf der Kanalinsel probiert Juliet (Lily James, rechts) selbstverständlich auch den namensgebenden Kartoffelschalenauflauf des „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ Buchclubs. Foto: Studiocanal GmbH

Am Donnerstag, 9. August, läuft die Literaturverfilmung von Regisseur Mike Newell („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“) unter dem Titel „Deine Juliet“ nun auch in den deutschen Kinos an.

Von Guernsey selbst ist im Film allerdings nicht viel zu sehen. Crew und Equipment auf die Insel zu bringen und vor allem dort von einem Drehort zum nächsten zu fahren wäre einfach nicht möglich gewesen. Zu schmal sind die Straßen, zu eng die Kurven, als dass die Lastwagen und Trailer problemlos hätten bewegt werden können.

Stattdessen wurden die Landschaftsszenen in Cornwall und Devon gedreht – wegen der landschaftlichen Ähnlichkeit.

Wer jetzt auf die Insel kommt, um die Drehorte zu sehen, wird denken, dass es hier noch viel schöner ist.

Gaby Betley, Reiseführerin

Nach der ersten Enttäuschung darüber haben die meisten Inselbewohner erkannt: Das ist auch gut so. „Wer jetzt auf die Insel kommt, um die Drehorte zu sehen, wird denken, dass es hier noch viel schöner ist“, sagt etwa Gaby Betley.

Die 55-Jährige stammt aus Pinneberg, kam vor mehr als 30 Jahren als Au-pair nach Guernsey. Die Deutsche verliebte sich, heiratete und blieb. Heute zeigt Gaby Betley Reisenden die schönsten Seiten der Insel, die längst ihre Heimat geworden ist.

Gaby Betley lebt seit mehr als 30 Jahren auf Guernsey. Die Deutsche führt heute Reisende zu den schönsten Orten auf der Kanalinsel.
Gaby Betley lebt seit mehr als 30 Jahren auf Guernsey. Die Deutsche führt heute Reisende zu den schönsten Orten auf der Kanalinsel. Foto: Sabrina Friedrich

Die Vogtei Guernsey liegt nur 70 Kilometer von Frankreich entfernt

Steile Klippen, breite Sandstrände, sanfte Hügel, weitläufige Felder und eine vielfältige Flora und Fauna – auf Guernsey gibt es viel Schönes zu entdecken. Die nicht ganz 65 Quadratkilometer große Insel liegt im südwestlichen Teil des Ärmelkanals – nur 70 Kilometer von der französischen Küste entfernt.

Guernsey ist eine Vogtei, die in zwölf Gemeinden unterteilt ist. Dazu gehören auch die Inseln Alderney, Herm, Sark und einige weitere kleine Eilande. Sie alle gelten als Kronbesitz und sind direkt der britischen Krone unterstellt. Allein auf Guernsey leben 62.500 Einwohner.

An den Steilküsten von Guernsey bieten sich unvergleichliche Ausblicke – etwa in Pleinmont im Südwesten.
An den Steilküsten von Guernsey bieten sich unvergleichliche Ausblicke – etwa in Pleinmont im Südwesten. Foto: Sabrina Friedrich

Dank der Lage im Golf von Saint-Malo ist das Klima durchgängig mild. Stechginster, Magnolien, Kamelien, Hortensien, wilde Orchideen und natürlich die Guernsey-Lilie: Das ganze Jahr über grünt und blüht es auf den Inseln. Es wachsen sogar Palmen.

Am südlichen Rand von St Peter Port auf dem Weg zur malerischen Fermain Bay liegen die Bluebell Woods. „Im Frühjahr ist der Boden übersät mit blauen Glockenblumen“, berichtet Gaby Betley. Zweimal jährlich werden die mehr als 1000 Blumenkübel in der Hauptstadt neu bepflanzt.

Der Autor Victor Hugo lebte lange in St Peter Port

Die landschaftliche Schönheit hat schon immer Künstler angelockt – etwa den französischen Schriftsteller Victor Hugo. Nachdem er 1851 in Frankreich inhaftiert worden war, verließ er seine Heimat und ging ins Exil. Es zog ihn zunächst nach Jersey, auf die größte der Kanalinseln. Anschließend lebte er von 1856 bis 1870 in Guernseys Inselhauptstadt St Peter Port.

Ein Besuch von St. Peter Port ist ein Muss für Guernsey-Reisende. Die Hafenstadt ist gleichzeitig Hauptstadt der Kanalinsel.
Ein Besuch von St. Peter Port ist ein Muss für Guernsey-Reisende. Die Hafenstadt ist gleichzeitig Hauptstadt der Kanalinsel. Foto: imago/robertharding

Sein Haus steht heutzutage Besuchern offen – noch bis zum nächsten Jahr können Reisende allerdings nur seinen Garten besichtigen. Denn das sogenannte Hauteville House, das mittlerweile der Stadt Paris gehört, wird aktuell renoviert.

Hier schrieb der Autor zum Beispiel seinen weltbekannten Roman „Die Elenden“ („Les Misérables“).
Auch der Maler Pierre-Auguste Renoir kam nach Guernsey. Er war von der Landschaft so fasziniert, dass er ihr gleich eine ganze Reihe Gemälde widmete.

Auf den Spuren des Films die Inselgeschichte erkunden

Besonders angenehm lässt sich Guernsey mit Andy Taylor erkunden. Der 30-Jährige, der in der Inselhauptstadt St Peter Port ein Café betreibt, bietet seit April Geländewagentouren an. Natürlich auch eine Potato-Peel-Tour auf den Spuren des Filmes. „Ich will Besuchern ein Gefühl für das Leben während der Besatzungszeit vermitteln“, sagt Taylor. Deshalb steuert er mit ihnen außer Plätzen, die im Buch erwähnt werden, auch gern Sausmarez Manor an.

Ich will Besuchern ein Gefühl für das Leben während der Besatzungszeit vermitteln.

Andy Taylor, Anbieter von Geländewagentouren

Das Herrenhaus in St Martin, das für seinen Skulpturengarten bekannt ist, befindet sich seit 800 Jahren in Familienbesitz. Wer ein wenig Glück hat, trifft bei dem Besuch auch auf Hausherr Peter de Sausmarez. Dessen Familienmitglieder haben die Besatzungszeit miterlebt und viel ihres Erlebten an die Nachfahren weitergegeben.

Er teilt sein Wissen gern mit Besuchern und liest zum Beispiel aus dem Tagebuch seiner Tante deren Erlebnisse zur Zeit der Besatzung vor.

Wer das Herrenhaus Sausmarez Manor besucht, hat vielleicht die Chance, mit Hausherr Peter de Sausmarez über die Besatzungszeit zu plaudern.
Wer das Herrenhaus Sausmarez Manor besucht, hat vielleicht die Chance, mit Hausherr Peter de Sausmarez über die Besatzungszeit zu plaudern. Foto: Sabrina Friedrich

Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen will, sollte auch das German Occupation Museum im Süden der Insel ansteuern. Es wurde bereits 1966 von Richard Heaume gegründet.

Der Guernsianer hat für die äußerst aufschlussreiche Dauerausstellung nicht nur militärische Hinterlassenschaften, sondern vor allem jede Menge Alltagsgegenstände aus der Zeit zusammengetragen. Im Museum befindet sich unter anderem ein authentischer Nachbau einer Straße aus der Besatzungszeit.

Im German Occupation Museum auf Guernsey ist unter anderem ein authentischer Nachbau einer Straße aus der Besatzungszeit zu sehen.
Im German Occupation Museum auf Guernsey ist unter anderem ein authentischer Nachbau einer Straße aus der Besatzungszeit zu sehen. Foto: Images courtesy of VisitGuernsey

Heaume erwarb 1991 auch den Pleinmont Tower. Der fünfstöckige Marinebeobachtungsturm – der tatsächlich auch in der Verfilmung zu sehen ist – wurde von den Deutschen gebaut. Er steht an der spektakulären Steilküste im Südwesten der Insel, von der sie sowohl Süd- als auch Westküste gut im Blick hatten. Die Gegend lohnt schon wegen der atemberaubenden Ausblicke den Besuch.

Auf den Spuren des Films gibt es auf Guernsey eine Menge zu entdecken – zum Beispiel alte Observationstürme wie den Prevote Tower.
Auf den Spuren des Films gibt es auf Guernsey eine Menge zu entdecken – zum Beispiel alte Observationstürme wie den Prevote Tower. Foto: Images courtesy of VisitGuernsey

Bei einer Wanderung an der Küste gelangen Reisende meist auch zu den erhaltenen Schützengräben. Die Zeit der Besatzung wird hier bedrückend lebendig. Genauso wie im German Military Underground Hospital, einem nie fertiggestellten Untergrundkrankenhaus in der Gemeinde St Andrew. Der etwa 7000 Quadratmeter große Tunnelkomplex ist das größte verbliebene Bauwerk aus der Zeit der Besatzung.

Inselbewohner feiern jedes Jahr den Tag der Befreiung

An jedem 9. Mai feiern die Bewohner Guernseys den Tag der Befreiung. „Remember and celebrate with island pride“ („Erinnert euch und feiert mit Inselstolz“) lautet dann das Motto.

Auch für die Premiere von „The Guernsey Literary & Potato Peel Pie Society“ hätte sich kein treffenderes Motto finden lassen können. Denn stolz waren die Guernsianer allemal.

Schließlich wird ihrer Insel nicht allzu oft der rote Teppich ausgerollt.

Tipps für deine Reise nach Guernsey

Anreise: Direktflüge gibt es ab Düsseldorf von Tui Wolters und Eurowings. Ansonsten mit dem Flugzeug nach London-Gatwick oder -Stansted. Von dort geht es weiter mit der landeseigenen Fluggesellschaft Aurigny. Guernsey ist außerdem mit Fähren aus England und von Frankreich aus erreichbar.

Beste Reisezeit: Auf Guernsey herrscht ganzjährig mildes Klima. Am besten für eine Reise eignet sich die Zeit zwischen Ostern und Mitte Oktober. Wegen der Lage im Ärmelkanal ist es häufiger windig. Der Golfstrom sorgt aber auch für angenehme Temperaturen.

Verkehr: Auf Guernsey herrscht Linksverkehr. Die Straßen sind teilweise sehr schmal. Beim Autofahren sind also Vorsicht und Rücksicht gefragt. Am besten lässt sich die Insel mit dem Fahrrad oder E-Bike erkunden. Die meisten Orte sind außerdem gut mit den öffentlichen Bussen erreichbar. Alle Fahrten starten und enden am Busbahnhof in St Peter Port. Für nur ein Pfund pro Ticket können die Passagiere innerhalb von etwa einer Stunde und 40 Minuten sogar die ganze Insel umrunden. Die Busse fahren mindestens im 30-Minuten-Takt. Bushaltestellen sind am Wort „Bus“ auf der Straße erkennbar.

Unterkunft: Auf der Insel gibt es eine große Auswahl an Unterkünften in unterschiedlichen Preisklassen – sie reicht von Hotels über Pensionen und Ferienhäuser bis zu Campingplätzen. The Duke of Richmond: luxuriöses Vier-Sterne-Hotel in St Peter Port mit individuellen Zimmern, Pool und wundervollem Blick aufs Meer und die Nachbarinseln. Hotel Ziggurat: charmantes Boutiquehotel im Hauptstadtzentrum mit marokkanisch inspirierten Zimmern und Blick auf den Hafen.

Essen: The Beach Café: Café-Restaurant in der Fermain Bay mit großartigem Ausblick aufs Wasser, Fermain Lane, GY1 1ZZ. Cornerstone Pub: Pub mit klassischem Angebot im Zentrum von St Peter Port, Cornet Street, GY1 1LQ. Pier 17: feineres Seafood-Restaurant direkt am Hafen, Albert Pier, St Peter Port, GY1 1AD.

Attraktionen: German Occupation Museum: Les Houards Forest, GY8 0BG, geöffnet von April bis Oktober täglich 10 bis 16.30 Uhr, von November bis März täglich 10 bis 13 Uhr. Eintritt: 6 Pfund für Erwachsene, 3 Pfund für Kinder.
Sausmarez Manor: Herrenhaus aus dem frühen 13. Jahrhundert mit sehenswertem Garten, Route de Sausmarez, St Martin, GY4 6SG. Geführte Touren sind möglich.

Währung: Auf Guernsey gilt das Guernsey-Pfund mit eigenen Banknoten und Münzen. Es ist zum selben Wechselkurs wie das britische Pfund erhältlich. Die Geschäfte und Restaurants akzeptieren beide Währungen. Außerhalb der Kanalinseln kann man mit dem Guernsey-Pfund aber nicht bezahlen.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Guernsey. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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